Der SWR hat eine fünfteilige Podcastreihe über Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (parteilos) produziert. Seit Mitternacht ist der Podcast in der ARD Audiothek abrufbar. Bei einem "Prelistening" in einer Bar am Tübinger Marktplatz mussten die Zuhörerinnen und Zuhörer allerdings mit einem Pappaufsteller von Palmer vorlieb nehmen. Der OB sagte kurzfristig wegen Krankheit ab.
Podcast "Stunk": Palmers "Sternstunden" und "Shitstorm"-Provokationen
Im Podcast mit vielen Sounds und Gesprächspartnern schauen die Autorinnen und Hosts Sandra Kolnik und Alexandra Müller Palmers "Sternstunden" genauer an wie beispielsweise seinen pragmatischen Umgang mit der Corona-Krise. Aber auch die umstrittenen und provokanten Auftritte des Oberbürgermeisters - im Netz und live im Fernsehen oder bei Veranstaltungen - sind Thema. Sie sorgen immer wieder für "Shitstorms" gegen den Ex-Grünen.
Die Kritik an Palmers Äußerungen kennt Rezzo Schlauch, ehemaliger Grünen-Politiker, Rechtsanwalt und langjähriger Freund des Tübinger OB, nur zu gut. Er ist einer der Gesprächspartner im Podcast und hat Palmer schon oft dazu geraten hat, doch endlich mit seinem Aktivismus auf Facebook aufzuhören. Allerdings könne man genauso gut gegen eine Wand reden, wenn man Palmer beraten wolle, sagte Schlauch am Mittwochabend.
Geschichten über Boris Palmer wie die von Rezzo Schlauch haben die Zuhörerinnen und Zuhörer neugierig auf den Podcast gemacht:
"Pipi im Park": Wenn Palmer zum Sheriff wird
Im Podcast wird der Moment thematisiert, in dem Palmer durch den Botanischen Garten in Tübingen läuft und jemanden zurechtweist, der gerade ins Gebüsch pinkelt. Da erlebt man Palmer als "Sheriff". Der Podcast will aber auch zeigen, sagen die Macherinnen Sandra Kolnik und Alexandra Müller, dass zwar immer die prägnanten Aussagen von Boris Palmer hängenbleiben, aber oft deutlich Vielschichtigeres dahintersteckt.
Zwei Jahre Arbeit an SWR-Podcast über Tübinger OB
Der Podcast beleuchtet auch die Rolle der Medien im Umgang mit Palmer. Knapp zwei Jahre haben die beiden SWR-Autorinnen mit einem Team an der Reihe gearbeitet. Sie haben etliche Gespräche geführt, Stunden an Archivmaterial angehört und an der Dramaturgie gefeilt. Geträumt hätten sie von Palmer dabei "glücklicherweise" nie, sagten sie beim Prelistening.
Für Sandra Kolnik war es spannend, zum ersten Mal "in echt" zu sehen und zu erleben, wie Menschen auf Ausschnitte des Podcasts reagieren: "Ich war wahnsinnig froh, als ich Lacher gehört habe, weil ich gemerkt habe: Das funktioniert, wie wir uns das vorgestellt haben."