Wenn die Schülerinnen und Schüler in Freiburg am Montag aus den Ferien in ihre Schulen zurückkehren, ist eines neu: Die KI hat endgültig ihren Weg in die Klassenzimmer gefunden. Ganz offiziell und datenschutzrechtlich abgesichert können die Schülerinnen und Schüler dann auf KI-Anwendungen wie ChatGPT zugreifen. Freiburg hat ein entsprechendes Angebot geschaffen. Mit dem Vorstoß nimmt die Stadt landesweit eine Vorreiterrolle ein.
KI an Schulen: Freiburg ist schneller als das Land
Zwar hat auch das baden-württembergische Kultusministerium angekündigt, den Zugang zu KI für alle Schulen in Baden-Württemberg zu ermöglichen, der Stadtverwaltung in Freiburg dauerte das aber zu lang. "Unsere Schülerinnen und Schüler und auch die Lehrkräfte nutzen ja schon KI in Schule und Unterricht", sagt die Schulamtsleiterin der Stadt Freiburg, Silke Donnermeyer. Bisher geschehe das aber nicht zielgerichtet.
Außerdem gebe es bisher datenschutzrechtliche Probleme, wenn KI-Anwendungen wie ChatGPT mit privaten Accounts im Unterricht genutzt werden. In Freiburg ist das Problem nun gelöst. Über die Plattform "fobizz" können die Schülerinnen und Schüler ab Montag viele Anwendungen nutzen, ohne dabei personenbezogenen Daten an die KI zu übermitteln. Dazu gehören neben ChatGPT auch Korrekturhilfen und bildgenerierende KIs.
Freiburgs Lehrkräfte begeistert von KI im Unterricht
Ein weiterer Vorteil von Angeboten wie "fobizz": Die Plattform bietet auch Fortbildungen zum Einsatz von KI für Lehrkräfte an. Das scheint wichtig, denn aufseiten der Lehrkräfte herrscht bei dem Thema offenbar noch große Unsicherheit, wie eine Umfrage des deutschen Schulbarometers der Robert Bosch Stiftung erst kürzlich ergab.
Ein Testlauf im vergangenen Schuljahr mit "fobizz" an Freiburgs Gymnasien zeigte bereits: Das Angebot kommt gut an. Die Lehrkräfte sind begeistert davon, wie KI sie im Unterricht unterstützt. In einer Umfrage sprachen sich 93 Prozent von ihnen dafür aus, das Angebot auch weiter zu nutzen. Schulamtsleiterin Donnermeyer bekam von vielen Lehrkräften die Rückmeldung, dass ihre Schülerinnen und Schüler KI-unterstützt besser gelernt hätten.
Wir haben insgesamt sehr gute Erfahrungen gemacht.
KI im Unterricht bisher ohne pädagogische Begleitung
Auch Patrick Bronner gehört zu den Lehrkräften, die sich für das neue Angebot stark machen. Schon seit zwölf Jahren integriert er digitale Angebote in seinen Mathematik- und Physikunterricht am Friedrichs-Gymnasium in Freiburg. Auch seine Erfahrung ist: "KI kommt nicht in die Schule, KI ist schon in der Schule", so Bronner.
Das Problem sei bisher aber gewesen, dass die Schülerinnen und Schüler KI-Anwendungen oft ohne pädagogische Anleitung und Hilfestellung genutzt haben. Auch über die Risiken seien sie so nicht informiert worden. Das Ziel des Unterrichts müsse nun sein, "dass die Schülerinnen und Schüler einen konstruktiven und auch kritischen Umgang mit KI-generierten Daten gewinnen und dabei ganz klar merken: Die KI hat nicht immer recht", sagt Bronner.
KI-Angebot kostete Freiburg 117.000 Euro
Auch der Mathematiklehrer sieht Risiken beim Einsatz von KI im Unterricht. Sie dürfe nicht dazu eingesetzt werden, das eigene Denken der Schülerinnen und Schüler zu ersetzen, findet Bronner. Stattdessen sollte sie als Hilfestellung dienen, um einzelne Hürden zu überwinden. Das den Schülerinnen und Schülern beizubringen, sieht er als Aufgabe der Lehrkräfte.
Für das neue KI-Angebot an den Schulen hat die Stadt Freiburg insgesamt rund 117.000 Euro bezahlt, die Fortbildungen für die Lehrkräfte inklusive. Solange es noch keine Alternative des baden-württembergischen Kultusministeriums gibt, wolle man das Angebot aufrechterhalten, so die Schulamtsleiterin Donnermeyer.