Telefonjobs in der Pflege, Arbeiten im Labor oder Ackern auf dem Feld: Auf der inklusiven Jobmesse in Freiburg zeigten Unternehmen und Bildungseinrichtungen, welchen Tätigkeiten Menschen mit Behinderung bei ihnen nachgehen können - und kamen ins Gespräch mit potentiellen Bewerberinnen und Bewerbern.
Das Interesse war groß. Auf der Suche nach einem passenden Job kamen rund 500 Menschen am Mittwochnachmittag ins Bürgerhaus am Seepark. Bei der ersten Ausgabe im Vorjahr waren es laut der Stadt Freiburg deutlich weniger. Das Ziel aber dasselbe: Menschen mit Behinderung oder Bedarf an beruflicher Rehabilitation und Unternehmen zusammenzubringen.
Auch Gebärdensprachdolmetscher bei der Jobmesse in Freiburg
Beispielsweise am Stand vom Pharmaunternehmen Pfizer: Eine Gebärdensprachdolmetscherin sorgte dafür, dass ein Gehörloser, der für die Firma im Labor arbeitet, seine Erfahrungen mit allen teilen konnte.
Die Lebenshilfe zeigte, wie sie Menschen mit einer geistigen Behinderung Jobs in der Landwirtschaft vermitteln kann. Und auch der Gastronomiebetrieb Hofgut Himmelreich zeigte Besucherinnen und Besuchern an seinem Stand verschiedene Weg auf.
Bereits im vergangenen Jahr war das Hofgut Himmelreich bei der Messe. Für Kevin Schneider der entscheidende Moment. Er lernte den Betrieb kennen, machte dann in der Akademie eine berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme in Küche und Service. Seit einigen Monaten steht er nun in der Freiburger Gaststätte Paradies hinter dem Tresen - und macht dort sein Praktikum beim Gastwirt Thomas Herzig.
In Freiburger Gaststätte wird ein Praktikant zum Angestellten
Kevin Schneider hat eine Lernschwäche. Aber im Getränke vorbereiten ist er inzwischen geübt. "Ich zapfe Bier, ich mache Cocktails. Ich mache sehr viel Getränke", sagt Schneider. Seine Schwächen sieht er noch ein bisschen beim Kaffeemachen. Sein Chef ist zuversichtlich, dass er das auch noch lernt.
Wachsendes Interesse, Menschen mit Behinderung zu beschäftigen
Rainer Schäuble von der Agentur für Arbeit in Freiburg beobachtet ein wachsendes Interesse der Arbeitgeber, Menschen mit Behinderung einzustellen. Zwar gebe es noch viele, die sich dem Thema verschließen würden. "Aus der Angst heraus", vermutet er.
Betriebe wissen laut Schäuble nicht, was passieren könnte, wenn sie Menschen mit Beeinträchtigung ihrem Betrieb haben. Aber der Fachkräftemangel würde Arbeitgeber auch zu mehr Offenheit zwingen. Hinzu kommen auch Gesetze, die Unternehmen ermutigen, Mitarbeitende mit Behinderung zu beschäftigen.
Gesetz fördert Teilhabe und inklusiveren Arbeitsmarkt
Demnach sind private und öffentliche Arbeitgeber mit mehr als 20 Mitarbeitenden dazu verpflichtet, auf mindestens fünf Prozent ihrer Arbeitsplätze Menschen mit Beeinträchtigung zu beschäftigen. Konkret: Menschen mit einem Behinderungsgrad von 50 oder höher. Sonst müssen die Unternehmen eine Ausgleichsabgabe leisten.
Wer aber einmal mit Menschen mit Behinderung zusammengearbeitet hat - so auch die Erfahrung von Gastronom Thomas Herzig - werde offener. Er könne sich auf Kevin Schneider verlassen und wird im Service auf ihn setzen, so viel steht bereits fest. Kevin Schneider will im kommenden März noch eine Prüfung ablegen. Thomas Herzig will ihn danach fest anstellen. Für beide war die inklusive Jobmesse damit ein Gewinn.