Gedenken an die Opfer des 9. November 1938

Südbaden erinnert an Pogrome: Symbolische Grabstelen aus Stahl auf Jüdischem Friedhof

Im Gedenken an zerstörte und geschändete Grabsteine von Jüdinnen und Juden wurden in Waldshut-Tiengen symbolische Grabsteine aufgestellt. Rund 200 Besucher kamen zu der Veranstaltung.

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Von Autor/in Petra Jehle

Der Jüdische Friedhof in Waldshut-Tiengen soll stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken. Im Gedenken an die Reichspogromnacht am 9. November 1938 und die Zerstörung des Friedhofs werden auf dem Friedhof symbolische Grabsteine aufgestellt.

Rund 200 Menschen sind zur Einweihung der Stelen auf dem Jüdischen Friedhof gekommen. Seit der Zerstörung der Grabsteine durch die Nazis war der Ort der Trauer lange nicht mehr als solcher zu erkennen. Dabei lebten im 18. Jahrhundert noch rund 200 bis 300 jüdische Menschen in Waldshut-Tiengen - immerhin rund 15 Prozent der Bevölkerung. Zum Zeitpunkt der Reichspogrome waren es nur noch zehn Jüdinnen und Juden.

Festliche Einweihung der Metallstelen und Gedenken an die Opfer der Reichpogromnacht
Etwa 200 bis 300 jüdische Menschen lebten im 18. Jahrhundert in Waldshut Tiengen. Zum Zeitpunkt der Reichspogrome waren es nur noch zehn.

Nazis zerstörten Grabsteine auf dem Jüdischen Friedhof

"Wir wollen dem Friedhof wieder ein Gesicht geben", sagt Gebhard Kaiser vom Freundeskreis Jüdisches Leben in Waldshut-Tiengen. Der Friedhof sei derzeit kaum als solcher zu erkennen. Nur wenige Menschen wissen noch, dass die Wiese zwischen Bahngleis und Straße einst ein jüdischer Friedhof war, so Kaiser.

Der jüdische Friedhof in Waldshut-Tiengen wurde in der Reichspogromnacht und ist nun ein Gedenkort

Es sind 20 Stelen aus Stahl, ohne Namen oder Schriftzüge. Aber ihre Form und Anordnung macht aber deutlich, wofür sie stehen: für die Grabsteine der Jüdinnen und Juden, die in der Reichspogromnacht von den Nazis geschändet, zerstört und schließlich wegtransportiert wurden. Einige der Grabsteine wurden damals in einer Mauer versteckt und konnten so teilweise erhalten werden. Außerdem waren drei Grabsteine 1938 so stark zugewuchert, dass die Nazis sie offenbar übersehen haben, so Kaiser.

Er empfinde tiefe Trauer und Scham, sagt Kaiser am Tag der Gedenkveranstaltung. "Aber auch Freude, dass wir den Nazis trotzen können. Indem wir die Erinnerung aufrecht erhalten."

Ich denke, die Nazis wollten das Gedenken und die Erinnerung an verstorbene Juden auslöschen.

Der jüdische Friedhof in Waldshut-Tiengen wurde in der Reichspogromnacht und ist nun ein Gedenkort
Der jüdische Friedhof in Waldshut-Tiengen bevor die Grab-Stelen aufgestellt wurden. Das hier ein jüdischer Friedhof war, war kaum zu erkennen.

Symbolische Grabzeichen zur Erinnerung

Das Konzept für die Ausgestaltung und die Anordnung der Stelen wurde mit den Nachfahren der Tiengener Juden abgestimmt. Da bis heute nicht bekannt ist, wo genau die Gräber der Jüdinnen und Juden liegen, werden die Stelen in vier Reihen angeordnet. Die symbolischen Grabsteine aus unbehandeltem Stahl sollen über die Jahre Rost ansetzen - als Erinnerung an die Vergänglichkeit. Sie wurden von Schülern der Gewerblichen Schulen in Waldshut-Tiengen angefertigt. Erschreckend: Vielen der Schülerinnen und Schüler war die Reichspogromnacht ihrem Lehrer zufolge vorher kein Begriff.

Es ist ein Stück symbolische Wiedergutmachung.

Die Stelen wurden am Sonntag in einer Gedenkveranstaltung eingeweiht - genau 87 Jahre nach der Zerstörung des Friedhofs am 9. November 1938. Im ganzen Land wird an diesem Tag der Opfer der Pogrome durch die Nationalsozialisten gedacht.

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SWR Aktuell Rheinland-Pfalz SWR RP

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