Vor dem Amtsgericht Ulm hat am Montag der Prozess gegen einen pro-palästinensischen Aktivisten aus Langenau (Alb-Donau-Kreis) wegen Nachstellung begonnen. Dem Mann wird unter anderem vorgeworfen, dem Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde in Langenau wiederholt aufgelauert zu haben. Der Angeklagte bestreitet die Vorwürfe.
Prozess am Amtsgericht Ulm: Eine lange Liste an Vorwürfen
Seit Montagmorgen sitzt vor dem Amtsgericht Ulm ein 76-Jähriger auf der Anklagebank. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Pro-Palästina-Aktivisten vor, den Pfarrer der Martinskirche in Langenau über Monate hinweg immer wieder angefeindet und eingeschüchtert zu haben. Minutenlang trägt der Staatsanwalt die Anklageschrift vor. Darin sind etliche mutmaßliche Taten beschrieben.
So soll der Rentner mehrfach spät abends oder nachts mit einer Taschenlampe ins Wohnhaus des Pfarrers geleuchtet und dessen Familie mit lautem Rufen gestört haben. In mehreren Fällen soll er dem Geschädigten auf der Straße oder mit dem Auto aufgelauert und ihn beleidigt haben. Ein weiterer Vorwurf: Der 76-Jährige soll Fotos und Videos vom Anwesen des Pfarrers gemacht und mit seinem Auto dessen Einfahrt versperrt haben.
Von Störern angepöbelt und bedrängt Anti-Israel-Proteste vor Kirche in Langenau: Psychoterror gegen Pfarrer
Pfarrer Ralf Sedlak aus Langenau wehrt sich seit Monaten gegen Störer, die ihn und seine Gemeinde belästigen. Und alles nur, weil er der Hamas-Opfer in Israel gedenken wollte.
Laut Staatsanwaltschaft hat der Mann den Pfarrer über einen langen Zeitraum in der Öffentlichkeit und in dessen privatem Umfeld einschüchtern wollen. Dabei habe er auch die Frau und die Kinder des Pfarrers belästigt. Deren Alltag sei dadurch beeinträchtigt worden.
Angeklagter weist Vorwürfe zurück
Der Angeklagte weist alle Vorwürfe zurück. Er positioniere sich lediglich gegen die Institution der evangelischen Kirche Langenau, wie sein Verteidiger am Montag erklärte. Gegen den Pfarrer persönlich habe er nichts. Auch die ihm vorgeworfenen Belästigungen zu später Stunde und das Nachstellen am Wohnhaus bestreitet er.
Dass er regelmäßig am Haus des Pfarrers vorbei läuft, bestreitet der Angeklagte nicht. Seit Jahren führe sein Weg mit den Hunden durch die Straße an dem Anwesen vorbei. Fotos habe er dort nicht gemacht. Bewusst aufgelauert habe er dem Pfarrer auch nie, die Begegnungen seien immer zufällig gewesen.
Seit zwei Jahren Proteste in Langenau
Seit rund zwei Jahren protestieren immer wieder pro-palästinensische Aktivisten vor der Langenauer Martinskirche. Die Kundgebungen richten sich gegen die evangelische Kirchengemeinde und deren Pfarrer. Der 76-jährige Angeklagte ist einer der Initiatoren der Proteste. Als Auslöser für die Anfeindungen gilt ein Vorfall aus dem Oktober 2023. Damals hatte der Mann während eines Gottesdienstes das Gedenken an die Terroropfer der Hamas in Israel gestört.
Der Prozess vor dem Amtsgericht soll Anfang Mai fortgesetzt werden. Dann kommen auch Zeugen zu Wort. Insgesamt sind vier Verhandlungstage geplant.