Viel Wolle und eine gute Idee - in einem kleinen Wollladen in Ulm werden Socken für obdachlose Menschen gestrickt. Die ersten Tüten mit bunten Socken wurden bereits in der Weihnachtszeit Menschen auf der Straße gebracht. Jetzt wird weitergestrickt, was das Zeug hält.
Aktion "Warme Füße" - Socken für Obdachlose
Abends im Wollladen von Manuela Seitter in Ulm: Auf dem langen Tisch liegt ein Haufen bunter Wolle. Mehrere Frauen haben ihre Stricknadeln schon rausgeholt. Die eingeschworene Stricktruppe ist seit Sommer dabei, um möglichst viele Socken für Menschen in Not zu stricken.
Manche sind von Anfang an bei der Aktion "Warme Füße" mit von der Partie: "Weil Socken stricken Spaß macht", meint Jasemin aus Biberach. Um dafür zu sorgen, dass Menschen in der Kälte wenigstens warme Füße haben. Hilde aus Ulm nickt mit dem Kopf: "Ich stricke sowieso am liebsten Socken. Als ich von dieser Aktion gehört habe, fand ich die Idee toll und hab' gedacht, 'da mache ich mit'."
Viel Wolle und eine gute Idee: Gemeinsam stricken
Wollladenbesitzerin Manuela hat die Aktion "Warme Füße" zusammen mit einer ihrer Kundinnen ins Leben gerufen. Schon öfter hatte Manuela Menschen frierend auf der Straße in Ulm gesehen und gedacht: "Uns geht's so gut. Es gibt aber so viele Menschen am Rande der Gesellschaft, die keine Chance haben. Warum helfen wir nicht einfach?"
Weil es Obdachlose im Winter besonders schwer haben, war schnell klar: Es sollen Socken sein. "Im Winter kalte Füße sind ganz schlimm", findet Manuela. Außerdem seien sie dann nicht schon von jemandem getragen.
Das Prinzip der Aktion in Ulm – Wolle als Spende
Im kleinen Wollladen im Ulmer Stadtteil Söflingen stapeln sich bunte Wollknäule bis unter die Decke: "Wer bei unserer Aktion 'Warme Füße' mitmacht, kann sich entweder Wolle mitbringen oder hier im Laden kaufen und die Aktion somit zusätzlich unterstützen", erklärt Manuela das Prinzip. Für eine hübsche Verpackung samt einem süßen Gutsle für die Obdachlosen sorgt sie.
Sie selbst sei zwar keine wirkliche Sockenstrickerin: "Ich brauche einfach zu lange", lacht Manuela. Aber bei der Aktion gehe es ja vor allem um den "Spaß und das gemeinsame Stricken." Willkommen seien daher auch alle, die noch Tipps und Tricks beim Socken stricken brauchen.
Uns geht's so gut und es gibt so viele Menschen am Rande der Gesellschaft, die keine Chance haben. Warum helfen wir nicht einfach?
Pia, 23, ist extra aus dem ländlichen Dellmensingen bei Erbach (Alb-Donau-Kreis) in das kleine Geschäft gekommen: "Ich werde wahrscheinlich heute mindestens drei Wollknäule kaufen. Meine Familie diskutiert schon, ob das Stricken eine Sucht ist", scherzt die junge Frau. Sie mache vor allem wegen der Gemeinschaft bei der Aktion mit: "Macht einfach mehr Spaß, wenn man sich austauschen und von den anderen ein bisschen inspirieren lassen kann", findet sie.
Große Größen - Männersocken gefragt
Bereits seit dem vergangenen Sommer wird in Manuelas Wollladen für Menschen gestrickt, die obdachlos sind. Bis zu 15 Strickende treffen sich meist Donnerstagsabends, um gemeinsam Socken zu stricken. Vor allem große Größen und vorwiegend Männersocken, erzählt Manuela: "Auch manchmal die Bündchen oben etwas lockerer. Wir machen auch Socken in Größe 38/39, weil ja auch Frauen unter den Obdachlosen sind."
Ich fand die Idee toll und dachte, ich mache mit.
Wichtig sei bei der Aktion eine gute Qualität der Strümpfe. Dementsprechend hätten diese einen hohen Wollanteil: "Die sollen ja wirklich wärmen und auch etwas aushalten", so Manuela.
Socken an Obdachlose verteilt: "Möglichst direkt helfen”
Der erste Schwung fertige Socken ist bereits um die Weihnachtszeit direkt an obdachlose Menschen in Ulm und in der Nähe verteilt worden, so Manuela. Und zwar über den Kältebus des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Ulm, dessen Team im direkten Kontakt mit den betroffenen Menschen stehe. Manuela selbst habe die Socken zum DRK-Heim gebracht - dort startet der Kältebus seine Tour: "Mir ist wichtig, dass wir direkt und unkompliziert helfen können."
Aktion in Ulm zieht Kreise – Strickende von überall dabei
An Strickenden fehle es nicht, freut sich Manuela, die ihren Wollladen schon über 40 Jahre hat. Die Aktion "Warme Füße" habe sich schnell herumgesprochen. Sogar Strickbegeisterte aus Stuttgart, München und dem Odenwald strickten inzwischen über die Ferne mit.
Was sie besonders freut - die Aktion habe Unterstützung quer durch die Generationen: "Es kam ein altes Ehepaar, die waren schon vor 20 Jahren bei mir Kunden, haben sich mit dem Rollator hierher geschleppt. Und sagten, sie würden gleich Wolle für die Aktion mitnehmen. Es haben einfach alle ganz viel Lust mitzumachen."