Eine etwas andere Form des Teambuildings bietet seit Kurzem das Freilichtmuseum Neuhausen ob Eck. Museumspädagogen nehmen Gruppen aller Art mit auf eine Zeitreise ins Jahr 1888. Inklusive aller Herausforderungen, die das Leben im 19. Jahrhundert so mit sich brachte.
Getestet hat das eine Herrenberger Arztpraxis. Jedes Jahr versuche man eine neue Idee für den Betriebausflug zu finden, so Kinderarzt Walter Hölle. Stadtführungen seien schon dabei gewesen oder Go-Kart fahren. In diesem Jahr habe er etwas anderes ausprobieren wollen.
Leben und arbeiten wie im Jahr 1888 in Neuhausen ob Eck
Plötzlich befinden sich die drei Kinderärzte und ihre Mitarbeiterinnen im Jahr 1888 auf dem Hof des Bauern Josef Schöfele. Der ist verheiratet, hat zahlreiche Kinder und lebt mit Frau, Schwiegereltern, Knechten und Mägden auf seinem Bauernhof.
Zunächst werden die Rollen in der zwölfköpfigen Truppe verteilt. Wer ist Bauer? Wer Altbäuerin und wer der Knecht? Klar, dass der Bauer auf dem Hof das Sagen hat. "Die Rollen werden ausgelost", sagt Museumspädagogin Sibylle Laufer. "Zumindest theoretisch. Ich achte natürlich ein bisschen darauf, dass der Chef nicht unbedingt der Bauer wird", fügt sie augenzwinkernd hinzu.
Jeder bekommt eine Rolle
Und so kommt es, dass heute mal Anke Kulik das Sagen hat. Sie ist eigentlich schon Rentnerin und hilft nur noch Teilzeit in der Praxis aus. Für einen Tag nimmt sie nun die Rolle des Bauern Josef Schöfele ein. Damit ist sie der Boss der Truppe. Die Kinderärzte hingegen müssen sich mit den Rollen von Knecht, Magd und Altbäuerin zufrieden geben.
Als Erstes müssen die Kartoffeln geerntet werden. Nicht alle Praxis-Mitarbeiterinnen sind sich sicher, was nun eigentlich Kartoffeln sind und was Unkraut. Der Bauer ruft direkt zur Ordnung: "Schwäzet nicht so viel! Schaffet lieber!"
Dann geht es ans Getreide dreschen. Eine schweißtreibende Angelegenheit. Schließlich musste das im Jahr 1888 noch in stundenlanger Arbeit mit dem Dreschpflegel gemacht werden.
Die Kinderärzte Walter Hölle und Matthias Pfeiffer kümmern sich währenddessen in der kleinen Küche des Bauernhauses um das Mittagessen. Als Magd und Altbäuerin gehört das heute zu ihren Aufgaben. Traurig sind sie nicht, dass ihnen das Dreschen erspart bleibt. "Ich hoffe die Männer schaffen ordentlich auf dem Feld", witzelt Matthias Pfeiffer, alias Magd Rosa.
Für das Mittagessen bleibt nicht viel Zeit. Schließlich soll am Nachmittag noch ordentlich geschafft werden. Eine Fachwerkmauer muss ausgebessert und das Dach gedeckt werden. Alle staunen, wie aufwändig Handwerk früher war. Alle müssen mit anpacken. Trotzdem wird viel gelacht.
Zur Kaffeepause gegen 15 Uhr ist Bauer Josef fix und fertig. Nicht nur vom Arbeiten. "Die körperliche Arbeit ist wahnsinnig anstrengend. Spaß macht es trotzdem. Aber den ganzen Tag Chef zu sein - das ist wirklich nicht so meins.", sagt Anke Kulik und wischt sich den Schweiß von der Stirn.
Gutes Miteinander beim Teambuilding genauso wichtig
Die beiden Kinderärzte naschen derweil von den Apfelküchlein, die in der Pfanne bruzeln. Sie freuen sich, dass der Teamtag so gut ankommt. "Aber es ist noch wichtiger, auch im Alltag Wertschätzung auszusprechen", sagt Matthias Pfeiffer. "Sonst reißt man es mit so einem Teambuilding natürlich auch nicht raus."
Am Abend werden sie alle wieder in ihr altes Leben und in ihre gewohnten Rollen zurückkehren. Mit müden Beinen und der einen oder anderen Erkenntnis, die sie heute gewonnen haben.