Sonnenschein und beste Laune beim Radolfzeller Fasnetumzug (Kreis Konstanz). Ab 13Uhr zogen die närrischen Gruppen durch die Altstadt, begleitet vom fröhlichen "Narri Narro" der Menschen, die zu Tausenden die Umzugsstrecke säumten. Die schönsten und originellsten Gruppen wurden prämiert - keine leichte Aufgabe bei der originellen wie traditionsreichen Auswahl.
Güggel, Frösch und Schnägge in der Kirche in Lörrach
Tierisch was los in der katholischen Bonifatiuskirche in Lörrach am Fasnachtssonntag: Güggel, Frösch und Schnägge sind zur Stelle.
Pfarrer Joachim Giesler reimt seine Predigt, Organist Andreas Mölder sitzt im Hühnerkostüm an der Kirchenorgel und die Lörracher "Guggemusik 53" sorgt für noch mehr Radau. Das will natürlich keiner verpassen: Mehrere hundert Gottesdienstbesucher drängen sich auf den Kirchenbänken, darunter Abgeordnete des baden-württembergischen Landtags und Lörrachs Landrätin Marion Dammann.
Kult am Kaiserstuhl: Jokili in Endingen
In Endingen am Kaiserstuhl sind am Fasnachtssonntag wieder mehrere Hundert Jokili bei ihrem traditionellen Umzug durch die Innenstadt gezogen. Bei strahlender Sonne und blauem Himmel schauten ihnen viele vom Straßenrand zu. Die Endinger Fasnetsfigur des Jokili gilt als eine der ältesten Brauchtumsfiguren im Land und ist seit dem 18. Jahrhundert urkundlich belegt.
Die ganze Stadt ist zur Fasnet in den Endinger Farben Rot, Blau und Weiß geschmückt. Der Umzug der Jokili und anderer Endinger Fasnetsfiguren, wie dem Stadttier oder dem Galli, endet traditionell auf dem Endinger Marktplatz.
Hänselejuck: Dämonischer Umzug in Überlingen
In Überlingen (Bodenseekreis) haben Tausende Närrinnen und Narren am Samstagabend einen ihrer Höhepunkte in der Stadt gefeiert: Beim sogenannten "Hänselejuck" zogen am Abend bei bengalischer Beleuchtung über 1.000 Hästräger durch die Straßen. Das Überlinger Hänsele gilt als Traditionsfigur der Überlinger Fastnacht und wurde erstmals im Jahr 1496 erwähnt.
In Rottenburg am Neckar (Kreis Tübingen) hatte der Fasnetssamstag um 13:30 Uhr mit der Narrenmesse begonnen. Danach gibt es wahrscheinlich den einzigen total unorganisierten Umzug in diesen Tagen, das sagt jedenfalls ein Zunftmeister.
Lustig und unorganisiert
Dabei sind Freundesgruppen und Vereine mit teils wunderschönen Kostümen und Verkleidungen.
In Friedrichshafen sind die Seegockel los
In Friedrichshafen (Bodenseekreis) begann am Samstagnachmittag der große Narrensprung der Narrenzunft Seegockel mit drei Böllerschüssen. Tausende Närrinnen und Narren zogen durch die Straßen. Begleitet wurden sie von Fanfarenzügen, Lumpenkapellen und Musikvereinen. Ein Spektakel, das viele tausende Menschen sehen wollten.
Viele Narrenzünfte aus dem Friedrichshafener Stadtgebiet, aber auch befreundete Gruppen und Zünfte aus der Region und von weiter her sind gekommen, um an dem großen Umzug teilzunehmen. Bei schönstem Sonnenschein zogen insgesamt 42 Gruppen und Zünfte durch die Innenstadt.
Guggenmusiker treffen sich in Lörrach
Es schepperte wieder: Um 11 Uhr hat am Samstag in der Lörracher Innenstadt die "Gugge-Explosion" begonnen. Auf mehreren Bühnen spielten über 40 Guggemusiken, ein Drittel davon kam aus der Schweiz. Dabei verwandelte sich die Innenstadt in einen Hexenkessel. Es wurde spät, laut und überschwänglich. Denn auf der Bühne am Alten Markt spielten die Guggenmusiker bis um Mitternacht. Zwischendrin um 18 Uhr zogen die rund 40 Guggenmusiken aus Deutschland und der Schweiz in einem Korso durch die Innenstadt. Eintritt wurde nicht verlangt, aber die Narren-Gilde setzte darauf, dass die Besucherinnen und Besucher eine Fastnachts-Plakette kaufen.
In Melchingen ziehen die Fruchtsammler von Haus zu Haus
Hoch her ging es auch in Melchingen (Zollernalbkreis) bei der Narhalla Klein Berlin. Die Narrenzunft mit dem großstädtischen Namen hatte am Samstag zur Mittagszeit die "Fruchtsammler" auferstehen lassen.
Vor 30 Jahren gab es in dem kleinen Ort noch viele Häuser, die das Getreide im Schopf lagerten. Darum gingen die Narren von Haus zu Haus, sammelten Getreide ein und verkauften es später. Mittlerweile sammeln sie Geld - und zwar machen das die Lauchertmusikanten. Natürlich mit viel Musik …
Narrensprung auf Balinger Marktplatz
Die Frommener Brennnesseln tragen grünes Blätterhäs und gehören zu den zehn Vereinen, die am Freitagnachmittag den dritten Narrensprung Balingen auf die Straße gebracht haben. Auch die Erzinger Pflommasäck sind sehr naturnah. Da kommen die vielen Hexen und Lumpen ganz anders daher. Balingen hat noch eine ganz junge Fasnet, und die Leute sprangen darauf an, das zeigte der vollbesetzte Marktplatz.
Fastnachtsumzug in Amtzell
In Amtzell (Kreis Ravensburg) war der Narrensprung am "Bromigen Freitag" der Höhepunkt der Fastnacht. Pünktlich um 14:14 Uhr begann er mit mehr als 70 Zünften, Vereinen und Musikgruppen. Allen voran die Schlossgoischter Amtzell und die Amtzeller Ramseweible. Die Temperaturen waren mit 6° Grad vergleichsweise narrenfreundlich, zwischendurch schien sogar die Sonne durch die Wolken.
Närrische Höhepunkte von Neckar, Alb, Donau und Schwarzwald Wo die Narren vom Schmotzigen bis Aschermittwoch jucken
Die Narren laufen heiß: Mit dem "Schmotziga", "Auseliga", "Gemmeliga", "Ruaßiga" oder "Gompiga Dauschteg" beginnen die höchsten Feiertage der schwäbisch-alemannischen Fasnet.
Aus Fastnachtsliebe wurde eine Fastnachtsfamilie
Nach dem "Auseligen Dunschtig" sind jetzt viele Narren bis Mittwoch im Dauereinsatz. Kann ganz schön anstrengend sein. Vor allem, wenn noch Kinder dabei sind. Familie Studer aus dem badischen Lahr-Sulz (Ortenaukreis) ist an den Fastnachtstagen täglich unterwegs. Felix und Joyce Studer haben sich vor zehn Jahren bei der Fastnacht kennengelernt und verliebt. Heute haben sie zwei Kinder und die ganze Familie ist bei den "Schlossbühljägern" in Lahr-Sulz aktiv. Für Sohn Ben (7) ist es die erste Fastnacht mit Maske:
Meine Maske hat schwarzes Fell, damit mich meine Mama besser erkennt.
Und so haben auch die Eltern über die Fastnachtstage gut zu tun: Während der vielen Umzüge müssen sie unter der Maske auf Ben aufpassen, und auch Lisa (4), die in der Zunft als Schlossfräulein unterwegs ist, dürfen sie nicht aus den Augen verlieren. "Wir sind auch froh, wenn dann am Aschermittwoch alles geschafft ist", sagt Joyce Studer und lacht.