Vier Männer aus Römerstein (Kreis Reutlingen) sitzen an einem Tisch. Der SWR hat sie zusammengebracht. Ein Zimmerer, ein Bäcker, ein Öko-Landwirt und der Chef einer Security-Firma – alle sind selbständige Unternehmer, alle fest verwurzelt in dem kleinen Ort mit seinen rund 4.100 Einwohnern.
Wenn die Männer über Politik sprechen, hört man deutlich: Sie sind enttäuscht von den etablierten Parteien. Die Verantwortlichen seien zu weit weg vom normalen Leben der Menschen. Öko-Landwirt Jürgen Tröster sagt, er sei keiner, der schnell motzt, aber die vielen Vorschriften würden die Unternehmen kaputt machen. "Wenn ich zu einem Politiker sage, du hör mal, das ist doch Mumpitz, sagen die: Ja, das ist EU-Recht. Die verstecken sich alle hinter dem EU-Recht."
Römersteiner fordern weniger Bürokratie für Unternehmen
Die Landesregierung müsse die Probleme aktiv angehen, zum Beispiel beim Bürokratieabbau, meint der Landwirt aus Römerstein. Die unzähligen Vorschriften erschweren auch die Arbeit von Bäckermeister Heiner Beck. Die Folgen für das Land seien fatal. Keiner wolle mehr Verantwortung übernehmen und ein Unternehmen gründen.
Ein Unternehmen zu führen ist Spaßfaktor Null. Das ist das, was die Politik ums Verrecken nicht kapieren möchte.
Pascal Huber nickt. Er beschäftigt in seiner Security-Firma rund 50 Leute. Es gehe den meisten in Römerstein noch recht gut, sagt der 32-Jährige. Aber die Sorge, dass das Geld nicht mehr reicht, sei groß unter den Beschäftigten. Er als Chef fühle sich für seine Mannschaft verantwortlich und wünsche sich von einer Landesregierung mehr Unterstützung, Verständnis und, "dass man den Firmen ein bisschen den Rücken freihält, auch finanziell."
Die Wahl beschäftigt die Menschen in Römerstein. Man spricht über den Nahverkehr und die Schülerbeförderung, aber auch das Thema Wohnen und Bauen treibt die Leute um. Zimmermeister Frank Gekeler wünscht sich eine positivere Stimmung im Bauwesen. Alles sei so negativ, niemand habe richtig Lust zu bauen. Er hofft auf eine Landesregierung, die Anreiz schafft, dass auch wieder Familien ein Haus bauen wollen - beziehungsweise können.
Migration als Chance: Bäcker setzt auf Ausländer
Ein Thema wird besonders kontrovers diskutiert: Migration. Nicht alle in Römerstein scheinen Ausländern gegenüber offen zu sein. Bäckermeister Beck hingegen braucht sie. "Ich als Unternehmer muss ganz klipp und klar sagen, hätten wir die Ausländer nicht, hätten wir morgen nichts mehr zum Essen."
60 Prozent seiner Auszubildenden kommen aus dem Ausland. Die seien spitze. Das seien gebildete Leute, die arbeiten wollen. Bei manchem Deutschen müsse er sich mit Themen wie Teilzeitausbildung und Vier-Tage-Woche herumschlagen. Mit so einer Arbeitseinstellung könne man nichts bewegen, so der Bäckermeister.
Unternehmen beklagen schlechte Bildung
Zimmermeister Gekeler meint, man müsse den jungen Leute ein positives Bild von Arbeit vermitteln. Arbeiten sei doch nichts Schlechtes und habe auch eine soziale Komponente. Das sollte wieder viel mehr betont werden. Doch was könnte die Politik da tun?
Das Problem fängt laut Bäcker Beck schon in der Schule an. "Was für mich ganz schlimm ist, ist die Bildung. Wenn heute ein Abiturient kommt und kann keinen Dreisatz, dann stimmt irgendwo in unserer Schulbildung was nicht mehr." Die Politiker müssten ganz schnell und dringend was in der Bildung machen. Die vier Unternehmer sind sich weitgehend einig mit ihren Forderungen an eine neue Landesregierung.
Ohne Auto auf der Schwäbischen Alb verloren
An einem normalen Wochentag trifft man vormittags kaum jemanden auf den Straßen von Römerstein. Viele arbeiten, die Kinder sind in der Schule. Ein paar Menschen sind in einem kleinen Supermarkt, in der auch der Bäcker eine Filiale hat. Fragt man die Menschen hier zur Politik, will sich kaum jemand äußern. "Da kenne ich mich nicht aus", sagt eine Hausfrau. Einer anderen Frau fällt dann doch noch was ein. Ärgerlich sei die Sache mit den Busverbindungen: "Ohne Auto ist man hier oben auf der Schwäbischen Alb verloren."