Weitere 13.000 Stellen in Deutschland will der kriselnde Automobilzulieferer Bosch aus Gerlingen (Kreis Ludwigsburg) in den nächsten Jahren abbauen. Rund die Hälfte betreffen die Standorte in der Region. In einer SWR-Umfrage in Stuttgart-Feuerbach ist die Bestürzung spürbar. "Das ist schon heftig. Man weiß nicht, wie es mit Bosch weitergeht", erzählt eine Passantin. Eine andere ergänzt: "Das ist immer das einfachste, Menschen zu entlassen."
Auch die betroffenen Kommunen reagieren erschüttert. Sie hoffen auf Lösungen für die Beschäftigten.
Stadt Stuttgart hofft auf Reduktion des Stellenabbaus
In Stuttgart-Feuerbach streicht Bosch 3.500 Stellen in den Bereichen Entwicklung, Vertrieb, Verwaltung und Produktion von Antriebskomponenten. Von allen Standorten werden hier die meisten Stellen abgebaut. Dass ein weiterer Stellenabbau kommt, sei für die Stadt Stuttgart erwartbar gewesen, erzählt Finanzbürgermeister Thomas Fuhrmann (CDU) im SWR-Interview. "Dass er allerdings in dieser Dimension kommt, hat uns schon sehr überrascht."
Die Stadt hoffe, dass der Stellenabbau in der Größenordnung vielleicht noch etwas reduziert werde und dass der angepeilte Zeitraum gestreckt werden könne. Welche Auswirkungen der Stellenabbau auf die Stadt haben könnte, könne Fuhrmann noch nicht absehen. "Das hängt natürlich auch davon ab, ob Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen mit ihren Familien die Stadt verlassen, wegziehen und sich woanders einen Arbeitsplatz suchen."
Stellenabbau bis Ende 2030 Autozulieferer Bosch streicht weitere rund 13.000 Jobs in Deutschland - Standorte in BW betroffen
Der Autozulieferer Bosch will noch mehr Stellen streichen als bislang bekannt. An deutschen Standorten sind weitere rund 13.000 Jobs betroffen - vor allem in Baden-Württemberg.
Bürgermeister Schwieberdingen: Stellenabbau bei Bosch nicht überraschend
In Schwieberdingen (Kreis Ludwigsburg) sollen in den kommenden fünf Jahren 1.750 Stellen abgebaut werden. Im SWR-Interview berichtet Bürgermeister Stefan Benker (parteilos), dass die Stadt im Vorfeld bereits von Bosch unterrichtet wurde.
Dass es zu einem Stellenabbau kommt, sei auch für ihn nicht überraschend gewesen. Wer aufmerksam die Medienberichte und die wirtschaftliche Entwicklung der Region verfolge, der wisse natürlich, dass die Automobilintdustrie und auch die Zulieferer mit einer verschärften Situation kämpfen. "Aber die Höhe des Abbaus war für mich in der Tat ein wenig überraschend", berichtet Stefan Benker.
Der Bürgermeister der Gemeinde, in der Bosch einen Entwicklungsstandort hat, hofft nun, dass Unternehmen und Betriebsrat gute Lösungen finden. "Lösungen, die den Einzelschicksalen gerecht werden", so Benker.
Stadt Waiblingen will Bosch-Mitarbeitende vermitteln
Ähnlich sieht das auch Sebastian Wolf, Oberbürgermeister von Waiblingen (Rems-Murr-Kreis). Dort hat Bosch mehrere Einrichtungen. Hier soll das Werk zur Produktion von Verbindungstechnik bis 2028 stillgelegt werden. 560 Stellen sind davon betroffen.
Im SWR-Interview berichtet Wolf, dass die Stadt alles Mögliche dafür tun will, dass die Mitarbeitenden von Bosch in anderen Unternehmen Platz finden können. "Wir versuchen über die Wirtschaftsförderung Kontakte herzustellen und Möglichkeiten schaffen, dass Mitarbeiter woanders unterkommen können", so Wolf.
Bosch größter Arbeitgeber in Waiblingen
Dennoch sei es ein herber Einschnitt für die Stadt. Bosch ist der größte Arbeitgeber in Waiblingen. Die Schließung des Teil-Standorts "werden wir spüren", stellt der Oberbürgermeister klar. Und dass, obwohl Waiblingen eine relativ wirtschaftsstarke Stadt sei, so Wolf weiter. Doch zunächst seien die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Fokus, deren Werk geschlossen wird. Für diese sei die Lage natürlich am dramatischsten.
Nicht vom Stellenabbau betroffen, ist dieses Mal der Standort in Renningen (Kreis Böblingen). Im Juli waren aber auch dort Sparmaßnahmen bekannt gegeben worden. Dennoch sei die Sorge unter den Mitarbeitenden groß, sagt Renningens Bürgermeisterin Melanie Hettmer (parteilos): "Es bedeutet eine große Unsicherheit für unsere Stadt. Die Menschen haben teilweise Existenzängste."