Im Freilichtmuseum Neuhausen ob Eck (Kreis Tuttlingen) haben zwei Museumsmitarbeiterinnen geheimnisvolle Päckchen gefunden. Fest verschlossen und schon ziemlich vergilbt. Sehr wahrscheinlich: Feldpost aus dem Jahr 1942. Diese Woche war es endlich soweit: Die Päckchen wurden geöffnet.
Eigentlich sollten Silvia Speichinger und Petra Korherr nur für Ordnung im alten Kaufhaus Pfeiffer auf dem Museumsgelände sorgen. Bis 1995 war das Kaufhaus noch in Betrieb - damals, als das Gebäude noch in Stetten am kalten Markt stand. Über 600 Kartons voll mit Hinterlassenschaften des alten Kaufmanns gilt es jetzt zu öffnen, zu sortieren und zu katalogisieren.
Dass beim Öffnen der Kartons viele skurrile Dinge zum Vorschein kommen, sind die beiden Frauen schon gewohnt. Ob Jahrzehnte alte Kaugummis, Stoffwindeln, Stifte oder Hitler-Portraits - im Lager des damals größten Warenhauses der Region haben die beiden schon so Einiges gefunden. Bis den beiden fünf verschlossene Päckchen in die Hände fielen. Stark vergilbt und staubig: zwei normale Pakete und drei Feldpost-Päckchen. Alle von 1942, also ungeöffnet seit 83 Jahren. Was haben die Soldaten damals von der Front an ihre Liebsten geschickt?
Geheimnisvolle Päckchen: Post eines verliebten Soldaten?
"Der erste Gedanke natürlich: normale Feldpost-Briefe", sagt Museumsleiter Jochen Schicht, den seine beiden Mitarbeiterinnen sofort über ihren Fund informierten. Also vielleicht Liebesbriefe eines Soldaten? "Kann nicht sein", sagt Finderin Silvia Speichinger und lächelt schelmisch.
Ich habe das Päckchen heimlich schon mal geschüttelt. Da muss was Flüssiges drin sein!
Die Päckchen sind gar nicht so leicht zu öffnen
Der Chef und seine Mitarbeiterinnen beschließen, gemeinsam die Päckchen zu öffnen. Die normalen Päckchen bergen eine Überraschung: keine Briefe, keine Bilder oder Dokumente. Nein - Osterdekoration ist drin! Bunte Holzhasen und farbig geschnitzte Ostereier. Adressiert an den damaligen Inhaber des Kaufhauses. Vermutlich also Ware, die dann zum Verkauf gedacht war.
Und jetzt ist die Feldpost dran. Leichter gesagt als getan. Die Verpackung der Feldpost ist zwar porös, der Inhalt dagegen sehr robust: Konservendosen! Leicht angerostet, aber immer noch stabil genug, um einem heutigen Dosenöffner zu widerstehen. Die Drei kommen mit dem Öffnen nicht weiter.
Konserven aus Omas Zeiten
Ihr Ehrgeiz ist geweckt. Jetzt wollen sie natürlich auch wissen, was in den Konservendosen ist. Was war 1942 so kostbar, dass die Soldaten es von der Front in die Heimat schickten? Russischer Kaviar? Französische Köstlichkeiten? Mit einem Dosenöffner kommen sie nicht weiter. Erfindergeist ist gefragt. Silvia Speichinger holt einen großen Schraubenzieher. Sie setzt entschlossen an und schlägt mit einem stabilen Kerzenhalter auf den Schraubenzieher. Nach ein paar Schlägen ist ein Loch in der alten Dose. Dann noch eins.
Die beiden Museumsmitarbeiterinnen gießen den Inhalt der Dose in ein großes Glas. Braune Brühe fließt heraus. Und dann kommt - nichts mehr. Der Geruchstest zeigt: Es muss sich um Rinderbrühe handeln. Klare Rinderbrühe ohne Einlage. Und anscheinend 1942 - also mitten im Krieg - so wertvoll, dass ein Soldat sie von der Front nach Hause geschickt hat.
Inhalt der Päckchen bekommt Platz im Museum
Spätestens hier müssen alle kräftig lachen. Die ganze Aufregung für ein paar Häschen und 83 Jahre alte Brühe. Kosten möchte die natürlich niemand mehr. Einen Platz im Museum werden die alten Konserven aber trotzdem bekommen - die Rinderbrühe auch.