Realistische 3D-Avatare

US-amerikanischer Videospielentwickler wird Teil des Tübinger Cyber Valley

Die Firma Epic Games übernimmt das Tübinger Start-up Meshcapade. Damit bekommt das Cyber Valley in Tübingen internationale Aufmerksamkeit.

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Von Autor/in Maren Seehuber

Die Tübinger Firma Meshcapade unter dem Dach des Max-Planck-Instituts wird jetzt vom US-amerikanischen Videospielehersteller Epic Games übernommen. Meshcapade beschäftigt sich mit Künstlicher Intelligenz und speziell mit der realistischen Darstellung menschlicher Körper. Der US-Riese Epic Games ist vor allem für sein populäres Videospiel Fortnite bekannt. Mit der Forschung von Meshcapade könnten die Videospielfiguren von Epic Games realistischer werden.

Technologie aus Tübingen wird international konkurrenzfähig

Im Cyber Valley ist die Freude groß, dass ein US-amerikanisches Unternehmen Interesse an der Tübinger Forschung zeigt. Der Mitgründer von Mashcapade, Michael Black, sieht den Forschungsstandort Baden-Württemberg und explizit Tübingen dadurch gestärkt. Talentierte Menschen und auch weitere internationale Firmen würden so nach Tübingen gezogen, meint Black. Er kam selbst vor acht Jahren aus den USA nach Deutschland, um am Max-Planck-Institut zu forschen.

Immer wenn ein Start-up erfolgreich ist, inspiriert das andere Start-ups, das Gleiche zu tun.

Forschung, die ein amerikanisches Unternehmen anlockt

Seit 2018 forscht Meshcapade daran, menschliche Bewegungen, Mimik und Gestik präzise nachzubilden. Diese detaillierten Daten über Bewegungsabläufe eines Menschen sind nicht nur für Videospiele interessant. Auch im Bereich der Gesundheits-, Fitness- oder Robotikforschung können die 3D-Modelle helfen. Durch Bewegungsaufnahmen kann man beispielsweise Krankheiten erkennen, so Black. "Mit einer US-Kollaboration erforschen wir auch die Früherkennung von Demenz, durch die Art wie Menschen sich bewegen".

Bewegungen von Tänzern und Sportlern gescannt

Meshcapade hat bereits Millionen von Scans mit unterschiedlichen Personen aufgenommen. Auch Tänzer und Sportler haben schon mitgemacht. Deren Bewegungen wurden dann mit 66 Kameras aufgezeichnet und mit Markerpunkten verfolgt. Diese Punkte im Raum werden als Daten gebündelt und daraus wird ein hochwertiger, dreidimensionaler Avatar erstellt. Damit werden auch Statistiken über die Bewegung des menschlichen Körpers angefertigt. Einige Bewegungen seien sehr komplex, so Black.

Meshcapade-Mitgründer Black sagt: "Wir möchten erfassen, wie sich die Schulter verformt, wenn jemand sie bewegt. Viele Computergrafikmodelle können nicht einmal etwas so Einfaches wie ein Achselzucken darstellen."

Ein weiblicher Avatar erstellt durch Aufnahmen eines echten Menschen mit 66 Kameras.
Das Start-up Meshcapade scannt Menschen detailliert mit 66 Kameras und kann dadurch realistische Avatare erstellen. Damit kann man menschliche Bewegungsabläufe realistisch auf 3D-Modelle übertragen.

Epic Games hält sich bedeckt zu Schritt ins Cyber Valley

Wie genau die Zusammenarbeit mit Epic Games aussehen wird, sei noch nicht ganz klar, sagt Black. In einer Pressemitteilung zeigt sich Epic Games zufrieden mit der geplanten Kooperation:

Ihre langfristige Forschungs- und Entwicklungsstrategie ergänzt unsere bestehenden Ziele und Strategien in idealer Weise. Wir freuen uns darauf, unsere Kräfte in diesem komplexen, multidisziplinären Feld zu bündeln.

Der SWR hat Peter Gehler als KI-Experte des Cyber Valley nach möglichen Interessen von Epic Games befragt. Gehler nennt zwei Gründe für die Übernahme: Zum einen sei Epic Games an den Körpermodellen von Meshcapade interessiert, um ihre Videospielfiguren realistischer zu gestalten. Zum anderen wolle das Unternehmen aber auch die Expertise und kluge Köpfe wie Michael Black in ihr Forschungsteam holen. Dass weitere Firmen ihre Fühler nach Tübingen ausstrecken, ist laut Gehler zu erwarten.

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Maren Seehuber
Maren Seehuber ist Reporterin für Hörfunk und Online beim SWR im Studio Tübingen.

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