"Am Anfang habe ich mich geschämt, da war es 'ne Überwindung, hier Futter für die Tiere zu holen. Aber es ist einfach eine Notwendigkeit. Sonst kriege ich die Tiere nicht über die Runde." Es ist die blanke Ehrlichkeit, die aus dem Mund von Bernhard Suthoff kommt. Der 65-Jährige steht vor der Pfotenhilfe in Kaiserslautern - einer Tafel für Tierbesitzerinnen und -besitzer, die ohne Hilfe ihre Hunde und Katzen nicht ausreichend ernähren können.
Drei Tiere, trotz Armut
Suthoff lebt in der Nähe von Rockenhausen von einer geringen Rente - weniger als 900 Euro, sagt er. Wie es dazu kam, fasst er trocken und schnell zusammen: Mehrere schwere Erkrankungen und 15 Jahre Pflege seines Vaters hätten zwar verschiedene Jobs, aber kein durchgehendes Arbeitsleben ermöglicht. Jetzt sei er auf fremde Hilfe angewiesen, vor allem um seine Tiere, zwei Katzen und seinen Hund Rex, durchzubringen.
Die Tiere sind seine Familie
Leuten, die fragten, warum er ein Tier habe, wenn er sich das nicht oder nur schwer leisten könne, entgegnet er: "Ich habe ja nicht gesagt, jetzt hole ich mir ein Tier und dann gehe ich auf die Tafel. Die waren vorher schon da." Suthoff ist geschieden, hat keine Kinder. Seine Tiere, vor allem Rex, sind seine Familie. "Der merkt, wenn es mir nicht gut geht seelisch, oder wenn ich krank bin. Dann kommt er und versucht mich zu trösten", lächelt Suthoff.
Der merkt, wenn es mir nicht gut geht seelisch, oder wenn ich krank bin. Dann kommt er und versucht mich zu trösten.
Seinen Hund abzugeben ist für ihn ebenso wenig eine Option wie für all die anderen Menschen, die an diesem Donnerstagnachmittag von der kalten Januarsonne in den warmen Raum der Pfotenhilfe hineinkommen.
Hilfe der Tiertafel nur bei Nachweis der Bedürftigkeit
Seit 2014 gibt es die Tiertafel. Seitdem ist der Zulauf extrem gestiegen, berichtet Birgit Maier. Laut der ersten Vorsitzenden des Vereins kamen anfangs noch circa 30 Menschen. Mittlerweile seien es bis zu 75 - Seniorinnen mit kleiner Rente, arbeitsunfähige junge Menschen, Flüchtlinge aus der Ukraine. Wer hierher kommt und um Hilfe bittet, muss seine Bedürftigkeit nachweisen, wie bei einer Tafel, die Menschen versorgt.
"Tierwohl, das ist unsere Aufgabe" bei der Tiertafel
Spricht man mit Maier, macht sie schnell klar: Ihr Blick gilt den Tieren, weniger den Menschen, die sie begleiten: "Tierwohl, das ist unsere Aufgabe." Das fange bei ausreichend artgerechtem Futter an und reiche bis zu einem Zuschuss für hohe Tierarztkosten. "Wir haben ein Kontrollsystem. Die Leute müssen ihre Hunde regelmäßig hier vorstellen", macht sie klar.
Forderung nach staatlicher Unterstützung für Tiertafeln
Tiere, die schon vor der Armut bei den Menschen waren, werden unterstützt, aber keine Neuanschaffungen. "Das wäre ein Fass ohne Boden. Das würde sich rumsprechen und jeder würde sich einen Hund holen. Da müssen wir einen Riegel vorschieben", sagt Maier mit harter Stimme.
Denn locker sitzt das Geld bei der Tiertafel in Kaiserslautern nicht. Der Verein finanziert sich über Spenden. Mehr als 10.000 Euro wurden im vergangenen Jahr allein für Futter ausgegeben, fast ebenso viel für Tierarztkosten. Dazu kommt noch die Miete. Die Forderung des Tierheims Landau, dass die Politik die Tiertafeln unterstützt, findet Maier daher eine "prima Idee" und schlägt sofort eine staatliche Pflicht zur Katzenkastration vor.
Tierärztin: Viele kommen erst, wenn es den Tieren schlecht geht
Einen etwas größeren "Katzensprung" von der Pfotenhilfe entfernt liegt die Praxis von Tierärztin Christine Scotland. Dass bei einigen Tierbesitzerinnen und -besitzern das Geld knapper wird, merkt auch sie: Die Leute ließen Kontrolluntersuchungen aus, warteten, wenn ein Tier krank sei, ab oder versuchten, es selbst zu behandeln.
Da denke sie sich oft: "Leute, warum seid ihr nicht schon früher gekommen. Da hätte man schon so viel mehr machen können. Vielleicht hätte man den Tieren besser helfen können."
Manchmal bleibt nur die Möglichkeit, das Tier zu erlösen.
Im günstigsten Fall, sagen ihr die Menschen, dass sie nicht viel Geld haben, erzählt Scotland. Mit denen redet sie dann darüber, "was ist das Minimum, das vielleicht gemacht werden muss und was sollte eigentlich getan werden. Und dann versucht man eine Lösung zu finden. Manchmal bleibt aber auch nur die Möglichkeit, das Tier zu erlösen."
Folgen der neuen Gebührenordnung Tierarztkosten - wenn die Hunde-OP Gehalt oder Rente auffrisst
Wer einen Hund oder eine Katze als Haustier hält, kennt das Problem: Die Kosten für den Tierarzt sind deutlich gestiegen. Für Menschen mit geringem Einkommen kann das kritisch werden.
Tierarztkosten für viele "ein Fass ohne Boden"
Die Tierärztin weiß: "Es gibt die einen, die ihren letzten Cent für ihr Tier ausgeben, aber selbst das reicht manchmal nicht." Es gebe einfach Posten, die extrem teuer seien, etwa "wenn man die Zähne in Ordnung bringen will oder eine Operation wegen eines Tumors. Das kostet schon im Vorfeld Geld für Blutuntersuchungen, für Röntgenaufnahmen, und selbst die sind für die Leute oft nicht zu stemmen."
Weil bei Operationen vorab nicht klar sei, ob es zu Komplikationen komme, es danach Wundheilungsstörungen gebe oder weitere Therapien notwendig seien, sei das "für manche Leute ein Fass ohne Boden und die haben schon kein Geld, eine Blutuntersuchung zu machen."
Solche Menschen, denen das kranke Haustier alles bedeutet, zu begleiten ist für Scotland und ihr Praxisteam keine leichte Aufgabe. Ab und an werde es aber leichter, nämlich dann, wenn eine finanzielle Unterstützung durch die Pfotenhilfe möglich sei, mit der eine Behandlung unterstützt oder auch nur eine Diagnostik bezahlt werden kann.