In Tübingen hat in der Außenstelle der Justizvollzugsanstalt (JVA) Rottenburg am Montagmittag ein größerer Polizeieinsatz stattgefunden. Auch Polizeihunde waren im Einsatz. Der Polizei zufolge war der Einsatz bereits am Nachmittag wieder abgeschlossen. Zuerst hatte die "Südwest Presse" berichtet.
Polizei mit Großaufgebot in JVA: Tischtennisplatte sorgt für Eklat
Am Montagmorgen hätte wie jeden Tag der Hofgang der Gefangenen stattgefunden, sagte Ilona Crispien, Regierungsdirektorin und stellvertretende Anstaltsleiterin. Rund 20 der Gefangenen wollten danach nicht in die Hafträume zurückkehren, sondern im Hof bleiben, so Crispien.
Der Auslöser für den Aufstand der Gefangenen war laut Crispien eine fehlende Tischtennisplatte, aber auch die generelle Unzufriedenheit mit den Haftbedingungen vor Ort. Die Gefangenen nutzten Crispien zufolge die Situation, um ihre Anliegen die Haft betreffend vorzutragen. Es stehe nun ein regelmäßiges Gesprächsformat im Raum. Außerdem werde es zukünftig einen Gefangenensprecher geben, um regelmäßig im Gespräch zu bleiben. Nach einer Weile musste laut Crispien dennoch die Polizei informiert werden, die mit einem Großaufgebot anrückte und die Situation auflöste. Die Häftlinge seien widerstandslos in ihre Zellen zurückgekehrt. Es gab keine Gewalt, niemand wurde verletzt.
Gefangene können bald Sprecher wählen
Gefangenensprecher wählen zu können, bezeichnet die stellvertretende Anstaltsleiterin Ilona Crispien als ein nachvollziehbares Anliegen der Insassen. In Rottenburg mache man sehr gute Erfahrungen mit gewählten Ansprechpartnern unter den Häftlingen. Oft ließe es sich verhindern, dass eine Situation sich zuspitzt, wenn man frühzeitig erkenne, was den Gefangenen fehle. Oft könne man dann auch mit Kleinigkeiten Abhilfe schaffen.
Dass es in Tübingen derzeit keine Gefangenensprecher gab, habe auch daran gelegen, dass das Gefängnis vor allem für die U-Haft da ist. Wer auf seinen Prozess warte, bleibe meist nicht so lange. In den vergangenen Monaten habe sich aber herausgestellt, dass manche Menschen länger bleiben - und dann sei es gut und richtig, einen Sprecher aus den eigenen Reihen zu wählen. Am kommenden Dienstag soll die Wahl stattfinden. Schade sei es, dass die JVA-Leitung durch die Protestaktion darauf gestoßen worden sei - es hätte auch genügt, wenn die Gefangenen den Wunsch einfach geäußert hätten, so Crispien.
Drohen den Gefangenen Konsequenzen?
Die Anführer des Aufstands sollen nun in die JVA Rottenburg verlegt werden. Die verbleibenden Gefangenen in Tübingen müssen laut Crispien mit einem beschränkten Freiheitsgrad innerhalb des Gefängnisses rechnen. Da die Häftlinge nicht gewalttätig waren, gelte der Aufstand nicht als Gefangenenmeuterei, so die Polizei.