Der St. Johannes-Kirche in der Tübinger Altstadt fehlen seit dem Dreikönigstag zwei Hirtenfiguren. Sie wurden aus der Krippe gestohlen. Nun setzt die Gemeinde auf eine Fahndungsaktion – und hofft auf das schlechte Gewissen der Täter.
Figuren jetzt aus Pappe statt aus Holz
Als Clemens Krebs am Dreikönigstag in die Kirche kommt, um nach der Krippe zu sehen, hält er irritiert inne. Zwischen Tieren, Jesuskind und Heiligem Paar fehlt etwas: zwei Hirten. Krebs erkennt das sofort, denn er und seine Frau kümmern sich seit 20 Jahren um die Krippe. Sofort informiert er die Kirchengemeinde, die umgehend Anzeige bei der Polizei erstattet.
Eine Krippe ohne die beiden Hirten ist für Krebs undenkbar. Deshalb macht er sich gleich ans Werk und bastelt zwei bunte Pappaufsteller. In Originalgröße druckt er Fotos der Figuren und klebt sie auf Karton. Jetzt stehen sie als Platzhalter zwischen anderen Hirten und den Schafen. Das sieht nicht schlecht aus. Trotzdem wünscht sich Krebs, dass die Figuren bald wieder da sind.
Wir hoffen auf das schlechte Gewissen, dass sie einfach wieder zurückgebracht werden.
Verschwundene Hirten mit Fahndungsplakat gesucht
Mit einem selbstgemachten Fahndungsplakat richtet er sich direkt an die Diebe: "Die Kirchengemeinde St. Johannes bedauert diesen Verlust sehr. Wir appellieren an den Täter / die Täterin, die beiden Figuren zurückzubringen", steht darauf.
Das Kernstück der Krippe ist aus dem Jahr 1906. Nach und nach wurden dann Figuren hinzugekauft. Aus welchem Jahr oder von welchem Künstler die zwei fehlenden Hirten stammen, weiß Krebs nicht. Zu Geld machen könne man die Figuren nicht, da sie an sich keinen hohen Wert hätten. Für die Kirchengemeinde habe sie aber eine wichtige Bedeutung, da die Krippe vor allem an den Weihnachtsfeiertagen und am Dreikönigstag eine Rolle in den Gottesdiensten spiele, so Krebs.
Wie schützt man eine Krippe vor Diebstahl?
Die St. Johannes-Gemeinde überlegt nun, wie sie sich künftig vor Diebstahl in der Krippenzeit schützen könnte. Videoüberwachung komme nicht infrage, meint Krebs. Alarmsender wie in Einkaufsläden wären theoretisch denkbar. Aber nicht für jedes Schaf - denn davon gibt es um die 40.
Clemens Krebs und die Gemeinde hoffen vielmehr auf die Rückkehr ihrer Hirten. Bis Lichtmess am 2. Februar ist die Krippe noch aufgebaut. Aber auch wenn die Hirten nicht wieder auftauchen, spricht Krebs sich gegen einen Ersatz aus. ,,Ich würde dafür plädieren, dass man die Platzhalter auch in den Folgejahren dann wieder dahin stellt.'' Diese würden an den Verlust erinnern.