Ratten sind für viele Menschen ein Ärgernis und für Städte und Gemeinden eine echte Herausforderung. Seit dem 1. Januar gelten strengere Vorschriften für die Bekämpfung der Tiere. Die Gemeinde Eningen unter Achalm (Kreis Reutlingen) hat frühzeitig auf eine moderne Methode umgestellt: Köderboxen.
Digitale Köderboxen gegen Rattenbefall
Maurice Fromm ist in seinen Bildschirm vertieft. Auf einer Karte klickt sich der Bauhofmitarbeiter durch mal grüne, mal rote Kästchen. Jedes von ihnen steht für eine digitale Köderbox in der Kanalisation von Eningen unter Achalm. Die Boxen locken Ratten mit zunächst ungiftigen Ködern an. Sensoren erfassen, wie oft die Tiere hineinschlüpfen. Die Daten werden dann im Büro des Bauhofs auf der Karte sichtbar.
"Erst, wenn wir sehen, dass in der Giftköderbox die dementsprechende Menge an Besuchen waren, kommt das Rattengift zum Einsatz", erklärt Bauhofleiter Jens Herold. Für seine Mitarbeitenden sei das eine enorme Erleichterung: "Früher haben wir bis zu 800 Straßenschächte aufgemacht und Rattengift runtergehängt, was eine beschwerliche Arbeit war."
Weniger Gift, mehr Umweltschutz
Mit den Giftköderboxen werde der Kanaldeckel inzwischen nur noch angehoben, wenn eine der 20 Köderboxen im Abwassersystem einen Befall meldet. Denn die Daten werden vor Ort per Tablet ausgelesen.
So haben wir viel mehr Kontrolle und einen Überblick, ob unsere Arbeit überhaupt Wirkung zeigt.
Vor einem Jahr hat Eningen rund 20.000 Euro in die Köderboxen investiert. Seither habe die Gemeinde rund 90 Prozent Rattengift eingespart - 80 Giftköder statt 800, berichtet Bürgermeister Eric Sindek (parteilos). Das habe auch einen positiven Effekt auf die Umwelt.
"Die Köder werden bei Starkregen oft in Gewässer gespült. Mit den neuen Maßnahmen leisten wir einen wichtigen Beitrag zum Gewässerschutz." Laut Sindek treiben die Boxen bei steigendem Pegel auf dem Wasser und umhüllen das Gift, sodass es nicht ins Wasser gelangt.
Köderboxen auch in Tübingen, Reutlingen, Tuttlingen und Freudenstadt
Auch andere Kommunen in der Region nutzen solche Köderboxen, darunter Tübingen. Reutlingen hat die ersten bereits 2017 in Betrieb genommen. Auch Tuttlingen arbeitet laut eines Sprechers seit vielen Jahren mit professionellen Schädlingsbekämpfern zusammen, die "ausschließlich Köderboxen" einsetzen. Ganz auf Gift verzichten können sie aber noch nicht.
Die Stadtentwässerung Freudenstadt hat die Rattenbekämpfung in der Kanalisation an einen neuen Dienstleister vergeben. Es wurden auch dort Köderboxen angeschafft. Wegen der Kontrollen der Boxen geht die Stadt von höheren Kosten aus als bisher, heißt es in einer Mitteilung.
Die Kommunen blicken insgesamt aber positiv auf die Neuregelungen. Sie fühlen sich gut vorbereitet und sehen einen Mehrwert für den Umweltschutz. Für den Bürgermeister von Eningen unter Achalm, Eric Sindek, ist zentral: "Medikamentenrückstände, Giftrückstände, das müssen wir alles bekämpfen. Trinkwasser ist unsere wichtigste Ressource."