Einmal Spitzenpolitikern live im Fernsehen selbst Fragen stellen dürfen: Das wünschen sich viele im Land. Hermann Leimgruber durfte das am Dienstag im Morgenmagazin tun. Der Inhaber der Bäckerei Lieb in Tübingen hat ein Anliegen: Die Sozialabgaben für Arbeitnehmer und Sozialausgaben des Staates sind zu hoch. "Politik unterstützt immer die, die - ich sage mal salopp - nichts tun", kritisierte der Bäcker- und Konditormeister. Damit konfrontierte er Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD).
Scholz stimmt Leimgruber zu: "Müssen sparen"
Leimgruber beschäftigt etwa 120 Mitarbeiter. Aus seiner Sicht ist es so, "dass die, die Vollzeit bei uns arbeiten, zu hohe Abzüge haben und am Ende zu wenig Netto übrig haben." Sechs Minuten hatte der Bäcker und Konditor aus Tübingen im Morgenmazin Zeit, um Olaf Scholz Fragen zu diesem Thema zu stellen. Damit machte er den Auftakt zu einer Serie vor der Bundestagswahl, bei der Wählerinnen und Wähler die Gespräche führen.
Das Gespräch zwischen Bäcker Leimgruber und Kanzler Scholz im Morgenmagazin hat sich am Dienstag zu einer Diskussion mit unterschiedlichen Standpunkten auf Augenhöhe entwickelt. Der Tübinger forderte vom SPD-Spitzenkandidaten, das Prinzip der schwäbischen Hausfrau bei den Staatsausgaben zu beachten: "So viel ausgeben wie auch in der Kasse ist." Scholz stimmte zu: "Wir müssen alle Ausgaben 15-mal umdrehen und gucken, wo wir sparen können." Auch weil das nötig sei.
Uneins bei zentraler SPD-Position, dem Mindestlohn
Gleich zu Beginn des Gesprächs hat Leimgruber dem Bundeskanzler vorgerechnet, was eine Mindestlohnsteigerung von 12,82 Euro auf 15 Euro, wie sie die SPD fordert, für den Preis einer Brezel bedeuten würde. In seiner Bäckerei müsste sie dann 1,15 Euro kosten. "Manchmal habe ich das Gefühl, dass mit dem höheren Mindestlohn die Sozialkassen gefüllt werden", kritisierte Leimgruber im Laufe des Gesprächs. Schließlich profitiere neben den Arbeitnehmern auch der Staat von höheren Löhnen.
"Der Mindestlohn reicht heute nicht aus, um davon gut zu leben", entgegnete Olaf Scholz. Auf den Vorwurf, dass der Staat von höheren Löhnen profitieren möchte, entgegnete er: "Wir wollen die Sozialabgaben für niedrige Einkommensgruppen senken." Ein Argument, das er einige Male bei verschiedenen Fragen des Bäckermeisters wiederholte.
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Bäcker über Gespräch: "Politik nicht einfach"
Die Möglichkeit, mal mit einem Spitzenpolitiker direkt sprechen zu können, bewertete Hermann Leimgruber auf Nachfrage des SWR im Anschluss als sehr positiv. Vor und nach seinem Auftritt hatte er noch mehr Zeit, mit Olaf Scholz ins Gespräch zu kommen. "Ich habe ihm meine Karte gegeben und ihm gesagt, er kann gerne mal vorbeikommen, wenn er in Tübingen ist", so Leimgruber.
Ich nehme mit, dass er ein sympathischer Mann ist, dass Politik nicht einfach ist. Das wissen wir alle. Mir fehlt manchmal die Ehrlichkeit - ein bisschen für das Volk wieder da sein, den Menschen zuhören.
Morgenmagazin: Serie mit Wählern und Spitzenpolitikern
ARD und ZDF produzieren im wöchentlichen Wechsel das Morgenmagazin. Für die Gespräche mit Wählerinnen und Wählern hat die ARD Spitzenpolitiker von der SPD, CDU, den Grünen, der FDP, der AfD, der Linken und des BSW eingeladen. Die Rubrik "6 Minuten für meine Stimme" wird vom ARD-Hauptstadt-Korrespondenten Michael Strempel moderiert.