Hühner im Kindergarten – das gibt es jetzt auf der Schwäbischen Alb. Die katholische Kindertagesstätte Sankt Josef in Nusplingen bei Meßstetten (Zollernalbkreis) hat vier eigene Hühner mit Stall und Gehege. Und: geschlüpft sind die Hühnchen dort auch. Anfang Juni haben die Tiere das Licht der Welt erblickt. Aber wie funktioniert Hühnerhaltung mit Kleinkindern eigentlich?
Die Hühner fressen Gemüse und Mehlwürmer
Speedy, Flauschi, Punky und Milkyway gackern aufgeregt und laufen in ihrem Gehege durcheinander. Es ist Fütterungszeit und die vier Kita-Hühner, zwei schwarze, ein braunes und ein weißes wissen, dass es für sie immer eine Delikatesse gibt: frisches Gemüse und Mehlwürmer. Die drei- bis sechsjährigen Kinder dürfen jeden Tag im Wechsel das Essen für die Hühner zubereiten. Immer zu festen Zeiten, nur eine kleine Gruppe Kinder darf das Futter verteilen. Sobald die Schüsseln im Gehege stehen, geht das Gepicke los.
Ursprünglich war gar nicht geplant, Hühner zu halten, erzählt Erzieherin Daniela Decker. Der Kindergarten hatte Eier vom Bauernhof bekommen und wollte sie ausbrüten. "Damit die Kinder das mal miterleben, wie die Küken aus dem Ei kommen", sagt Decker. Aber natürlich haben sich alle, Erzieherinnen und Kinder, gleich in die flauschigen kleinen Wesen verliebt und konnten sich nicht mehr trennen.
Die Idee war ja eigentlich nur, dass wir Eier ausbrüten. Vom Ei zum Küken. Und dann wollten wir die zurück auf den Bauernhof geben.
Vier Hühner haben sie am Ende behalten. Mittlerweile gehören sie fest zum Kindergartenalltag und werden von allen heiß geliebt. Vor allem das weiße Huhn Speedy. Es heißt so, weil es sich zuerst aus dem Ei gepellt hat. Jeden Tag gehen die Kinder in kleinen Gruppen ins Gehege, zum ausmisten und neu einstreuen. Am Wochenende machen das die Eltern im Wechsel. Auch in den Ferien gibt es im Sankt Josefs Kindergarten feste Regeln für den "Hühnerdienst".
Das Landratsamt Balingen fragt Fachwissen zu den Hühnern ab
Natürlich darf nicht jeder ohne Weiteres Hühner halten. Das Landratsamt verlangt sozusagen einen "Hühnerführerschein". Daniela Decker und ihre Kollegin Jenny Mengis-Alber haben Fachliteratur gelesen. Sie mussten anschließend eine kleine Prüfung ablegen.
Wir haben Unterlagen vom Veterinäramt bekommen, die wir uns anschauen mussten, mit Gesetzen, mit Krankheiten, mit Verhalten von Hühnern. Und dann kam ein Fachgespräch, wie eine Art Prüfung. Und die haben wir bestanden.
Jagen und Federn ausreißen ist verboten
Ihr Wissen über artgerechte Haltung geben die Erzieherinnen an die Kinder weiter. Dazu zählt der richtige Umgang mit den Tieren und geeignetes Futter. So wissen die Kinder bereits, was man darf und was nicht. So dürfen sie den Hühnern keine Federn ausreißen, auch scheuchen ist verboten. Die Tiere brauchen Ruhezeiten. Deshalb gibt es feste Zeiten für die Fütterung sowie für´s Ausmisten und Saubermachen.
Die Pädagogen beobachten, dass die Kinder gerade durchs Füttern und Stallputzen lernen, Verantwortung zu übernehmen und mehr Nähe zur Natur bekommen. Auch die Fürsorge wird durch die Pflege der Hühner gefördert. In erster Linie sind Speedy, Flauschi, Punky und Milkyway aber lieb gewonnene Haustiere, ohne die man sich den Alltag im Sankt Josefs Kindergarten gar nicht mehr vorstellen kann.