Mehr als 6.500 jüdische Menschen aus Baden, der Pfalz und dem Saarland sind am 22. Oktober 1940 von den Nationalsozialisten ins Internierungslager Gurs in Südfrankreich gebracht worden. Vielen jungen Menschen ist dieses dunkle Kapitel der deutschen Geschichte wenig bis gar nicht bekannt. Die Junge Theaterakademie Offenburg hält dagegen - mit einem grenzüberschreitenden Projekt.
30 Schülerinnen und Schüler aus Offenburg, Hermeskeil (Rheinland-Pfalz), Lebach (Saarland) und Frankreich beteiligten sich an dem Theaterstück "Wir sind ganz junge Bäumchen". Bei den drei Aufführungen in Offenburg, Saarbrücken und Paris erzählten die Jugendlichen den Leidensweg von Juden, die im Oktober 1940 in das Lager in Gurs deportiert wurden. Die Schülerin Ruby Burg Ferreira spielte die Rolle der Offenburgerin Eva Cohn, die als Kind aus dem Lager in Gurs befreit wurde und heute in London lebt. "Dieses Bewusstsein, dass diese Person heute noch lebt, hat mich noch mehr berührt und noch mehr damit verbunden", so die Schülerin.
"Wir sind alles junge Bäumchen" entstand im Lager in Gurs
Das Leben in Gurs war brutal. Kinder wurden von ihren Eltern getrennt, einige von ihnen wurden von Südfrankreich nach Auschwitz deportiert und ermordet. Insgesamt 1.038 Menschen starben. In den Schulbüchern im Geschichtsunterricht findet Gurs nur selten größere Beachtung. Die Geschehnisse in anderen Lagern sind den Jugendlichen heute präsenter, so Romy Piraudeau. Die Schülerin aus dem französischen Saint-Germain-en-Laye bei Paris sagt, dass sie vor dem Theaterprojekt nichts von Gurs gehört hat. "Durch das Theaterstück ist mir bewusst geworden, was den Menschen dort passiert ist."
Die Jüdinnen und Juden, die in Gurs gegen ihren Willen festgehalten wurden, wollten sich die Hoffnung nicht nehmen lassen - sie spielten Theater und machten Musik. Dabei entstand 1941 auch das Lied "Wir sind alles junge Bäumchen" von Leopold Rauch und Alfred Cahn, der in Gurs den Kinderchor leitete. Diese ungebrochene Schaffenskraft der Insassen von Gurs stand im Zentrum der deutsch-französischen Theateraufführung.
Grenzüberschreitende Haltung der Versöhnung
Mit den Aufführungen in Offenburg, Saarbrücken und Paris wollen die Jugendlichen an die Geschichte der deportierten Menschen erinnern und eine grenzüberschreitende Haltung der Versöhnung vorleben. Auch in Freiburg wurde an die Deportation jüdischer Bürgerinnen und Bürger vor 85 Jahren erinnert. Mehr als 300 Menschen wurden am 22. Oktober 1940 von der Freiburger Polizei festgenommen und in das Lager im südfranzösischen Gurs verschleppt.
Über dieses Thema berichtete die Sendung “Dreiland Aktuell” am 25.10.2025, 18 Uhr, in SWR Aktuell Baden-Württemberg.