Pilotprojekt im Weinberg

Wie verändern zwischen Rebreihen gepflanzte Büsche und Bäume das Mikroklima?

In Schliengen will das Weingut Blankenhorn herausfinden, wie sich das Mikroklima durch Bäume und Büsche zwischen den Reben verändert und welche Auswirkungen das auf den Weinbau hat.

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Stand

Von Autor/in Peter Steffe

Es ist ein spannendes Projekt, das das Weingut Blankenhorn in Schliengen im Markgräflerland (Kreis Lörrach) Anfang März begonnen hat. Auf einem rund halben Hektar großen Hanggrundstück oberhalb von Schliengen stehen neuerdings drei Reihen Bäume und Büsche. Christian Fin, Außenbereichsleiter des Weinguts, und seine Helfer haben unter anderem Wildbirne, Quitte, französischen Ahorn, Weißdorn- oder Haselnussbüsche gepflanzt.

Zusammenspiel von Reben und Gehölz

In rund vier Wochen, Anfang April werden zwischen den drei Baum- und Buschreihen, die im Abstand von rund 25 Metern gepflanzt wurden, 2.100 Pinot-Noir-Rebstöcke gesetzt. Martin Männer, Inhaber des Weinguts Blankenhorn in Schliengen, ist gespannt darauf, ob und wie sich das Mikroklima über die Zeit in dem Weinberg verändern wird. "Wir erhoffen uns eine Aktivität des Bodenlebens über den Humusaufbau", den Bäume, Büsche und Rebstöcke durch das Wachstum hervorbringen.

Christian Fin, Außenbereichsleiter des Weinguts Blankenhorn in Schliengen (Kreis Lörrach) pflanzt mit einer Mitarbeiterin einen von 30 Bäumen. Sie sollen gemeinsam mit 200 Sträuchern und 2.100 Rebstöcken das Mikroklima auf dem Rebgelände verändern
Christian Fin, Außenbereichsleiter des Weinguts Blankenhorn in Schliengen (Kreis Lörrach), pflanzt mit einer Mitarbeiterin einen von 30 Bäumen

Schutz vor Extremwetterlagen

Durch den Schutz durch die gepflanzten Busch- und Baumreihen erhofft sich das Winzerteam, dass extreme Wetterereignisse wie Starkregen, Hagel, tiefer Bodenfrost oder sogar große Sommer-Hitze in der Rebanlage abgemildert werden können. Auch auf die Biodiversität sind Martin Männer und Christian Fin gespannt. Welche Vögel, Kleinstlebewesen, Käfer, Bienen und andere Insekten werden die Bäume und Büsche bevölkern und sich dort ansiedeln?

Es ist ein spannender Feldversuch

Eine Ertragssteigerung steht nicht im Mittelpunkt des groß angelegten Projektes - vielmehr die Qualität des dann nach der Lese produzierten Pinot-Spätburgunders. Erwartet wird ein Ertrag von rund 1.500 Liter Wein, in entsprechender Güteklasse. Aber auch hier ist das Winzerteam um Martin Männer gespannt, was genau dabei herauskommen wird.

Pilotprojekt ist Neuheit in Südbaden

Während der kommenden vier bis fünf Jahre werden Rebstöcke, Bäume und Büsche wurzeln und wachsen. Während dieser Wachstumsphase wird das Projekt überwacht und es werden immer wieder Daten gesammelt. Das Vorhaben ist eines von drei Pilotprojekten deutschlandweit.

In Österreich und der Schweiz werden Weinberge dieser Art schon länger betrieben. Für Südbaden ist das eine vollkommen neue Art des Weinbaus. Von seinen Kollegen, die klassischen Weinbau betreiben, ist Martin Männer belächelt worden. Auch weil er in den vergangenen vier Jahren sein Weingut umgestellt hat. Seit diesem Jahr ist das Weingut Blankenhorn in Schliengen mit dem Bio-Siegel zertifiziert.

Andere Winzer beobachten den Versuch

"Natürlich beobachten mich andere Winzer und belächeln mich wieder", erzählt der Blankenhorn-Chef lachend. Einige hätten ihn wegen des Pilotprojekts bereits angesprochen, nach dem Motto: Wir haben Bäume und Büsche in den Reben herausgerissen und ihr pflanzt wieder welche, warum?

Für Martin Männer ist das mitunter durch Eigenmittel, aber auch über Bundeszuschüsse finanzierte Pilotprojekt, eine Investition in die Zukunft des Weinguts im Markgräflerland. Fallen die Ergebnisse des Feldversuchs positiv aus, sei es durchaus denkbar, dass auch andere Blankenhorn-Reblagen nach dem Vorbild der neuen Anlage umgebaut werden - mit Baum- und Buschreihen zwischen den Weinstöcken.

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Autor/in
Peter Steffe
Peter Steffe, Redakteur des SWR-Studio Freiburg während seiner Zeit als ARD-Korrespondent vor dem Burj Khalifa in den Vereinigten Arabischen Emiraten

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