Der Windpark Rammert soll die Energieversorgung im Landkreis Tübingen absichern, er ist einer der größten geplanten Windparks in der Region Neckar-Alb. Noch befindet er sich in der Planungsphase, doch die nähert sich langsam dem Ende zu. Anfang 2027 sollen alle Genehmigungen vorliegen und dann könnte der Bau beginnen.
Geplant ist, dass der Park im Frühjahr 2028 in Betrieb geht und zwischen 100 und 120 Millionen Euro kosten wird.
Vertragsunterzeichnung in Dußlingen
Am Donnerstagnachmittag trafen sich Vertreter der Stadtwerke Tübingen und der Dußlinger Bürgermeister Thomas Hölsch (parteilos) zur Unterzeichnung des Gestaltungs- und Kooperationsvertrags. Darin ist unter anderem festgelegt, dass die Gemeinde Dußlingen sich finanziell an dem Projekt beteiligt, und dass die Stadtwerke Tübingen die vereinbarten Grundstücke nutzen darf.
Für Bürgermeister Hölsch ist der Vertrag eine Win-win-Situation. Seine Gemeinde könne von den Erträgen des Windparks profitieren, außerdem seien erneuerbare Energien zukunftsträchtig. Auch die regionale Wirtschaft soll von dem Windpark profitieren, da viele heimische Unternehmen an dem Bau mitarbeiten können. Seiner Einschätzung nach ist die Resonanz in der Bevölkerung auch überwiegend positiv.
Wichtige Gutachten stehen noch aus
Allerdings stehen noch einige wichtige Gutachten aus, die dem Windpark noch Steine in den Weg legen könnten. Das Wichtigste dabei: die Windmessung. Der Rammert gilt eigentlich als ein recht laues Gebiet, ohne starken Wind. Die Anlagen kommen zwar am Ende auf eine stattliche Höhe von rund 250 Metern, trotzdem ist noch unklar, ob der Wind nicht trotzdem zu schwach ist. Sollte das Gutachten also eine zu geringe Windhöffigkeit nachweisen, könnten die Pläne im Rammert verworfen werden. Hölsch betonte deshalb mehrfach: "Wenn die Anlage nicht wirtschaftlich ist, wird sie auch nicht gebaut."
Auch die Gutachten für die Schall- und Schattenwurfbelastung und die Eignung des Baugrundes sind noch nicht abgeschlossen. Damit sei frühestens ab Ende Oktober zu rechnen. Bis dahin steht auch noch nicht fest, ob die Stadtwerke den Windpark so umsetzen können, wie man sich das gerade vorstellt. Das ist bei neuen Windkraftanlagen aber nichts Ungewöhnliches. Projektleiter Julian Klett von den Stadtwerken meint dazu: "Da ist noch alles möglich. Es kann sein, dass wir 13 Windräder bauen, es kann aber auch sein, dass gar keine gebaut werden können."
Naturschützer reichen Gutachten ein
Doch die Windhöffigkeit ist nicht das einzige Problem im Rammert. Auch der NABU Tübingen hat den Stadtwerken ein eigenes Gutachten über schützenswerte Arten in dem Gebiet zukommen lassen. Demnach würden die Windräder beispielsweise den Lebensraum von Hischkäfern, Fledermäusen und Gelbbauchunken gefährden. Die Stadtwerke Tübingen haben dieses Gutachten nach eigenen Angaben in ihr Gutachten mit aufgenommen. Ergebnisse liegen hier aber noch keine vor.
Bei der Konzeption des Parks habe man sich aber mit den örtlichen Förstern verständigt, um den Eingriff in die Natur möglichst gering zu halten. Außerdem seien die Windräder mit moderner Technik ausgestattet, die das Rad stoppen soll, wenn Vögel oder Fledermäuse sich nähern.
Kritische Stimmen aus Bühl, Kilchberg und Weilheim
Viele Bürgerinnen und Bürger, vor allem in den umliegenden Dörfern Bühl, Kilchberg und Weilheim, sehen den Windpark im Rammert kritisch. Viele der Gegner geben auf SWR-Nachfrage an, dass sie zwar grundsätzlich nicht gegen einen neuen Windpark seien, bei dem spezifischen Projekt gebe es aber noch zu viele Ungereimtheiten. Ein wichtiger Punkt für sie ist auch die Abstandsregelung. Zu Beginn der Planungsphase wurde ein Mindestabstand von tausend Metern zwischen der nächstgelegenen Anlage und den Dörfern versprochen. Mittlerweile sieht das aber anders aus: Im aktuellen Entwurf des Parks liegen zum Beispiel zwischen Weilheim und dem nächsten Windrad gerade einmal 770 Meter. Das ist für viele Anwohner ein Grund zur Sorge. Bis jetzt ist auch noch nicht bekannt, wie laut die Anlagen dann sein werden.