In der Silvesternacht ist ein fast ein Meter großes Holzkreuz vom Hochaltar der katholischen Kirche in Bad Mergentheim-Löffelstelzen (Main-Tauber-Kreis) verschwunden. Die Tat wurde erst bemerkt, als die Kirche am Abend geschlossen werden sollte. Für Pfarrer Thomas Frey und seine Kirchengemeinde ist der Verlust doppelt tragisch. Die Polizei sucht nun nach Hinweisen zum Täter und dem Verbleib des Kreuzes.
Kirchengemeinde in Löffelstelzen: Holzkreuz vom Hochaltar verschwunden
Das gestohlene Kreuz stand zentral auf dem Hochaltar über dem Tabernakel im Chorraum der barockisierten Kirche aus dem Jahr 1927, erzählt Thomas Frey im SWR-Interview. Er ist seit fünf Jahren Pfarrer der vier Kirchengemeinden in Bad Mergentheim. Er berichtet, dass rund zehn Minuten vor Schließung der Kirche ein kurzer Alarm zu hören war. Denn das Kreuz war alarmgesichert.
Das Kabel, das den Alarm ausgelöst hat, wurde dann schnell durchtrennt. Es war da schon laut, auch mit Böllern, Knallern, Feuerwerk und so weiter.
Aufgrund des Silvesterlärms sei niemand sofort aktiv geworden. Erst als die Mesnerin gegen 18 Uhr die Kirche abschließen wollte, sei ihr der Diebstahl aufgefallen. Pfarrer Frey geht davon aus, dass die Tat gezielt in die Silvesternacht gelegt wurde, möglicherweise um den allgemeinen Lärm durch Böller und Feuerwerk auszunutzen.
Doppelte Betroffenheit in der Kirche nach Todesfall an Weihnachten
Die Kirche liegt am Ortsrand von Löffelstelzen, so der Pfarrer weiter. Ein Umstand, der den Holzkreuz-Klau möglicherweise begünstigte. Für die Gemeinde ist der Verlust dennoch ein schwerer Schlag. "Die Kirche ist die Seele der kleinen Ortschaft“, so Frey. Jetzt sei im Altarraum einfach Leere: "Jeder, der in die Kirche geht, sieht eben, da fehlt das Kreuz. Und das ist für uns Christen ja das Symbol schlechthin."
Besonders tragisch: Die Gemeinde steht ohnehin unter Schock. Denn an Weihnachten sei eine der Pfarrsekretärinnen verstorben. "Die Menschen waren in Trauer und betroffen und jetzt kommt auch noch der Vorfall an Silvester dazu", erklärt der Pfarrer. Er spricht von einer doppelten Betroffenheit.
Hoffnung auf Wiederauffinden - "im Nofall gibt's eine Kopie"
Dennoch hofft man in der Kirchengemeinde darauf, dass das Holzkreuz irgendwann wieder am Hochaltar stehen wird. Was Täter mit einem solchen Kreuz anfangen wollen, ist für den Pfarrer schwer nachvollziehbar. "Ins Wohnzimmer hängen wird es sich wohl niemand", sagte Frey. Wahrscheinlich gehe es um einen Weiterverkauf, "spätestens dann müsste es ja wieder auftauchen" - auf dem Kunstmarkt, bei Onlineplattformen oder in Sammlerkreisen.
Sollte das Original nicht wiedergefunden werden, könne zumindest eine Kopie angefertigt werden. Fotos und Dokumentationen existieren. "Aber natürlich hoffen wir, dass wir das Original zurückbekommen", betont Frey.
Unterdessen bittet die Polizei die Bevölkerung um Mithilfe. Wer am Silvesterabend Beobachtungen gemacht hat oder etwas zum Verbleib des Kreuzes sagen kann, wird gebeten, sich beim Polizeirevier Bad Mergentheim zu melden.