Über 77 Millionen Euro hat das Land Baden-Württemberg in das fünfstöckige Forschungsgebäude im Tübinger Technologiepark am Standort Obere Viehweide investiert. Finanzminister Danyal Bayaz (Grüne) hat am Freitag den neuen Campus an das Cyber Valley übergeben. Künftig sollen dort nach Angaben von Cyber Valley-Geschäftsführer Florian Mayer vor allem Informatikerinnen und Informatiker der Uni Tübingen arbeiten, die sich mit maschinellem Lernen beschäftigen. Sie schreiben Programme, die Computer in die Lage versetzen, zu lernen und Aufgaben zu erfüllen.
Wissenschaftsministerium BW: In Europa führend für Künstliche Intelligenz
In den neun Jahren seit seiner Gründung durch Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) ist das Cyber Valley kontinuierlich gewachsen. Zum Forschungsverbund gehören unter anderem die Universitäten in Tübingen und Stuttgart, das Tübinger Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme und Firmen wie Amazon und Bosch. Das Zentrum sei der Hotspot in Europa für Künstliche Intelligenz und Robotik, so das baden-württembergische Wissenschaftsministerium.
Das Cyber Valley ist der Motor für die Zukunft des Landes.
Danyal Bayaz betonte am Freitag, wie wichtig es sei, in Baden-Württemberg die Zukunft mitzugestalten. Daran seien Forschende aus 35 Nationen im Cyber Valley beteiligt.
KI-Grundlagenforschung in Tübingen
Die Forschenden der Uni Tübingen und des Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme sind diejenigen, die sich vor allem mit Grundlagenforschung zu Künstlicher Intelligenz beschäftigen, erklärt Florian Mayer. Es geht darum, neue Codes zu schreiben, die später vielleicht einmal in einem Roboter laufen. Außerdem versuchen die Tübinger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Robotern das Sehen beizubringen. Wichtig dabei: Die Forschung werde immer auch dahingehend überprüft, ob sie ethisch vertretbar ist.
Die Uni Stuttgart beschäftige sich im Rahmen des Forschungsverbunds Cyber Valley mit Hardware, so Mayer. Sie erforscht Materialien, die beim Bau eines Roboters eingesetzt werden können, und entwirft die Roboterhülle.
Zentrale Aufgabe: Forschung marktreif machen
Eine zentrale Herausforderung für das Cyber Valley sei es, die Spitzenforschung in konkrete Anwendungen zu bringen, sagt der Geschäftsführer des Forschungsverbundes. Er sieht seine Rolle vor allem darin, den Kontakt zwischen den Forschenden und den Firmen zu vermitteln.
Wenn ein Unternehmen mit einer konkreten KI-Frage auf das Cyber Valley zukommt, sucht er Experten, die vielleicht eine Lösung haben. Daraus ergibt sich im besten Falle eine Kooperation. Es sollten noch mehr Start-ups am Standort gegründet werden, so Mayer im Gespräch mit dem SWR - kleine Firmen, die gemeinsam mit externen Geldgebern versuchen, eine Idee aus der Uni marktreif zu machen. Die Gründungskultur in den USA könne da durchaus Vorbild sein.
Auch die baden-württembergische Wissenschaftsministerin Petra Olschowski (Grüne) wünscht sich, dass der Austausch zwischen Firmen und Forschung im Cyber Valley ausgebaut wird. Im medizinischen Bereich funktioniere das schon gut, zum Beispiel durch den Austausch mit der Uniklinik Tübingen.
Aber bei der Wirtschaft brauchen wir stärkere Kooperation mit dem Forschungsbereich.
Cyber Valley Tübingen-Stuttgart wächst weiter
In den vergangenen Jahren sei es gelungen, viel Spitzenpersonal nach Tübingen zu holen. Das Cyber Valley wachse noch weiter, so der Geschäftsführer. Der Spatenstich für ein zweites Forschungsgebäude in Tübingen ist bereits erfolgt. Ein drittes Gebäude ist in Planung.
Seit der Gründung hat das Land Baden-Württemberg rund 450 Millionen Euro in den Forschungsverbund investiert. Auch der Bund ist mit finanziellen Förderungen beteiligt.