Ein neuer Gesetzentwurf zur Kostendämpfung bei den gesetzlichen Krankenkassen könnte die Luftrettung in Deutschland unter erheblichen finanziellen Druck bringen. Er sieht vor, die Finanzierung stärker zu begrenzen. Die ADAC Luftrettung, die DRF Luftrettung und die Johanniter warnen vor einer "existenziellen Bedrohung ihrer Rettungshubschrauber" - und damit einer zentralen Säule der Notfallversorgung.
Gesetzentwurf setzt Luftrettung finanziell unter Druck
Der Entwurf, der Ende April vorgelegt wurde, zielt darauf, die Kosten der gesetzlichen Krankenkassen zu reduzieren um die Krankenkassenbeiträge stabil zu halten. Dafür soll laut Gesetzentwurf unter anderem die sogenannte Grundlohnrate als Grenze für Leistungsbringer wie die Luftrettung gelten. Die Grundlohnrate bildet sich aus den beitragspflichtigen Einnahmen aller Mitglieder, die in die gesetzliche Krankenversicherung einzahlen.
Die Luftrettungsorganisationen von ADAC, DRF und den Johannitern beklagen in einer gemeinsamen Pressemitteilung dieses Vorhaben und sehen durch den Gesetzesvorschlag die Existenz der Luftrettung in Deutschland gefährdet. Zwar erkennen sie die Grundlohnrate als wichtige Stütze der Beitragsstabilität an, sehen aber die besonderen Bedarfe der Luftrettung darin nicht angemessen berücksichtigt.
Besonders kritisch sehen die drei Organisationen eine weitere geplante Regelung: Für die Jahre 2027 bis 2029 soll die erlaubte Kostensteigerung nicht nur auf die Grundlohnrate begrenzt, sondern sogar um ein Prozent abgesenkt werden. Diese zusätzliche Absenkung um ein Prozent würde die Lage noch weiter verschärfen.
Kosten, Unterfinanzierung und steigende Preise
Die Rettung mit dem Hubschrauber ist teuer. Hinter jedem Einsatz steht eine Besatzung bestehend aus einem Piloten, einem Notarzt und einem Notfallsanitäter. Zudem benötigt es ständige Wartung der Technik. Schon heute, so die Einschätzung von Jochen Oesterle von der ADAC-Luftrettung Ulm, sei die Luftrettung "chronisch unterfinanziert".
Die Organisationen verweisen darauf, dass Kalkulationen und Verträge in der Luftrettung langfristig angelegt sind. Rettungshubschrauber haben eine Abschreibungszeit von rund 20 Jahren. Eine Deckelung an unbestimmte Grundlohnraten untergräbt aus ihrer Sicht die Finanzierungskontinuität und gefährde die wirtschaftliche Planungssicherheit.
Hinzu kommen äußere Faktoren, die die Lage verschärfen. So sind laut Oesterle etwa die Kraftstoffpreise durch aktuelle Krisen deutlich gestiegen, was die Kosten für den Betrieb der Rettungshubschrauber weiter erhöhe. Ohne eine auskömmliche Finanzierung könnten diese Mehrkosten von den Betreibern nicht dauerhaft getragen werden, so Oesterle.
Bedeutung der Luftrettung für Notfallversorgung essenziell
Jochen Oesterle betont die Bedeutung der Luftrettung für die Zukunft der Notfallversorgung in Deutschland. "Durch die stärkere Spezialisierung von einzelnen Krankenhäusern durch die Krankenhausreform, ist es wichtig eine funktionierende Luftrettung zu erhalten", so der Sprecher. Wenn Rettungshubschrauber wegfallen würden, müssten Patienten laut Oesterle im Notfall womöglich eine weitere Strecke zu einem passenden Krankenhaus zurücklegen - und zwar im Krankenwagen und nicht im Hubschrauber.