Gewerkschaft spricht von "Kinderfreizeit im Flecktarn"

Kritik an Kinderferienprogramm mit Bundeswehr in Kellmünz

Ein Ferienprogramm im Sommer sorgt für Kritik: Die Gemeinde Kellmünz will an zwei Tagen Kinder und Soldaten einer Ulmer Gefechtsstaffel zusammenbringen. Der Bürgermeister verteidigt die Idee.

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Von Autor/in Rainer Schlenz

Sind Bundeswehr-Soldaten die richtigen Spielpartner für Sechsjährige in den Sommerferien? Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, GEW, hält nichts von der Idee. Der Bürgermeister der Marktgemeinde Kellmünz (Kreis Neu-Ulm) ist ganz anderer Ansicht.

Der Markt Kellmünz veranstaltet das Ferienprogramm für sechs bis zwölf Jahre alte Kinder in den Sommerferien - und zwar gemeinsam mit einer "Gefechtsstaffel" des Multinationalen Kommandos Operative Führung aus Ulm. Geworben wird mit einem Plakat in Tarnfarben. Darauf sieht man Kinder, die ein Militärfahrzeug bestaunen.

Selbst so ein total harmloses, nettes Aufeinandertreffen ist halt letztendlich doch eine Gewöhnung an die ganze Thematik.

Ferienfreizeit mit Bundeswehr-Unterstützung: Gewerkschaft spricht von "Kinderfreizeit im Flecktarn"

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft übt scharfe Kritik: Es handele sich um eine "Kinderfreizeit im Flecktarn", heißt es in einer Stellungnahme. Eine Ferienfreizeit mit Unterstützung des Militärs hält die GEW für problematisch: "Da haben wir eben Themen wie potenziell Kriegseinsätze, geistige, seelische und körperliche Verletzungen, die da im Raum stehen", sagte die Bayerische Landesvorsitzende der GEW, Martina Borgendale dem SWR. "Und das halte ich für Kinder in dem Alter einfach für unangemessen."

Der Bürgermeister von Kellmünz, Michael Obst (CSU), versteht die Aufregung nicht: "Die kommen mit Lkw, die grün sind, weil sie einen Haufen Material mitbringen. Die haben eine Hüpfburg im Gepäck, die haben Grillsachen dabei. Also alles, was man halt braucht, um 25 bis 30 Kinder zwei Tage lang gut zu unterhalten."

So hat sich Michael Obst im SWR-Interview geäußert:

Ferienprogramm bei der Bundeswehr: Highlight Hubschrauberlandung

Der Bürgermeister selbst ist bei der Bundeswehr Offizier der Reserve. Er will nicht den Eindruck erwecken, dass das Militärische gar keine Rolle spiele: "Es geht letztendlich auch darum, dass der Bezug zur Bundeswehr ganz bewusst wahrgenommen wird. Und das möchten wir auch nicht verstecken." Als "Highlight" sei geplant, einen Hubschrauber vom Hubschraubergeschwader Laupheim (Kreis Biberach) in Kellmünz landen zu lassen, bestätigte Michael Obst dem SWR.

Die Frage ist, welche Wirkung eine Sommerfreizeit ausgerichtet vom Multinationalen Kommando auf die Kinder hat. Auch da gehen die Meinungen wieder weit auseinander: "Wir werben da nicht für die Bundeswehr und allein die Anwesenheit eines Staatsbürgers in Uniform ist doch noch keine Werbung", meint Obst. Es gehe eher um Abbau von Berührungsängsten mit der Bundeswehr.

Der Bürgermeister von Kellmünz, Michael Obst.
Bürgermeister Michael Obst ist selbst bei der Bundeswehr Offizier der Reserve.

Werbung fürs Militär oder Abbau von Berührungsängsten?

Für Martina Borgendale hingegen ist der werbliche Charakter einer solchen Veranstaltung klar: "Es ist eine Heranführung", sagt sie, "selbst so ein total harmloses, nettes Aufeinandertreffen ist halt letztendlich doch eine Gewöhnung an die ganze Thematik". Und sie fügt an: Fast könne man meinen, in Kellmünz fehlten "einfach die Personen, die so eine Kinderfreizeit anbieten könnten".

Michael Obst sagt dazu: "Wir sind leider keine Stadt, der Markt Kellmünz hat 1.600 Einwohner, wir sind um jede Hilfe dankbar." Und er kontert: Die Kritiker würden letztlich Bürgerinnen und Bürger in Uniform ausgrenzen: "Oder sollen wir in Zukunft Polizeibeamte nicht mehr in Uniform zur Verkehrserziehung in der vierten Klasse zulassen?"

Blick auf die Marktgemeinde Kellmünz im Landkreis Neu-Ulm: Hier soll die Sommerfreizeit stattfinden.
Blick auf die Marktgemeinde Kellmünz im Landkreis Neu-Ulm: Hier soll die Sommerfreizeit stattfinden.

Borgendale sieht dennoch einen Unterschied: Gerade die Verkehrspolizei sehen die Kinder in ihrem täglichen Leben, auf der Kreuzung, beim Regeln des Verkehrs. Aber es gehe nicht um "schlimme Dinge" wie bei militärischen Einsätzen. "Insofern finde ich, dass da schon ein Unterschied zu machen ist. Und es geht aus meiner Sicht nicht darum, eine Person in Uniform abzulehnen."

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