Die katholische Kirche im Südwesten steckt in einem tiefen Veränderungsprozess: Es gibt immer weniger Mitglieder und auch immer weniger Priester. Die Verwaltung wird immer komplexer. Seit dem Jahreswechsel hat das Erzbistum Freiburg deshalb eine lange geplante und vorbereitete Umstrukturierung vollzogen, ein wichtiger Teil der Kirchenentwicklung 2030.
Vom Odenwald über den Rhein-Neckarraum, die Ortenau, den Schwarzwald-Baar-Raum und Breisgau, bis hin zum Hochrhein und Bodensee gibt es jetzt nur noch 36 Großpfarreien, jeweils mit bis zu 100.000 Gläubigen und neuen Leitungsteams. In feierlichen Gottesdiensten werden sie in diesen Tagen überall in ihr neues Amt eingeführt. So auch in Bad Krozingen (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald). Wie kommen Pfarrer, Gläubige und Beschäftigte mit der neuen Struktur klar?
Neustart für Pfarrer Lukas Wehrle in der Kirchengemeinde Breisgau-Markgräflerland
Der Neubeginn ist jetzt eingeläutet. Im Altarraum in Bad Krozingen hat sich das neue Leitungsteam zum Gottesdienst versammelt. 50 kleinere Pfarreien sind jetzt in der XXL-Gemeinde Breisgau-Markgräflerland zusammengefasst. Diese leitet Lukas Wehrle. Für den 65-jährigen Pfarrer ist das noch einmal eine neue Herausforderung: Plötzlich ist er für 65.000 Kirchenmitglieder weit über Bad Krozingen hinaus zuständig.
Ich versuche Kontakt zu halten mit den Verantwortlichen vor Ort. Das ist eine der großen Aufgaben jetzt, dass wir eine Struktur schaffen, in der Kommunikation dann möglich ist.
Die Wege der Pfarrei-Mitarbeitenden werden länger
Noch passt der Schlüssel nicht in alle Türen seines neuen Pfarrgemeindehauses. Und noch seien kreative Ideen gefragt, sagt Wehrle. "Natürlich braucht es jetzt von allen Seiten eine gewisse Beweglichkeit." Denn der Pfarrer will die Nähe zu den Menschen in seiner Pfarrei unbedingt beibehalten.
Ich habe jetzt zwei Arbeitsplätze: einen in Hugstetten und einen in Heitersheim.
Für Lydia Keil bedeutet die neue Struktur nun auch, mehr Zeit im Auto zu verbringen. Seit Januar pendelt die Pfarrsekretärin von Hugstetten bei Freiburg zusätzlich zum neuen Verwaltungssitz - rund 30 Kilometer entfernt nach Heitersheim (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald). Denn Lydia Keil ist nun auch Assistentin für den sogenannten Pfarrökonom, eine neue Funktion in den Leitungsteams der Pfarreien. Er soll zum Beispiel Spendenquittungen unterschreiben.
Ziel der neuen Pfarreistruktur: Mehr Zeit für Seelsorge
Hinter den neuen Strukturen steckt ein klarer Auftrag: Die Verwaltung professionalisieren, sagt der Freiburger Erzbischof Stephan Burger, der den Prozess der Kirchenentwicklung 2030 im Jahr 2019 angestoßen hatte. Damit soll für Seelsorge wieder mehr Zeit bleiben.
Bei den Gläubigen ist allerdings noch Skepsis spürbar. Bei manchen wächst die Sorge vor noch mehr Gottesdienst-Ausfällen. Nach dem Sonntagsgottesdienst in Schallstadt bei Freiburg sagt etwa ein Gemeindemitglied, dass es nun weniger Vertreter gäbe, die Anliegen aus Schallstadt vorbringen könnten. Eine Frau findet, das ginge nicht so, das müsste alles vor Ort sein.
In unserer Gemeinde gibt es jetzt wahrscheinlich auch weniger Vertreter, die unsere Meinung oder unsere Anliegen vorbringen können.
Ob Fluch oder Segen - die Erprobungsphase der neuen Pfarreistruktur hat gerade erst begonnen. Im Interview mit dem Konradsblatt sagte Erzbischof Stephan Burger zur Kirchenentwicklung 2030: "Es gilt, im besten Sinne die Zukunft zu wagen."