Der Ausbildungsmarkt in Baden-Württemberg verzeichnet zum dritten Mal in Folge einen Anstieg der Bewerberzahlen. Gleichzeitig geht das Angebot an Ausbildungsstellen aufgrund der angespannten Wirtschaftslage zurück. Diese Zahlen gab die Arbeitsagentur beim Spitzengespräch für Ausbildung im baden-württembergischen Wirtschaftsministerium bekannt.
Zahl der Ausbildungsstellen geht um 5 Prozent zurück
Knapp 74.000 Ausbildungsstellen in Baden-Württemberg entsprechen einem Rückgang um 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auf 100 Stellen kamen 75 Bewerber - vor einem Jahr waren es 70. Nach wie vor sind fast 10.000 Ausbildungsstellen nicht besetzt, vor allem im Einzelhandel sowie bei medizinischen oder zahnmedizinischen Fachangestellten.
Um Bewerber zu unterstützen, setze die Bundesagentur für Arbeit auf interaktive Berufswahlangebote, betonte die Chefin der Regionaldirektion Baden-Württemberg, Martina Musati. Von einem Alarmsignal sprach DGB-Landeschef Kai Burmeister angesichts der rückläufigen Zahl an Ausbildungsplätzen besonders in der Industrie. Das Ausbildungsbündnis von Politik, Wirtschaft, Verbänden und Gewerkschaften müsse vor allem der wachsenden Zahl junger Menschen ohne Berufsabschluss entgegenwirken.
BW-Wirtschaft schrumpt, laut IHK fehlen geeignete Bewerber
Bei der Suche nach Gründen, warum angesichts von mehr Bewerberinnen und Bewerbern auf weniger Stellen nach wie vor tausende Ausbildungsstellen unbesetzt bleiben, hilft ein Blick auf die allgemeine wirtschaftliche Lage des Bundeslands. Wenn die Wirtschaft schrumpft, geht auch die Zahl der Ausbildungsplätze zurück:
Im Ländervergleich schrumpfte die Wirtschaftsleistung in Baden-Württemberg zuletzt überdurchschnittlich stark. Laut Statistischem Landesamt ist der Trend in Baden-Württemberg insbesondere auf deutliche Rückgänge der Bruttowertschöpfung in der Industrie und im Baugewerbe zurückzuführen. Die Dienstleistungsbereiche lieferten hingegen leichte Wachstumsimpulse.
Gleichzeitig klagen Betriebe, die Ausbildungsstellen besetzen wollen, weniger über fehlende Bewerber als über deren Eignung. Es hapere nicht unbedingt an den Schulnoten, sondern an den grundlegenden Voraussetzungen für eine gelungene Ausbildung wie etwa Motivation und Disziplin. Das ist ein zentrales Ergebnis Ausbildungsumfrage der baden-württembergischen Industrie- und Handelskammer (IHK) aus dem Juli.
Entgegen solcher Trends gibt es aber auch Ausbildungsberufe, die sich zunehmender Beliebtheit erfreuen. So wollen sich immer mehr junge Menschen zur Bestattungsfachkraft ausbilden lassen. Deutschlandweit hat sich die Zahl der Azubis in diesem Berufsfeld in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt, auch in Baden-Württemberg zeigt sich eine ähnliche Entwicklung.