Rund um Ellwangen und Crailsheim wird es laut

Tiefflüge von Kampfjets wieder erlaubt: Früherer Pilot erklärt, warum sie wichtig sind

Die Bundeswehr darf wieder Tiefflüge üben - bis auf 80 Meter Höhe. Betroffen ist auch die Gegend rund um Crailsheim und Ellwangen. Ein früherer Kampfpilot schildert, warum solche Flüge wichtig sind.

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80 Meter - das ist halb so hoch wie das Ulmer Münster. Auf dieser Höhe dürfen ab sofort wieder Kampfjets der Bundeswehr Übungsflüge machen, wie sie am Donnerstag mitgeteilt hat. Das wird laut - auch in der Gegend rund um Ellwangen (Ostalbkreis), Crailsheim (Kreis Schwäbisch Hall) und Nördlingen (Kreis Donau-Ries).

Tiefflüge: Bislang lag die Grenze bei 300 Metern

Viele wird es stören, das ohrenbetäubende, tiefe Grollen, das da vom Himmel runterkommt. Wenn ein Bundeswehrpilot in seinem Kampfjet mit 800 Kilometern pro Stunde die Wolken durchschneidet. Jahrelang lag die Grenze für Kampfflugzeuge der Luftwaffe bei 300 Metern.

Doch spätestens seit dem Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine hat sich die sicherheitspolitische Lage in Europa dramatisch verändert. Die neue Untergrenze sei deshalb "der Lage angepasst", sagt der frühere Kampfjetpilot Peter Stütz aus Schwäbisch Gmünd. Er war Geschwaderkommandeur in Lechfeld.

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Flüge in geringer Höhe sind Standard in der Pilotenausbildung

Tiefflüge gehörten zur Standardausbildung für Piloten, um sie auf möglichst alle Szenarien vorzubereiten, findet Stütz. Im Tiefflug könnten Jets nicht so einfach von Radaren entdeckt werden. Wichtig seien die Flüge in geringer Höhe auch, wenn man Drohnen gezielt abschießen wolle.

Am Boden stoßen die Pläne des Verteidigungsministeriums dagegen auf wenig Gegenliebe. Ellwangen liegt nur unweit vom Tieffluggebiet im Norden Schwabens und im südlichen Mittelfranken entfernt. Von den Genehmigungen hat die Stadt laut einer Sprecherin aus den Medien erfahren.

Ähnlich geht es dem bayerischen Nördlingen (Landkreis Donau-Ries): "Wir als Kommune haben da kein Mitspracherecht", sagte eine Sprecherin dem SWR. Die Stadt habe schon Erfahrungen mit tieffliegenden Kampfjets gemacht, da das Gebiet rund um Nördlingen früher schon einmal durchflogen wurde.

300 Meter oder 80 Meter - ein deutlicher Lärmunterschied

Die Bundeswehr spricht davon, dass "es zu einer erhöhten Wahrnehmung dieser Flüge kommen" werde. Peter Stütz beschreibt den Lärm als ein Ereignis, bei dem nicht nur Kinder erschrecken. Es sei ein deutlicher Unterschied, ob ein Kampfjet auf 300 Metern Höhe am Himmel vorbeirauscht - oder eben auf 80 Metern.

Was macht das mit dem Piloten? Sie müssten "hochkonzentriert und auf ihren Einsatz fixiert" sein. Man versuche, "Lärmbelästigung zu vermeiden", erinnert sich Stütz an seine Zeit im Cockpit. "Aber es lässt sich nicht jedes Haus umfliegen." Nach dem Fliegen in geringen Höhen sei man "nassgeschwitzt, wie wenn man aus der Sauna kommt".

Die Bundeswehr teilte mit, dass die Tiefflugmanöver nur in speziell ausgewiesenen Gebieten durchgeführt werden. Außerdem sollen die Kampfjets "ausschließlich im geplanten Übungszielanflug und für maximal zwei Minuten" bis auf eine Höhe von knapp 80 Meter absinken dürfen.

Die Bundeswehr hat angekündigt, die Anwohner regelmäßig über anstehende Übungen zu informieren. Immerhin meint Stütz: "Dass die Schallmauer durchbrochen wird, kommt normalerweise nicht vor."

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Peter Schmid
SWR-Aktuell Redakteur Peter Schmid
Volker Wüst
SWR Aktuell Autor Volker Wüst
Rainer Schlenz
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