Die Frauengymnastikgruppe des Turn- und Sportvereins Honau feiert ihr 50-jähriges Bestehen. Wöchentlich treffen sich rund 15 Frauen in Lichtenstein-Honau (Kreis Reutlingen) zum gemeinsamen Sport, trotz hohen Alters. Leiterin Iris Feus motiviert die Damen bis heute zu Bewegung und Miteinander.
Turnen hält die Seniorinnen aus Lichtenstein-Honau jung
Wer glaubt, dass es bei den älteren Damen des TuS Honau ruhig zugeht, liegt gründlich daneben. Wenn Margret, Iris und Co in der Umkleidekabine aufeinandertreffen, wird es laut und herzlich. Bevor das eigentliche Training beginnt, kommen hier vor allem die Lachmuskeln zum Einsatz.
"Nein, das ist aber nicht für alle Ohren gedacht", sagt Gabriele Frank. Gerade steckt sie mit ihrer Sitznachbarin die Köpfe zusammen. Sekunden später füllt schallendes Gelächter den Raum. Was in der Kabine besprochen wird, bleibt in der Gruppe, das ist ungeschriebenes Gesetz.
Die meisten Frauen sind zwischen 70 und 85 Jahre alt. Nur Gabriele Frank nimmt es mit der Zahl nicht so genau: "Ich bin 37 - man muss die Ziffern eben nur richtig herum lesen“, sagt sie schmunzelnd.
Die Ältesten sind zwischen 90 und 99
In der Mitte der Umkleide sitzen Margret Dreier (90) und Friedel Reiff (99). Beide sind heute als Ehrengäste dabei, längst im sportlichen Ruhestand, aber mit ungebrochener Lebensfreude. "Da würden sich alle kaputtlachen", sagt Friedel, worauf Margret neugierig nachfragt: "Über was denn?" - "Na, wenn wir beide hier noch mitmachen würden!" Die beiden lachen, und Margret fügt hinzu: "Ich würd ja so gern noch dabei sein. Das war immer so schön. Vor allem die Feierei danach!"
Und gefeiert wird natürlich auch heute - aber erst nach dem Pflichtprogramm, dem Training in der Turnhalle.
Seit 50 Jahren aktiv: Die Frauengymnastikgruppe des TuS Honau
Leiterin Iris Feus, selbst 69 Jahre alt, führt die Gruppe mit ruhiger Stimme und viel Herzblut an. Beim Aufwärmen wird durch die Halle gelaufen, noch ohne Klagen. Doch bei den Tanzübungen zur Musik ist volle Konzentration gefragt. Die Hände, Beine und Kopf müssen im gleichen Takt bleiben.
"Man muss denken und sich gleichzeitig bewegen. Das ist manchmal gar nicht so einfach", sagt eine der Damen lachend. Die 70-jährige Inge Liebermann spürt den Muskelkater oft erst zwei Tage später, aber ihre Hüfte schwingt locker: "50 Jahre Sport, das zahlt sich eben aus."
Tatsächlich feiert die Gruppe dieses Jahr ihr goldenes Jubiläum. 1975 gründete Iris Feus die Frauengymnastik im TuS Honau. Damals gab es im Verein nur Männerturngruppen. Viele sind seit Jahrzehnten dabei, haben gemeinsam Höhen und Tiefen erlebt. "Seit 1975 hat Iris so gut wie nie gefehlt", sagt Inge Liebermann. Iris winkt ab: "Ich war schon auch mal krank oder habe zwei Kinder gekriegt, da war ich mal kurz weg", erzählt sie lachend.
Freundschaft, Reisen und Fasching beim Seniorinnensport
Ob Ausflüge nach Österreich, Luxemburg oder sogar Dubai. Die Gruppe hat gemeinsam viel erlebt. Der alljährliche Höhepunkt: die legendären Faschingsparties mit lautem "Tätä-tätä" im Reisebus, verkleidet als Erdbeeren oder im Nachthemd. Margret erinnert sich gerne daran und wippt mit dem Fuß im Takt, während sie mit den beiden ältesten Damen am Hallenrand sitzt und zuschaut.
Bewegung bis ins hohe Alter
"Beweglich bleiben ist im Alter das Wichtigste“, sagt Iris und leitet die nächsten Übungen an. Balancieren, Gleichgewicht, kleine Spiele mit Matten und Bällen: Das Trainingesprogramm ist abwechslungsreich. Zum Schluss kommt der "Tibeter“ dran, eine anspruchsvolle Yoga-Übung ähnlich dem Liegestütz, bei der Bauch und Rumpf dauerhaft oben bleiben.
Nach einer Stunde ist allen die Anstrengung anzusehen. Aber die Stimmung bleibt gelöst. Jetzt heißt es: Ab in die Vereinskneipe, wie nach jedem Training! Dort klingt der Abend mit Lachen, Gesprächen und alten Geschichten aus. So, wie es bei den Damen des TuS Honau seit 50 Jahren Tradition ist.