Freiburg ist nicht mehr die kriminellste Stadt in Baden-Württemberg. Das zeigt die am Dienstag vorgestellte Kriminalitätsstatistik des Polizeipräsidiums Freiburg. Auch in den Landkreisen in Südbaden ging die Zahl der Straftaten vergangenes Jahr zurück. Die Gründe für den Rückgang sind unklar. Die Kriminalitätsrate ist aber im landesweiten Vergleich immer noch hoch.
Rund 23.000 Straftaten im vergangenen Jahr
Etwa 23.000 Straftaten wurden im vergangenen Jahr im Stadtkreis Freiburg gemeldet. Das ist ein Rückgang von sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr. Klammert man die beiden Corona-Jahre 2020 und 2021 aus, ist das sogar der niedrigste Wert der letzten zehn Jahre. Damit ist nicht mehr Freiburg, sondern Mannheim die kriminellste Stadt in Baden-Württemberg. Absolut gesehen sind diese Zahlen aber immer noch hoch. Die Stadtteile mit den meisten Straftaten sind die Altstadt, Haslach und der Stühlinger. Schwerpunkte der Verbrechen waren Fahrraddiebstahl, Kriminalität im Netz, häusliche Gewalt und Jugendkriminalität.
Erneuter Anstieg der Fahrraddiebstähle
Im Stadtkreis Freiburg ist nach wie vor die hohe Zahl der Fahrraddiebstähle auffällig: Sie stieg im Vergleich zum Vorjahr um 16 Prozent. Im landesweiten Vergleich ist Freiburg in dieser Kategorie damit der unrühmliche Spitzenreiter. Im Schnitt wurden jeden Tag mehr als sieben Räder gestohlen, mit einem Wert von durchschnittlich fast 1.500 Euro.
Betrüger im Internet professionalisieren sich
Auch Betrugsversuche im Internet werden ein zunehmendes Problem: Sie machen insgesamt 40 Prozent von der Gesamtzahl aller Betrugsfälle aus. Die Täter haben sich in den letzten Jahren zunehmend professionalisiert, so die Polizei gegenüber dem SWR. Gängige Maschen sind etwa angebliche Online-Investments mit hohen Gewinnen, hinter denen sich Betrüger verbergen.
Anzahl tatverdächtiger Kinder steigt - wegen Social Media?
Die Zahl der Tatverdächtigen unter 21 Jahren ist auch in diesem Jahr wieder deutlich gesunken. Dafür hat die Schwere der Taten zugenommen. Bei Kindern unter 14 Jahren steigt die Zahl der Gewaltdelikte. Die Polizei Freiburg vermutet, dass Videos aus den sozialen Netzwerken damit in Zusammenhang stehen könnten, die Gewalt zeigen.
Sinkende Tendenz auch in den Landkreisen
- Der LK Lörrach ist trotz sinkender Straftaten wegen seiner Lage im Dreiländereck der Landkreis mit der höchsten Kriminalitätsrate im Land. Dieses Jahr waren es etwa 21.000 Delikte.
- Im LK Emmendingen sind die Betrugsdelikte in die Höhe geschnellt. Das liegt aber auch an einem gezielten Ermittlungsverfahren vom Kriminalkomissariat. Insgesamt rund 7.500 Delikte bedeuten einen Anstieg im Vergleich zum Vorjahr.
- Im LK Breisgau-Hochschwarzwald stieg die Zahl nichtdeutscher Tatverdächtiger. Das liegt vor allem an den verstärkten Grenzkontrollen der Bundespolizei. Insgesamt etwa 11.700 Delikte sind aber weniger als im Vorjahr.
- Rund 7.200 Straftaten bedeuten im LK Waldshut trotz deutlichen Rückgangs den dritthöchsten Wert der letzten 10 Jahre.
Polizei rechnet mit hoher Dunkelziffer
Warum die Zahl der Straftaten insgesamt rückläufig ist, kann nicht sicher gesagt werden. Die Polizei vermutet, dass die zunehmenden Kontrollen der Bundespolizei an der Grenze ein Grund sein könnten. Die Statistik bildet nur die angezeigten Straftaten ab. Bei vielen Delikten, etwa bei häuslicher Gewalt, rechnet die Polizei mit einer deutlich höheren Dunkelziffer.