Nach angekündigtem Stellenabbau

Bosch-Mitarbeiter aus Schwäbisch Gmünd: "Ich kämpfe ums nackte Überleben"

Stehe ich bald ohne Job da? Diese Frage stellt sich Leon Zeller, Azubi bei Bosch in Schwäbisch Gmünd. Seine Familie und er bangen um ihre Zukunft. Die Stimmung ist am Tiefpunkt.

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Von Autor/in Martin Miecznik, Christina Scherer

"Ich, mein Bruder und mein Vater, wir arbeiten alle drei bei Bosch, mein Bruder jetzt im zweiten Ausbildungsjahr zum Industriemechaniker, und mein Vater als Schichtführer in der Produktion“, sagt Leon Zeller. Alle drei bangen in diesen Tagen um ihre Jobs. Dabei wollten sie doch für immer bleiben.

Fast 2.000 Stellen fallen in Schwäbisch Gmünd weg

In Schwäbisch Gmünd sollen fast 2.000 Stellen wegfallen, das ist seit fast einem Jahr bekannt. Die jüngsten Nachrichten über den Abbau von 13.000 weiteren Jobs sind für die Zellers ein neuer Schlag in die Magengrube. Die alten Zeiten, in denen sich ein Job bei Bosch wie eine lebenslängliche Arbeitsplatz-Versicherung angefühlt hat, sind vorbei.

Es ist eine bedrückende Stimmung, viele sind niedergeschlagen.

Die ganze Familie bei Bosch: Lena, Michael, Milo und Leon Zeller (v.l.n.r) aus Schwäbisch Gmünd.
Die ganze Familie bei Bosch: Lena, Michael, Milo und Leon Zeller (v.l.n.r) aus Schwäbisch Gmünd.

80 Prozent der Azubis sollten garantiert übernommen werden

Sein ganzes Berufsleben bei Bosch arbeiten, so hatte sich das auch Leon Zeller vorgestellt. "Zu Beginn meiner Ausbildung hieß es noch, 80 Prozent der Azubis würden in unbefristete Arbeitsverträge übernommen werden", berichtet der 26-Jährige. Inzwischen sei die Garantie weg: "seit meinem Ausbildungsjahrgang".

Seit fast einem Jahr mahnen die Bosch-Mitarbeiter mit Holzkreuzen und Schildern. Der jüngst angekündigte Abbau von 13.000 Arbeitsplätzen bei Bosch löst auch am Standort Schwäbisch Gmünd neue Sorgen aus.
Seit fast einem Jahr mahnen die Bosch-Mitarbeiter mit Holzkreuzen und Schildern. Der jüngst angekündigte Abbau von 13.000 Arbeitsplätzen bei Bosch löst auch am Standort Schwäbisch Gmünd neue Sorgen aus.

Bis zur Rente bei Bosch arbeiten - vielleicht aus der Traum

Dabei war er davon überzeugt, dass er bis zur Rente bleiben würde. Stattdessen hängen er, sein Bruder und sein Vater jetzt in der Luft. Wissen nicht, wie es weitergeht.

Letzter Hoffnungsschimmer verloren.

Die Jüngeren hätten bisher noch einen Hoffnungsschimmer gehabt, darauf spekuliert, vielleicht an einem der anderen Bosch-Standorte unterzukommen, wenn es in Schwäbisch-Gmünd nicht gut für sie ausgehen sollte. Doch als Ende September der Stellenkahlschlag gerade in nahegelegenen Werken wie Stuttgart-Feuerbach bekannt wurde, habe man auch den verloren.

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Ausbildung bei Bosch in Schwäbisch-Gmünd gesichert

Eine gute Nachricht gibt es trotzdem für Leon, seinen Bruder und alle anderen Azubis bei Bosch in Schwäbisch-Gmünd: Ihre Ausbildung können sie in jedem Fall dort abschließen. Betriebsrat Andreas Reimer und seine Kollegen haben sich dafür verfochten.

Der angekündigte Abbau von 13.000 Arbeitsplätzen bei Bosch löst auch am Standort Schwäbisch Gmünd neue Sorgen aus.
Der angekündigte Abbau von 13.000 Arbeitsplätzen bei Bosch löst auch am Standort Schwäbisch Gmünd neue Sorgen aus.

Wir haben erreicht, dass die Ausbildung hier in Gmünd bleibt.

"Wir konnten erreichen, dass die Ausbildung bleibt", sagt der 48-Jährige. Das verbuche er als Erfolg in einem Kampf, der ansonsten leider ziemlich aussichtslos sei, gesteht er ein. "Wenn man einen Kampf kämpft, muss ich auch wissen, wohin die Reise gehen soll", sagt er deprimiert.

Viele aus der LKW-Sparte wissen, dass sie ihren Job bis Ende 2027 verlieren werden.

Es sei herzzerreißend, was er als Betriebsrat in Vier-Augen-Gesprächen erleben müsse. Er ist seit 32 Jahren bei Bosch. Er habe, wie Leon Zeller, erlebt, "in einer Familie zu arbeiten", wie er es nennt. Mit Unterstützung der Kollegen von allen Seiten. Damit sei Schluss.

Bosch kommt auch zu Hause auf den Tisch - und verdirbt den Appetit

Bei Leon Zeller zu Hause ist klar, dass Bosch auch die Stimmung am Tisch der Familie drückt, den Appetit verdirbt und dann natürlich auf den Magen schlägt: "Klar, wenn drei von fünf Familienmitglieder bei Bosch arbeiten", meint Leon Zeller. Aber in letzter Zeit gebe es leider immer mehr Tage, an denen man nicht um das Thema herumkommt.

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Martin Miecznik
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