Combat Medical Care Conference

Blaubeuren: Wie Ersthelfer lernen, Verwundete zu retten

Kriege oder Terroranschläge hinterlassen Opfer mit grauenhaften Verletzungen. Wie die besser behandelt werden können, damit befassen sich Experten und Ersthelfer in Blaubeuren.

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Von Autor/in Dennis Bechtold

Die "Combat Medical Care Conference" - so der offizielle Titel - verfolgt ein Ziel: Verwundete retten - unabhängig von Uniform oder Herkunft. Die Medizin steht im Fokus. Deshalb geht es nicht nur um die Versorgung von Verwundeten bei Militäreinsätzen, sondern auch um mögliche Opfer von Terroranschlägen, Massenunfällen oder bei Polizeieinsätzen.

Schüsse im Wald bei Blaubeuren

Eine Szenerie wie in einem Kriegsgebiet überrascht eine Gruppe von Kongressteilnehmern am Mittwochnachmittag im Wald beim Tagungszentrum Hessenhöfe bei Blaubeuren (Alb-Donau-Kreis): Plötzlich fallen Schüsse. Eine Frau schreit, ihr Arm voller Blut. Andere wurden von Geschossen in Brust oder Bauch getroffen. Ersthelfer müssen begreifen, was passiert, wo die Angreifer sind und wo sie die Verletzte zunächst in Sicherheit bringen können. Und wie sie retten und die Wunden versorgen können, bis weitere Hilfe möglich ist.

Das Schicksal des Verwundeten ruht in den Händen von denen, die den ersten Verband anlegen.

Der Leiter des Fachkongresses, Dr. Florent Josse vom Bundeswehrkrankenhaus Ulm, zitiert den amerikanischen Militärchirurgen Senn, der schon im 19. Jahrhundert auf die Bedeutung der Erstversorgung hinwies. Dies gelte noch heute. Militär-Personal, aber auch zivile Helfer von Feuerwehr, Personal, Technischem Hilfswerk und andere Rettungskräfte sollen bei solchen Übungen lernen, in Extremsituationen und unter Stress zu handeln. Dies sei ein Teil des Kongresses.

Ein Szenario der Übung in Blaubeuren: ein Soldaten wurde Opfer einer Sprengstofffalle.
Ein Szenario der Übung in Blaubeuren: ein Soldaten wurde Opfer einer Sprengstofffalle.

Auto fährt in Sprengstofffalle

Ein Soldat liegt schwerverletzt mit einem blutenden Bein unter zwei Autos, die in eine Sprengstofffalle gefahren sind. Auch dieses Szenario wird an diesem Nachmittag nachgestellt. In solchen Situationen effektiv zu handeln, können die Teilnehmer in Blaubeuren auch aus den Erfahrungen von Militärmedizinern aus Kriegs-und Kriesengebieten lernen.

1.400 Teilnehmer aus mehr als 40 Nationen

Rund 1.400 Militärs, Mediziner und zivile Rettungskräfte nehmen an dem Fachkongress teil, der vom Ulmer Bundeswehrkrankenhaus wissenschaftlich begleitet wird. In Übungen, Praxisworkshops und Vorträgen tauschen sie ihre Erfahrungen aus und können so voneinander lernen. Gerade in Zeiten eskalierender internationaler Konflikte wie in der Ukraine oder im Gazastreifen sei das besonders wichtig, so Stephan Schoeps, der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Wehrmedizin und -pharmazie. Welche modernen Hilfsmittel, z.B. Telemedizin oder Künstliche Intelligenz können sie nutzen? In Blaubeuren ist zum Beispiel ein mobiler Operationssaal zu sehen, der im Kriegs- oder Krisengebiet für dringend notwendige chirurgische Eingriffe eingesetzt werden kann.

Dr. Florent Josse (links) und Dr. Stephan Schoeps sind zwei Verantwortliche des Kongresses in Blaubeuren.
Dr. Florent Josse (links) und Dr. Stephan Schoeps sind die zwei Verantwortliche des Kongresses in Blaubeuren.

Wirklichkeit ist weit schlimmer als die Übung

So sinnvoll der Austausch und die Übungen über die Erstversorgung von Verwundeten sind, Stephan Schoeps stellt eines klar: "Die Realität können wir nicht abbilden. Ein Israeli hat heute gesagt, 'Krieg ist schrecklich. Da passieren schlimme Dinge'. Und wir als Sanitäter sind da, um Menschlichkeit zu zeigen. Dafür sind wir da."

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