In Haigerloch (Zollernalbkreis) engagiert sich ein Verein für ein ungewöhnliches Projekt: Die Rettung von Legehennen. Viermal im Jahr holen die Freiwilligen hunderte Hühner aus Legebetrieben, die sonst getötet würden - weil sie altersbedingt weniger Eier legen.
Zu alt für den Legebetrieb - genau richtig für Manuela Lang
Heute haben Frieda und Rosalie viel Platz. Die beiden Hennen scharren im großen Garten von Manuela Lang in Haigerloch. Gackernd erkunden sie den grasbewachsenen Hang mit Futterstellen und selbstgebauten Hühnerhäusern im Schwedenstil. "Frieda ist neugierig und total zutraulich. Sie läuft mir ständig hinterher", sagt Lang und stellt ihr eine Schale Körner hin.
Für Frieda und Rosalie ist es ein Neuanfang: Die Hennen stammen aus einem Legebetrieb, in dem sie dicht gedrängt mit Hunderten anderen Tieren in Bodenhaltung lebten. Der Verein Lebenswert e.V. hat sie und viele andere Hennen vor dem Tod gerettet, als die Tiere für den Legebetrieb zu alt wurden.
Hühnerpullis gegen Kälte
"Am Anfang war Frieda total nackig. Sie hatte so gut wie gar keine Federn", erzählt Lang. Andere Hühner hätten Frieda im Legebetrieb vermutlich die Federn ausgerupft. Noch immer ist die Henne stellenweise kahl. Damit sie im Winter nicht friert, hat die Heilerziehungspflegerin ihr einen Pullover genäht: ein Stoffstück mit Auslassungen für Kopf und Flügel und mit Klettverschlüssen. "Die brauchen die Hühner, weil sie einfach frieren. Es dauert ja, bis die Federn nachwachsen", erklärt Lang.
Inzwischen hat sie in ihrer eigenen kleinen Nähwerkstatt an die 20 Hühnerpullis genäht. Das hat sich rumgesprochen und andere inspiriert: Immer wieder bekommt Lang Päckchen mit teils liebevoll verzierten Hühnerpullis von Menschen, die helfen wollen. Die kann sie für die nächste Hühner-Rettungsaktion gut gebrauchen, um sie neuen Hühnerbesitzern mit frierenden Hennen mitzugeben.
Gerettete Hennen aufnehmen: Verein sucht Freiwillige
Denn nicht alle geretteten Hennen landen bei Manuela Lang. Der Verein sucht regelmäßig Menschen, die bereit sind, die Tiere aufzunehmen. Eine davon ist Elena Höh, die bereits vier gerettete Hühner bei sich hat. "Die Hühner brauchen uns, und ich brauche sie. Es ist so schön, sie jeden Morgen zu sehen. Das macht einfach glücklich", schwärmt sie. Gemeinsam mit sechs anderen Freiwilligen steht sie an einem Winterabend vor einem Anhänger. Darauf stehen Tierboxen, aus denen leises Gackern zu hören ist.
Die Hühner brauchen uns und ich brauche sie.
120 Hennen hat der Verein an diesem Abend von einem Landwirt abgeholt. Jetzt müssen sie verteilt werden. An Menschen, die Platz haben und sich um die teils pflegebedürftigen Hühner kümmern können. Behutsam werden die dünnen, stellenweise federlosen braunen Hennen in Kisten gehoben und in ihr neues Zuhause gebracht. Auch Manuela Lang ist dabei. Vier frisch gerettete Hennen sollen Rosalie und Frieda künftig im Garten Gesellschaft leisten.
Für gerettete Hennen ein neues Zuhause zu finden ist aufwändig. Aber für Katharina Reinecke, die die Hühnerrettung vor fünf Jahren mit anderen gestartet hat, ist es das einzig Richtige: "Wir kriegen oft so schöne Sachen von den Leuten geschickt: Wie sie Melone verfüttern oder wie sie den Stall so liebevoll einrichten. Da würde man gerne selber wohnen", lacht sie. "Auch wenn man nur einen Platz hat, dann ist ein Leben gerettet und das ist schon mal was sehr tolles." In den letzten fünf Jahren hat der Verein rund 2.000 Legehennen vor dem Tod bewahrt. Und Hennen wie Frieda und Rosalie können statt nur ein Jahr bis zu zehn Jahre alt werden.