Vier tote Säuglinge sind in diesem Jahr bereits in Südbaden gefunden worden. Fachleute und Beratungsstellen zeigen sich alarmiert. Der jüngste Fall ereignete sich Anfang Oktober in Maulburg (Landkreis Lörrach), wo Passanten ein in einem Müllsack eingewickeltes Neugeborenes auf einem Spielplatz entdeckten. Die Polizei ermittelt – zu den Umständen des Falls und zur Identität der Mutter ist bislang nichts bekannt.
Fachleute mahnen zur Wachsamkeit und erinnern an bestehende Hilfsangebote, die in der Öffentlichkeit häufig zu wenig bekannt seien.
Wie kommt es dazu, dass Mütter ihr Kind aussetzen oder gar töten?
Laut Theresia Höynck, Professorin für Kinder- und Jugendrecht, stecken hinter solchen Taten oft dramatische psychische Prozesse. In den allermeisten Fällen, so Höynck, verdrängten betroffene Frauen ihre Schwangerschaft über Monate hinweg. Überrascht von der Geburt, nehme die Mutter das Neugeborene gar nicht als ihr Kind wahr, sondern als etwas Störendes, das schnell weg müsse.
In diesem Moment könne von rationalem Handeln oder vorsätzlicher Tötung keine Rede sein. Wenn das Umfeld die Schwangerschaft aktiv anspricht, könnten solche Fälle verhindert werden, sagt Höynck.
St. Elisabethen-Krankenhaus bietet geschützte Entbindungen an
Wer seine Schwangerschaft geheim halten möchte, hat im St. Elisabethen-Krankenhaus die Möglichkeit anonym zu entbinden, berichtet der Chefarzt Zentrum für Gynäkologie & Geburtshilfe Michael Bohlmann. Dabei werde der Wunsch nach einer Geheimhaltung der Daten der Mutter berücksichtigt.
Die betroffene Frau werde beraten und in der Schwangerschaft begleitet, wenn sie das möchte. Die werdende Mutter könne ihr Kind schließlich unter medizinischer Betreuung gebären, um nicht einer risikoreichen Alleingeburt ausgesetzt zu sein.
Babyklappe für bereits geborene Kinder in Lörrach
Wenn das Kind bereits zu Hause auf die Welt gekommen ist, besteht seit 2008 die Möglichkeit, das Kind in der Babyklappe abzulegen und es somit zunächst in die Obhut des St. Elisabeth-Krankenhauses zu geben, erklärt Michael Bohlmann. Wer sein Kind hier ablege, habe aber auch noch einige Wochen Zeit, um seine Entscheidung zu überdenken und sich beim Krankenhaus zu melden.
ProFamilia: Hilfsangebote für Schwangere zu unbekannt
Eva Rebholz von ProFamilia Freiburg kritisiert, dass die sogenannte „vertrauliche Geburt“ immer noch zu unbekannt sei. Dabei bietet dieses Verfahren eine medizinisch sichere Entbindung unter Wahrung der Anonymität. Ab dem 16. Lebensjahr hat das Kind dann die Möglichkeit, Informationen über seine Herkunft zu erhalten.
Dabei informiere laut Bohlmann das Krankenhaus regelmäßig die Öffentlichkeit über die vorhandenen Hilfsangebote. Vor allem im Nachgang zu dem ebenfalls in Lörrach im Februar tot aufgefundenen Neugeborenen habe es zuletzt eine große Informationskampagne gegeben.