An Ostern bringt der Osterhase Eier - vorzugsweise aus Schokolade und für Kinder die brav waren. So oder so ähnlich geht die Geschichte. Doch sie ging nicht immer so, erzählt Kulturwissenschaftlerin Karin Bürkert aus Tübingen. Denn noch in den 1930er Jahren hatten auch andere Tiere Eier im Gepäck: Der Fuchs, der Hahn oder der Kuckuck!
Ostereier vom Fuchs statt vom Hasen
Bürkert verweist auf eine Befragung von 1932, deren Ergebnis im "Atlas der deutschen Volkskunde" abgebildet ist. Dort findet sich eine Karte, auf der zu sehen ist, welche Tiere nach Ansicht von Kindern in verschiedenen Regionen Deutschlands die Ostereier bringen. Im südlichen Bayern und in Thüringen war das damals eindeutig der Hahn. Im Teutoburger Wald war es der Fuchs. Und in der Schweiz brachte der Kuckuck die Eier, lacht die Kulturwissenschaftlerin.
Warum heute der Hase die Eier bringt
Den Sieg über die anderen Tiere dürfte der Hase vor allem aus einem Grund davon getragen haben: In den 1920er Jahren erschien das Buch "Die Häschenschule", das extrem bekannt wurde, so Karin Bürkert. Es wurde gern in der Osterzeit vorgelesen. Und im Buch werden unter anderem Ostereier von Hasen bemalt. Als dann in den 1950er Jahren auch noch die Schokoindustrie den Hasen zum Oster-Tier ausgewählt habe, war klar, wer das Monopol auf die Ostereier hat.
Endlich bin ich ein Osterhase geworden!
Am Sonntag bringt der Osterhase dann hoffentlich allen Kindern ein paar bunte Eier. In Tübingen konnte es wohl jemand nicht abwarten: Schon am Donnerstag hoppelten zwei menschengroße Osterhasen durch die Innenstadt und verteilten bemalte Hühnereier. Die Osterhasen sind wohl bei der Stadt angestellt. Einer der beiden heißt mit bürgerlichem Namen Uwe Uhlig. Ein Osterhase zu sein, war schon sein Kindheitstraum. "Ich werde heute Abend so selig in mein Bett gehen, weil endlich bin ich ein Osterhase geworden", freut sich Uhlig.