Balinger pflegt besonderes Hobby

Amateurfunk als Leidenschaft: "Ich sammle Landpunkte wie andere Briefmarken"

Denis Mrša aus Balingen will so weit in die Ferne kommen wie möglich. Je weiter weg und je seltener der Ort, desto besser. Er reist auch gern, aber davon ist hier nicht die Rede.

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Von Autor/in Magdalena Knöller

Am liebsten kommt Denis Mrša mit seinem Funkgerät ganz weit in die Ferne - von zuhause aus, aus seiner Funkbude. Unter Amateurfunkern heißt der Raum "Shack". Damit er nicht nur in der Heimat mit seinen Funkfreunden vom Ortsverband Balingen (Zollernalbkreis) sich über seine selbstgebaute Technik austauschen kann, hat er drei mehrere Meter lange Antennen im Garten stehen. Dann kann er auch bis nach Neuseeland ans andere Ende der Welt eine Funkverbindung aufbauen. Da gibt es zum Beispiel Ed. Mit ihm hat er schon öfter über Mikrofon und Funkgerät gesprochen.

Von Balingen aus über 17.000 Funkverbindungen weltweit

Über die Welt verteilt gibt es 340 Landpunkte, Orte, die man per Funk erreichen kann. 250 Landpunkte hat Denis Mrša schon per Funkverbindung erreicht. Er hat es mal überschlagen: Über 17.000 Funkverbindungen hat er schon über die vielen Jahrzehnte, die er dabei ist, gemacht. Meistens unterhält er sich dann mit seinem fremden Gegenüber über das technische Equipment wie Antennen und andere Geräte und wie das Wetter gerade vor Ort ist. Das ist nämlich mit entscheidend dafür, dass die Verbindung klappt. Gewitter am Himmel machen es zum Beispiel schwer.

Denis Mrša überprüft die Antennen in seinem Garten. Die braucht er für seine Hobby als Amateurfunker. Mit einer kann er bis nach Neuseeland funken.
Wenn Denis Mrša nicht gerade seine Antennen überprüft und funkt, arbeitet er als Werksleiter.

Hobby-Funker: Social Media oder Handy kann jeder

Man könnte es mit dem Verständigen über Kontinentgrenzen hinaus heute einfacher haben - über das Internet, per Smartphone, in sozialen Medien. Aber das reizt den Balinger Hobby-Funker weniger. Nach dem Motto, das kann ja jede und jeder. Er mag die Herausforderung, sagte er beim Besuch des SWR in seiner Funkbude: "Mein Ziel ist es, mit so wenig technischem Aufwand an Leistung und an Antennen, so viele Länder wie möglich zu erreichen."

Funktionierende Verbindungen kann man sich nicht kaufen, egal wie viel Geld jemand hat. Ein schöner Nebeneffekt ist außerdem, dass man mit Amateurfunk seinen Horizont erweitert.

Nach dem ersten Funkkontakt kommt Post

Wenn er beispielsweise mit einem Amateurfunker auf einer kleinen fernen Insel eine Verbindung herstellen konnte, beschäftigt er sich anschließend mit dem Ort. Wo genau liegt die Insel, wie viele Menschen leben dort, welche Sprache sprechen sie? Nach jedem Erstkontakt ist es üblich, dass man sich eine Karte schickt. Bei Denis Mrša stapeln sich inzwischen hunderte davon. Sie sehen aus wie Postkarten - bunt verziert, originell und mit dem Rufzeichen des Absenders drauf. Karten, die ihn an besondere Funkgespräche erinnern, bekommen einen Ehrenplatz an der Tür seiner Funkbude.

Bunte und individuell gestaltete Funk-Karten kleben an der Tür. Die Karten hat Denis Mrša nach einem Erstkontakt aus allen möglichen Ländern geschickt bekommen.
Die Tür zu seiner Funkbude ist vollgeklebt mit Karten, die Denis Mrša an besondere Funkverbindungen erinnert. Wer erkennt seine Karte, die er verschickt?

Über 8.000 Amateurfunker in Baden-Württemberg

Das Rufzeichen wird jedem und jeder persönlich zugeordnet. Denis Mršas Rufzeichen lautet DL5SFC. Um das zu bekommen, muss man Prüfungen machen. Dann erst hat man die Lizenz zum Funken. So ist es gesetzlich geregelt. In Baden-Württemberg gibt es über 8.000 Funkamateure mit einer solchen Lizenz. In Deutschland haben knapp 60.000 Menschen dieses besondere Hobby.

Ohne zu ahnen, hat Denis Mrša seine Frau Andrea mit seiner Funk-Leidenschaft angesteckt. Anfang der 2000er-Jahre hatte sie ihn immer mal wieder zu Halbleiter, Dioden, Widerständen und Leitfähigkeit gefragt. Das hat ihn stutzig gemacht. "So etwas fragt eine Frau einen sonst nicht. Das war nicht mehr normal", erzählt er schmunzelnd.

Andrea Mrša in der Küche: Sie hat auch die Lizenz für Amateurfunk.
Andrea Mrša unterstützt ihren Mann Denis mit seinem Amateurfunk-Hobby. Es ist inzwischen auch ihres.

Gemeinsames Hobby: Engagement im Ortsverband Balingen-Weilstetten

Heute teilen die beiden ihr Hobby. Sie engagieren sich im Amateurfunk-Ortsverband Balingen und geben dort ihre Begeisterung für die Technik weiter. Jeden Sonntag lesen sie den sogenannten Württemberg-Funkspruch gemeinsam - einen Textabschnitt er, den nächsten sie. Damit informieren sie alle Amateurfunkerinnen und Funker über den neuesten Stand der Technik, das aktuelle Funkwetter und das nächste Club-Treffen. Die Amateurfunk-Szene lebt - trotz Social Media & Co.

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Autor/in
Magdalena Knöller
Magdalena Knöller ist Reporterin für Hörfunk, Online und Fernsehen beim SWR im Studio Tübingen.

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