Anfang Mai hat der Bund die Energiesteuer auf Sprit reduziert. Jetzt läuft der Tankrabatt aus. Viele Menschen nutzten noch einmal die Gelegenheit zum ermäßigten Preis vollzutanken.
Die Taubertäler scheinen echte Sparfüchse zu sein. Von Tauberbischofsheim nach Bad Mergentheim (beide Main-Tauber-Kreis) bot sich am Dienstagmorgen ein immer gleiches Bild: lange Schlangen an den Tankstellen. Die Menschen dort und im benachbarten Landkreis Heilbronn treibt ein Gedanke an: "Heute gibt es noch einmal günstig Sprit, das muss man ausnutzen", so ein Kunde vor der Kaufland-Tankstelle in Neckarsulm.
Am Dienstag um kurz vor 12 Uhr wird es auch an einer Tankstelle im Stuttgarter Osten nochmal kurz hektisch. Brigitte Fuchs sitzt in einem schwarzen SUV und kommt wegen der Schlange, die sich vor den Zapfsäulen gebildet hat, nur langsam voran. Die Stuttgarterin will tanken, bevor die Preise gleich wieder steigen werden: "Ich war davor schon an zwei Tankstellen, an beiden war E10 leer."
Preisanstieg nach Tankrabattende erwartet
Mit dem Ende des Tankrabatts in der Nacht zum Mittwoch dürfte der Benzin- und Dieselpreis deutlich steigen. Denn ab dem 1. Juli gilt dann wieder die alte, höhere Steuer. Inklusive Mehrwertsteuer macht das 16,7 Cent pro Liter aus. Weil Tankstellen ihre Preise aber weiterhin nur um 12 Uhr mittags erhöhen dürfen, könnten die Preise schon am Dienstagmittag steigen. Diese Befürchtung hatten in Baden-Württemberg viele: Auch bei der Mineralölraffinerie Oberrhein (MiRO) in Karlsruhe war das Ende des Tankrabatts spürbar, der LKW-Andrang war groß. Am letzten Tag, an dem der Tankrabatt gilt, wurde die Firma laut eigenen Angaben von 10 bis 15 Prozent mehr Fahrzeugen als gewöhnlich angefahren.
Vom Tankrabatt hält Brigitte Fuchs an der Tankstelle in Stuttgart nicht viel: "Das über das Steuergeld zu regeln, finde ich keine gute Lösung", sagt sie. Sie findet, man müsse die Mineralölindustrie mehr überwachen, die 12-Uhr-Regel gehöre sofort wieder abgeschafft.
Das hat der Tankrabatt gekostet
Anfang Mai hat die Bundesregierung die Spritsteuer für zwei Monate abgesenkt. Grund war der Irankrieg und in diesem Zusammenhang die Blockade der Straße von Hormus. Die Ölpreise waren daraufhin stark gestiegen. Der Tankrabatt sollte Autofahrerinnen und Autofahrer entlasten. Den Bund kostete der Tankrabatt rund 1,6 Milliarden Euro, so eine Schätzung des Bundesfinanzministeriums.
Wie viel Tankrabatt kam beim Endkunden an?
Das Wirtschaftsforschungsinstitut ifo moniert, dass die Firmen die Steuererleichterung nicht komplett weitergereicht hätten. Laut einer Untersuchung des ifo-Instituts erreichte der Tankrabatt die Menschen "größtenteils, aber nicht vollständig". So geht das ifo-Institut davon aus, dass von den 16,7 Cent Steuerrabatt bei Diesel lediglich 12 Cent Preisreduktion bei den Endkunden ankam.
Ein paar Straßen weiter in Stuttgart: Auch vor einer anderen Tankstelle hat sich um kurz vor 12 Uhr eine Schlange Autos gebildet. Rezo, der hier seinen Nachnamen nicht lesen möchte, sitzt in einem der Autos und wartet seit fast 15 Minuten darauf, tanken zu können. "Noch einmal volltanken, bevor morgen der Tankrabatt nicht mehr gilt", sagt der 23-Jährige aus Bad Cannstatt.
Rezo findet, der Tankrabatt hätte "auf jeden Fall geholfen". Selbst wenn am Anfang nicht so viel davon zu spüren gewesen sei, blickt er positiv auf die Zeit zurück. Langfristig würde er sich jedoch eine Änderung des Steuergesetzes wünschen: "Es ist unsinnig, dass man mehr Steuern zahlen muss, wenn die Preise für Öl steigen."
Warnung vor überhöhten Preissprüngen
Zum Ende des Tankrabatts warnt das Bundeskartellamt die Tankstellenbranche vor unverhältnismäßig hohen Preisaufschlägen. "Unternehmen dürfen die Situation nicht dazu nutzen, Preiserhöhungen vorzunehmen, die sich sachlich nicht rechtfertigen lassen", sagte der Präsident des Bundeskartellamts, Andreas Mundt.
Pünktlich um 12 Uhr war es dann so weit: Die Spritpreise stiegen an den Tankstellen in Stuttgart. Zu dem Zeitpunkt steht kein Auto mehr an.