PopUp Studio Lörrach: Exkursion zum Thema Wärmewende nach Riehen

Heizen mit Erdwärme soll in Lörrachs Nachbarstadt in der Schweiz ausgebaut werden

In Lörrachs Schweizer Nachbarort Riehen soll mehr als die Hälfte der Bevölkerung mit Erdwärme versorgt werden. Dazu ist der Bau einer zweiten Geothermieanlage geplant.

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Von Autor/in Matthias Zeller

Die Gemeinde Riehen (Kanton Basel-Stadt) setzt schon seit längerem auf Erdwärme. Im Rahmen des Lörracher PopUp Studios von SWR und CORRECTIV führte eine Exkursion in die Lörracher Nachbarstadt. Stimmen von Teilnehmern:

12.000 der insgesamt 22.000 Einwohnerinnen und Einwohner von Riehen sollen künftig Erdwärme bekommen. Das wären nochmal 2.000 mehr als bisher. Allerdings: Auch diese 12.000 Menschen, die ihre Energie über die "Erdwärme Riehen" beziehen, werden nicht ausschließlich über Erdwärme versorgt.

Denn auch in Riehen kommt man beim Energiemix der Fernwärme bislang nicht ohne Gas aus. Die Versorgung läuft also nicht nur über erneuerbare Energie. Ihr Anteil liegt bei etwa 50 Prozent.

Klimaneutralität als Ziel

Das soll sich aber ändern. Und das gilt auch nicht nur für Riehen, sondern für den gesamten Kanton Basel-Stadt. Hier soll der Anteil der erneuerbaren Energie von jetzt 55 Prozent mittelfristig auf 80 Prozent steigen und schließlich auf 100 Prozent im Jahr 2037. Dann will Basel nämlich klimaneutral sein, so hat es die Bevölkerung beschlossen und so steht es seither in der Kantonsverfassung.

In einem Förderbrunnen in der Nähe von Riehens bekanntem Kunstmuseum, der "Fondation Beyeler", wird Thermalwasser aus 1.500 Metern Tiefe hochgepumpt. Pro Sekunde werden 25 Liter Wasser gefördert: Eine Badewanne ist so in nur sieben Sekunden gefüllt. Schließlich wird das 67 Grad warme Wasser, nachdem ihm die Wärme entzogen worden ist, an anderer Stelle wieder in das Erdreich zurückgegeben.

Wärmewende mit Geothermie?

Bei dem Thermalwasser handelt es sich nach den Worten von Matthias Maier, dem Geschäftsführer des Wärmeverbundes Riehen, um Regenwasser, "das vor Tausenden von Jahren mal versickert ist." Das sagte Maier bei einer Führung für eine Besuchergruppe aus Lörrach im Rahmen des gemeinsamen "Wärmewende"-Projekts von SWR und CORRECTIV.

Früher floss warmes Wasser unter der Grenze durch

Bis vor wenigen Jahren war durch eine Leitung sogar warmes Wasser aus Riehen bis nach Lörrach, in den Stadtteil Stetten, geflossen. Manche Haushalte konnten dort dann einen Teil ihrer Wärme für die Heizung daraus beziehen – allerdings nur im Sommer. Denn im Winter brauchte Riehen schon damals das Thermalwasser für sich selbst. Das ist auch der Grund, warum das Wasser nicht mehr über die Grenze fließt und somit auch nicht mehr verzollt werden muss.

Wo ist weitere Nutzung von Geothermie möglich?

Der Eindruck der Lörracher Besuchergruppe: Tiefengeothermie hat am Oberrheingraben viel Potential, auch auf der deutschen Seite der Grenze. Aber wie groß ist das Potential tatsächlich? Für Riehen, die Nachbargemeinde Bettingen und den deutschen Nachbarort Grenzach-Wyhlen hat der Wärmeverbund Riehen das gemessen. Das Ergebnis ist im Detail aber noch nicht bekannt gegeben worden.

Vibrationen bei Messungen für Geothermie

Für die seismischen Messungen wurden mit Spezialfahrzeugen Vibrationen im Erdreich ausgelöst. Danach gingen beim Wärmeverbund Riehen 26 Schadensmeldungen ein. Ein Hausbewohner meldete, dass durch die Erschütterung sein Fernseher auf eine teure Whiskyflasche gefallen sei. Die habe er für über 50.000 Schweizer Franken in St. Moritz ersteigert. Der Wärmeverbund Riehen übergab den Fall seiner Versicherung.

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Matthias Zeller
Matthias Zeller leitet die Standorte Lörrach und Waldshut-Tiengen.
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Laura Könsler
Porträtfoto Laura Könsler

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