Heimat von Breitensport und Profifußball

Jubiläum in Ulm: Das Donaustadion wird 100 Jahre alt

Es ist ein Ort großer Emotionen in der Ulmer Friedrichsau: das Donaustadion. Nun feiert es ein Jubiläum. Eine Zeitreise zum 100-jährigen Bestehen der altehrwürdigen Sportstätte.

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Von Autor/in Maximilian Springer

Ikonische Flutlichtmasten, weitläufige Stehtribünen und die Leichtathletiklaufbahn, die das Fußballfeld wie ein karminrotes Band umspannt: Das Donaustadion ist in Ulm eine feste Institution. In Zeiten der modernen Fußball-Arenen sticht die städtische Sportstätte, Heimat des SSV Ulm 1846 Fußball und des Breitensportvereins SSV Ulm 1846, durch seine Architektur und seine nun 100-jährige Tradition hervor.

Wolfgang Beck ist Ehrenmitglied. In seiner aktiven Zeit war er Zehnkämpfer, Trainer und Abteilungsleiter Leichtathletik für den Traditionsverein. Mit dem Donaustadion verbindet ihn, "dass ich mein halbes Leben darin verbracht habe", erklärt er im Interview mit dem SWR. Seit 1980 geht er im Stadion ein und aus. Er kann viel über die Sportstätte erzählen - deren Anfänge hat aber auch er nicht miterlebt.

Wolfgang Beck vor dem Spielertunnel des Ulmer Donaustadions. Er freut sich über das Jubiläum des SSV Ulm 1846.
Er kennt das Donaustadion seit 1980 in und auswendig: Vereins-Ikone Wolfgang Beck. Maximilian Springer

40.000 Menschen besuchten die Eröffnungsfeier vor 100 Jahren

Eröffnet wurde das Stadion im Sommer 1925 unter dem Namen Städtisches Stadion Ulm. Am 25. Juli des Jahres besuchten rund 40.000 Menschen die Einweihung im Rahmen des Schwäbischen Landesturnfestes. Möglich war die große Zuschauerzahl durch die damalige Hufeisenform des Stadions. Die heutige Gegentribüne gab es noch nicht und so konnten die Zuschauer auch von einer angrenzenden Wiese aus dabei sein. Über die Haupttribüne spannte sich damals noch ein Holzdach.

Das Donaustadion im Jahr 1925. Links die Holztribüne. Nun feiert das Stadion des SSV Ulm 1846 und der Ulmer Fußballer Jubiläum.
Das Donaustadion im Jahr 1925. Links die Holztribüne. Nun feiert das Stadion des SSV Ulm 1846 und der Ulmer Fußballer Jubiläum. Stadtarchiv Ulm

Schon von Anfang an war das Donaustadion ein Ort für viele Sportarten. Dort spielten die Vorgängervereine des SSV Ulm 1846 schon in den 1920er Jahren Fußball, es wurde Leichtathletik betrieben und geturnt. Sogar Radrennen fanden in damals auf der Laufbahn des Donaustadions statt.

Veranstaltungen der Nationalsozialisten im Donaustadion

Auch in den dunkelsten Tagen der deutschen Geschichte war die Sportstätte ein belebter Ort. Die Nationalsozialisten nutzten sie für Kundgebungen, Sportfeste und Aufmärsche. Der zweite Weltkrieg ging dann auch am Donaustadion nicht spurlos vorbei. Die Haupttribüne aus Holz wurde zerstört.

Spitzen-Leichtathletik und ein Weltrekord

Seine heutige Haupttribüne erhielt das Stadion im Jahr 1952. Der überdachte Zuschauerbereich, der sich im weiten Rund des Stadions einfügt, ist bis heute eines seiner Erkennungsmerkmale. Von hier aus sahen die Zuschauer in den folgenden Jahren und Jahrzehnten immer wieder Spitzenleistungen in der Leichtathletik.

So stellte unter anderem der Zehnkämpfer Jürgen Hingsen seinen ersten Weltrekord im Jahr 1982 im Donaustadion auf. Zeuge dabei: Wolfgang Beck. "Kurz vor dem Speerwerfen kam ein Wolkenbruch runter", berichtet die Ulmer Leichtathletik-Ikone, und weiter: "Es wurde dunkle Nacht."

Zehnkämpfer Jürgen Hingsen trinkt nach seinem Weltrekord im Ulmer Donaustadion ein Glas Sekt mit seiner Freundin. Dieses Jahr feiert das Stadion des SSV Ulm 1846 Jubiläum.
Zehnkämpfer Jürgen Hingsen trinkt nach seinem Weltrekord im Ulmer Donaustadion ein Glas Sekt mit seiner Freundin. IMAGO / Sven Simon

Die Feuerwehr musste anrücken und mit Beleuchtungen sicher stellen, dass die Weiten- und Zeitmessungen im Donaustadion richtig funktionierten, ansonsten wäre der Weltrekord nicht anerkannt worden. "Da musste man dementsprechend ausleuchten (...) und dann haben wir hier einen Weltrekord gehabt", erinnert sich Beck an das Erlebnis.

Ende der neunziger Jahre wird im Donaustadion Bundesliga-Fußball gespielt

Und die Fußballer? Die vertraten den SSV Ulm 1846, der sich 1970 aus der Fusion zweier Vorgänger-Vereine gegründet hatte, ebenfalls erfolgreich im Donaustadion. 1999 gelang der Mannschaft um den damaligen Trainer Ralf Rangnick der ganz große Wurf: der bisher einzige Aufstieg in die Fußball-Bundesliga. Bilder und Szenen, an die sich wohl jeder Ulmer Fußballfan, der damals dabei war, gerne zurück erinnert.

"Die Leute haben den Rasen rausgerissen. Die haben die Tore abgebaut und haben die Stangen mitgenommen", erzählt Beck vom Tag des Aufstiegs. "Es war ein Highlight, die ganze Nacht wurde gefeiert. Das war einfach einmalig."

Aufsteiger und Europameisterinnen: Fußballfeste im Donaustadion:

Die Ulmer Fans bringen das Donaustadion im Jahr 1999 zu kochen - sie feiern den Aufstieg in die 1. Fußball-Bundesliga. Damals gehörten die Ulmer Fußballer noch zum SSV Ulm 1846.
Die Ulmer Fans bringen das Donaustadion im jahr 1999 zu kochen - sie feiern den Aufstieg in die 1. Fußball-Bundesliga. IMAGO / Bernd Müller Bild in Detailansicht öffnen
Sascha Rösler (links) feiert mit dem Ulmer Trainer Ralf Rangnik den Aufstieg in die Bundesliga. Danach ging es mit dem Verein bergab. Schließlich trennten sich die Fußballer vom SSV Ulm 1846.
Ulmer Aufstiegsfreuden in den Katakomben des Donaustadions: Sascha Rösler (links) umarmt seinen Trainer Ralf Rangnick. Nach dem Höhenflug ging es mit dem Verein bergab. Schließlich trennten sich die Fußballer vom SSV Ulm 1846. IMAGO / WEREK Bild in Detailansicht öffnen
Die Deutschen Frauen bejubeln den EM-Titel im Jahr 2001. Jetzt, 2025, feiert das Donaustadion sein 100-jähriges Bestehen. Damals spielten die Ulmer Fußballer noch unter dem Mantel des Muttervereins SSV Ulm 1846.
Die Deutschen Frauen bejubeln den EM-Titel im Jahr 2001 im Donaustadion. IMAGO / WEREK Bild in Detailansicht öffnen

Eine zweite Fußball-Party stieg dann nur zwei Jahre später an der Donau. 2001 gewann die deutsche Nationalmannschaft der Damen die Europameisterschaft in Ulm, durch ein Golden Goal im Finale gegen Schweden.

Ab 2000: Abstiege, Insolvenzen und die Aufteilung des SSV Ulm 1846

Doch dann waren die Bundesliga- und EM-Zeiten in Ulm vorbei. Die Fußballer mussten einige Abstiege verkraften. Zeitweise ging es für die "Spatzen" bis in die fünftklassige Oberliga hinab. Dies wurde begleitet von finanziellen Turbulenzen im SSV Ulm 1846. 2009 schließlich trennten sich die Fußballer vom Verein. Seitdem gibt es den SSV Ulm 1846 Fußball. Insgesamt war der Verein zwischen 2000 und 2014 drei Mal insolvent.

Die Ulmer Fußballer rappelten sich auf, spielten jahrelang in der Regionalliga. In der Saison 2023/24 gelang ihnen ein Durchmarsch in der 3. Liga. 2024/25 spielten sie wieder zweitklassig - und stiegen als 17. der Tabelle wieder in die 3. Liga ab. Bewegte Jahre also an der Donau.

Konflikte über die Zukunft des Donaustadions

Der SSV Ulm 1846 und der SSV Ulm 1846 Fußball waren sich in der jüngeren Vergangenheit oft uneinig, was die Zukunft des Donaustadions angeht. Während der Breitensportverein unbedingt die Laufbahn behalten wollte, sprachen sich die Fußballer für einen Umbau zur reinen Fußball-Arena aus.

Mittlerweile haben sich die beiden Parteien geeinigt: Die Laufbahn für die Leichtathleten bleibt bestehen und das Stadion soll soweit modernisiert werden, dass die Fußballer im Falle eines erneuten Aufstiegs keine Probleme mehr mit den Lizenzen für die 2. Bundesliga bekommen.

Wolfgang Beck will im Donaustadion "ein Miteinander finden"

SSV-Ehrenmitglied Wolfgang Beck blickt bei diesen Themen etwas wehmütig auf die alten Zeiten. Früher sei es zwischen Fußballern und Breitensportlern noch deutlich familiärer zugegangen. "Ich würde mich freuen, wenn man da ein Miteinander finden würde", sagt der ehemalige Zehnkämpfer. "Dass man sich gegenseitig unterstützt und sich gegenseitig weiterbringt."

Nach 100 Jahren ist es im Donaustadion also weiter so lebendig wie eh und je. Es ist ein schlagendes Herz des Ulmer Sports - für Breitensportler, Profifußballer und alle, die mal wieder große Emotionen spüren wollen.

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