Die evangelische Kirche steht vor Herausforderungen und muss sparen, denn die Mitgliederzahlen sinken und die Einnahmen durch die Kirchensteuer werden weniger. In Ohmenhausen, Gönningen und Bronnweiler (Kreis Reutlingen) haben die Kirchengemeinden aus der Not eine Tugend gemacht und sind fusioniert. Eine der Pfarrerinnen der neuen Kirchengemeinde "Emmaus-Reutlingen" ist die 39-jährige Christine Siegl. Sie hat zum Thema, wie Kirchengebäude in Zukunft genutzt werden können, promoviert und hat nun eine 50-Prozent Stelle angetreten.
Beim ersten ökumenischen Gottesdienst der neuen "Emmaus-Gemeinde" in der voll besetzten evangelischen Peter und Paul Kirche in Gönningen Ende April gab es viel Zuspruch für Siegl. "Ich war sehr berührt von der Predigt und wie schön sie das alles miteinander in Einklang gebracht hat, also so aus dem Leben gegriffen und dann trotzdem dieses Christliche und Spirituelle", so eine Gottesdienstbesucherin. "Dr. Siegl finde ich sehr sympathisch", sagte eine andere. Viele sind froh, dass die Pfarrstelle wieder besetzt ist.
Emmaus-Gemeinde muss erst noch lebendig werden
Siegl wird mit einer weiteren Pfarrerin mit 50-Prozent Stelle und einem Pfarrer in Gönningen, Ohmenhausen und Bronnweiler predigen.
Die Emmaus-Gemeinde müsse jetzt lebendig werden, meint Martin Zirngibl vom Kirchengemeinderat. Drei für sich selbstständige Gemeinden zusammenzubringen und dann Ressourcen gemeinsam zu nutzen, das sei nicht ganz einfach. Manches gehe auch nicht mehr wie früher, meint Zirngibl. Nicht mehr jeden Sonntag an jedem Ort Gottesdienst zum Beispiel.
Pfarrerin will immer für ihre Gemeinde da sein
Christine Siegl wohnt in Tübingen. Trotzdem möchte sie für ihre Gemeinde immer da sein und Praxis und Theorie auf besondere Weise miteinander verbinden. Mit einer weiteren halben Stelle wird sie als Wissenschaftlerin arbeiten. Sie ist Professorin an der Hochschule der Methodistischen Kirche in Reutlingen. Promoviert hat sie zum Thema "Nutzungserweiterung von Dorfkirchen".
Auch in der Emmaus-Gemeinde könnten Kirchengebäude in Zukunft für soziale oder kulturelle Zwecke genutzt werden. Wie die Menschen mit den Veränderungen zurecht kommen werden, wird sich zeigen. Die Nutzung der Gebäude sieht Pfarrerin Siegl aber pragmatisch: "Kirchengebäude wurden schon immer vielfältig genutzt. Das halten die aus."