Auf rund 370 Quadratmetern, in sieben Sprechzimmern und drei Funktionsräumen: Vier Fachärztinnen und -ärzte empfangen ab dem 7. Januar die ersten Patientinnen und Patienten im neuen Medizinischen Versorgungszentrum Regiomedes (MVZ) in Villingen-Schwenningen (Schwarzwald-Baar-Kreis).
Mit dem ersten MVZ im Stadtteil Schwenningen will die Stadt die medizinische Versorgung vor Ort verbessern und sowohl Ärztinnen und Ärzte als auch Patientinnen und Patienten entlasten. Der medizinische Schwerpunkt liegt auf der allgemeinen und hausärztlichen Versorgung, der Kindermedizin sowie auf Reiseimpfungen. Das Zentrum soll vor allem Anlaufstelle für Patientinnen und Patienten sein, die noch keinen Hausarzt haben.
Eine Kinderärztin, eine Internistin und zwei Allgemeinmediziner
Zu Beginn arbeiten vier Medizinerinnen und Mediziner im neuen MVZ: die Allgemeinmediziner Alexander Regge und Christoph Bäuerle, die Fachärztin Jasmin Mujadzic sowie die Kinderärztin Özden Baumeister-Özkan. Regge ist bereits seit Jahren als Hausarzt in Schwenningen tätig. Er sieht im MVZ vor allem organisatorische Vorteile: "Die Bürokratie lässt sich auf mehrere Schultern verteilen. So bleibt mehr Zeit für die eigentliche Arbeit mit den Patientinnen und Patienten."
Auch für Jasmin Mujadzic, die zuvor am Schwarzwald-Baar-Klinikum tätig war, ist das Arbeiten im Team ein Pluspunkt. Kinderärztin Baumeister-Özkan wechselt aus Donaueschingen zum MVZ - ein wichtiger Schritt angesichts des Kinderärztemangels in Villingen-Schwenningen.
Träger ist eine kommunale Genossenschaft
Das neue MVZ wird von einer gemeinnützigen Genossenschaft getragen, an der die Stadt Villingen-Schwenningen, der Schwarzwald-Baar-Kreis und das Schwarzwald-Baar-Klinikum beteiligt sind. Geschäftsführer André Saliger ist überzeugt, dass das genossenschaftliche Versorgungszentrum ein innovatives Modell ist, um die ambulante Versorgung zu sichern. Das wirtschaftliche Risiko liegt nach Angaben der Stadt allein bei Villingen-Schwenningen. Oberbürgermeister Jürgen Roth (CDU) sprach bei der Eröffnung von einem wichtigen Schritt mit Blick auf den zunehmenden Ärztemangel.
Ziel der Genossenschaft ist es, die wachsende Versorgungslücke in der haus- und fachärztlichen Betreuung in der Region zu schließen und langfristig eine wohnortnahe, verlässliche medizinische Versorgung sicherzustellen. Mit dem kommunalen, gemeinnützigen Modell beschreiten Stadt, Landkreis und Klinikum neue Wege.
Gemeinschaftliche Praxen im Trend Ärztemangel am Bodensee: Genossenschaft könnte Lösung sein
Für Hausärzte ist es immer schwieriger einen Nachfolger für ihre Praxis zu finden. Ein genossenschaftliches Modell könnte die Lösung sein, sagt das Landratsamt im Bodenseekreis. Andernorts wird bereits daran gearbeitet.
Landrat hofft auf jungen Ärztenachwuchs aus dem Klinikum
Bereits die Eröffnung des Zentrums ist für Oberbürgermeister Jürgen Roth und Landrat Sven Hinterseh ein Meilenstein für die Gesundheitsversorgung in Villingen-Schwenningen. Damit das MVZ auch in Zukunft Bestand hat, hoffen sie auf Ärztenachwuchs aus dem Kreis-Klinikum. "Das Klinikum ist ein Genosse der Genossenschaft. Deshalb habe ich die Erwartung, dass junge Ärztinnen und Ärzte, die am Klinikum ausgebildet werden, in dieses MVZ hineinschnuppern können", sagte Hinterseh dem SWR. Dafür müsse man dem Projekt jedoch noch Raum und Zeit geben.
Weitere Ärzte ab April
Perspektivisch soll das Angebot weiter wachsen: Ab dem 1. April soll noch eine fünfte Ärztin hinzukommen. Zudem ist mittelfristig ein weiterer MVZ-Standort in innenstadtnaher Lage im Stadtbezirk Villingen geplant.