Betriebe äußern sich zu Ausbildungsreife

IHK-Umfrage: Azubis haben Probleme mit Kopfrechnen und Rechtschreibung

Sind Schulabgänger wirklich bereit für den Einstieg ins Berufsleben? Eine Umfrage der IHK Reutlingen unter Betrieben zeigt: Viele Unternehmen sehen hier deutliche Defizite.

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Von Autor/in Lisamarie Haas Baum

Laut einer Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Reutlingen beklagen regionale Betriebe mangelnde Ausbildungsreife bei Schulabgängern. Es fehle an fachlichen Grundlagen und an persönlichen Fähigkeiten.

Die IHK Reutlingen hat etwa 3.000 Betriebe in den Kreisen Reutlingen, Tübingen und Zollernalb kontaktiert, etwa 300 haben die Fragen beantwortet. Fast alle Firmen haben in der Befragung angegeben, dass sie bei Abgängern aller allgemeinbildenden Schularten vor allem persönliche Fähigkeiten wie Selbständigkeit, Durchhaltevermögen und Motivation vermissen. Einige Betriebe wünschen sich außerdem mehr Kritikfähigkeit, Eigenverantwortung und Belastbarkeit von ihren Auszubildenden.

Bei den Hauptfächern Mathe und Deutsch, aber auch bei Englisch und Informatik zeigt die Umfrage, dass Firmen hier unzufrieden sind.

Unseren Schulabgängern fehlt es teilweise an grundlegenden Fertigkeiten wie Rechnen ohne Taschenrechner oder Rechtschreibung ohne digitale Unterstützung.

Mehr Stärken im Umgang mit Gleichaltrigen

Die Ergebnisse der Umfrage zeigen aber auch Stärken der Auszubildenden im sozialen Bereich. Einige Ausbilderinnen und Ausbilder beobachten bei ihren Azubis gute kommunikative Fähigkeiten im Kontakt mit Gleichaltrigen.

Auch der routinierte Umgang mit Apps, digitalen Tools und sozialen Medien sehen einige Betriebe positiv. Zudem wird die junge Generation als selbstsicher und zielstrebig beschrieben. Sie seien interessiert an gesellschaftlichen Themen, vor allem zu Umwelt und Nachhaltigkeit.

Forderung: Mehr Praxisnähe im Unterricht

In der Umfrage konnten Ausbilderinnen und Ausbilder auch Wünsche äußern. In ihren Antworten forderten einige mehr Bezug zum Berufsalltag im Unterricht, mehr Vernetzung mit den regionalen Betrieben und mehr Schülerpraktika - dies vor allem an die Adresse der Schulen.

Ida Willumeit, zuständig für Berufsorientierung bei der IHK Reutlingen, sagte dem SWR, man arbeite an einem Positionspapier, das unter anderem auf den Ergebnissen der Umfrage basiere. Dieses wolle man direkt ans Kultusministerium schicken. Denn wichtig sei, Schulen angemessen auszustatten, damit sie ihre Aufgaben erfüllen können. 

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Lisamarie Haas Baum
Lisamarie Haas Baum ist Reporterin für Hörfunk, Online und Fernsehen beim SWR im Studio Tübingen.

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