Landtagswahl 2026 in BW

Was Menschen auf dem Land über Politik denken

Wirtschaft, innere Sicherheit, Bildung - mit diesen Themen wollen die Spitzenkandidaten bei der Landtagswahl punkten. Doch beschäftigt das auch die Leute abseits der großen Bühnen?

Teilen

Stand

Von Autor/in Stefanie Assenheimer

Vier Männer aus Römerstein (Kreis Reutlingen) sitzen an einem Tisch. Der SWR hat sie zusammengebracht. Ein Zimmerer, ein Bäcker, ein Öko-Landwirt und der Chef einer Security-Firma – alle sind selbständige Unternehmer, alle fest verwurzelt in dem kleinen Ort mit seinen rund 4.100 Einwohnern.

Wenn die Männer über Politik sprechen, hört man deutlich: Sie sind enttäuscht von den etablierten Parteien. Die Verantwortlichen seien zu weit weg vom normalen Leben der Menschen. Öko-Landwirt Jürgen Tröster sagt, er sei keiner, der schnell motzt, aber die vielen Vorschriften würden die Unternehmen kaputt machen. "Wenn ich zu einem Politiker sage, du hör mal, das ist doch Mumpitz, sagen die: Ja, das ist EU-Recht. Die verstecken sich alle hinter dem EU-Recht."

Römersteiner fordern weniger Bürokratie für Unternehmen

Die Landesregierung müsse die Probleme aktiv angehen, zum Beispiel beim Bürokratieabbau, meint der Landwirt aus Römerstein. Die unzähligen Vorschriften erschweren auch die Arbeit von Bäckermeister Heiner Beck. Die Folgen für das Land seien fatal. Keiner wolle mehr Verantwortung übernehmen und ein Unternehmen gründen.

Bäckermeister Heiner Beck aus Römerstein. Er wünscht sich weniger Bürokratie und eine bessere Bildung.
Bäckermeister Heiner Beck ist ein Macher. Er wünscht sich von der Politik mehr gesunden Menschenverstand und weniger Vorschriften. Stefanie Assenheimer

Ein Unternehmen zu führen ist Spaßfaktor Null. Das ist das, was die Politik ums Verrecken nicht kapieren möchte.

Pascal Huber nickt. Er beschäftigt in seiner Security-Firma rund 50 Leute. Es gehe den meisten in Römerstein noch recht gut, sagt der 32-Jährige. Aber die Sorge, dass das Geld nicht mehr reicht, sei groß unter den Beschäftigten. Er als Chef fühle sich für seine Mannschaft verantwortlich und wünsche sich von einer Landesregierung mehr Unterstützung, Verständnis und, "dass man den Firmen ein bisschen den Rücken freihält, auch finanziell."

Die Wahl beschäftigt die Menschen in Römerstein. Man spricht über den Nahverkehr und die Schülerbeförderung, aber auch das Thema Wohnen und Bauen treibt die Leute um. Zimmermeister Frank Gekeler wünscht sich eine positivere Stimmung im Bauwesen. Alles sei so negativ, niemand habe richtig Lust zu bauen. Er hofft auf eine Landesregierung, die Anreiz schafft, dass auch wieder Familien ein Haus bauen wollen - beziehungsweise können.

Pascal Huber, Chef einer Sicherheitsfirma in Römerstein. Er ist mit der wirtschaftlichen Situation im allgemeinen unzufrieden.
Pascal Huber spricht Klartext: Er kritisiert die Politik für zuviel Bürokratie und zu wenig unternemerische Freiheit. Stefanie Assenheimer

Migration als Chance: Bäcker setzt auf Ausländer

Ein Thema wird besonders kontrovers diskutiert: Migration. Nicht alle in Römerstein scheinen Ausländern gegenüber offen zu sein. Bäckermeister Beck hingegen braucht sie. "Ich als Unternehmer muss ganz klipp und klar sagen, hätten wir die Ausländer nicht, hätten wir morgen nichts mehr zum Essen."

60 Prozent seiner Auszubildenden kommen aus dem Ausland. Die seien spitze. Das seien gebildete Leute, die arbeiten wollen. Bei manchem Deutschen müsse er sich mit Themen wie Teilzeitausbildung und Vier-Tage-Woche herumschlagen. Mit so einer Arbeitseinstellung könne man nichts bewegen, so der Bäckermeister.

Unternehmen beklagen schlechte Bildung

Zimmermeister Gekeler meint, man müsse den jungen Leute ein positives Bild von Arbeit vermitteln. Arbeiten sei doch nichts Schlechtes und habe auch eine soziale Komponente. Das sollte wieder viel mehr betont werden. Doch was könnte die Politik da tun?

Das Problem fängt laut Bäcker Beck schon in der Schule an. "Was für mich ganz schlimm ist, ist die Bildung. Wenn heute ein Abiturient kommt und kann keinen Dreisatz, dann stimmt irgendwo in unserer Schulbildung was nicht mehr." Die Politiker müssten ganz schnell und dringend was in der Bildung machen. Die vier Unternehmer sind sich weitgehend einig mit ihren Forderungen an eine neue Landesregierung.

Ohne Auto auf der Schwäbischen Alb verloren

An einem normalen Wochentag trifft man vormittags kaum jemanden auf den Straßen von Römerstein. Viele arbeiten, die Kinder sind in der Schule. Ein paar Menschen sind in einem kleinen Supermarkt, in der auch der Bäcker eine Filiale hat. Fragt man die Menschen hier zur Politik, will sich kaum jemand äußern. "Da kenne ich mich nicht aus", sagt eine Hausfrau. Einer anderen Frau fällt dann doch noch was ein. Ärgerlich sei die Sache mit den Busverbindungen: "Ohne Auto ist man hier oben auf der Schwäbischen Alb verloren."

Baden-Württemberg

Mit der Erststimme wählbar Landtagswahl BW 2026: Wer sind die Direktkandidaten in meinem Wahlkreis?

Wer steht als Direktkandidat in meinem Wahlkreis auf dem Wahlzettel? Eine Übersicht aller Bewerberinnen und Bewerber für die Landtagswahl 2026 in Baden-Württemberg.

Baden-Württemberg wählt - Die Entscheidung SWR BW

Baden-Württemberg

Infos, Termine, Hintergründe, Ergebnisse Landtagswahl 2026: Baden-Württemberg wählt

Die Landtagswahl 2026 in Baden-Württemberg: Aktuelle Umfragen, Informationen zu Kandidaten, wichtigen Themen, Hintergründe und Ergebnisse.

Bilanz der grün-schwarzen Koalition Regierungscheck: Was hat die Landesregierung Baden-Württemberg umgesetzt?

Die grün-schwarze Koalition hat sich in ihrem Koalitionsvertrag 2021 viel vorgenommen. Das SWR Data Lab und die Universität Leipzig haben recherchiert, was die noch amtierende Landesregierung erreicht hat - und was nicht.

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Stefanie Assenheimer
Stefanie Assenheimer

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!