Was tun, wenn die eigene Wand zum Austragungsort von Revierkämpfen rivalisierender Fußballfans wird? So geschehen an der Wand eines Schweinestalls in Herbrechtingen-Bissingen im Kreis Heidenheim, einen guten Kilometer entfernt von der Grenze zum Alb-Donau-Kreis.
Konflikt am Schweinestall in Herbrechtingen schaukelt sich hoch
"Angefangen hat es Ende August vor dem ersten Spieltag der neuen Saison", berichtet Landwirt und Schweinestallbesitzer Harald Rabausch. Offensichtlich haben Fans des Bundesligisten 1. FC Heidenheim nachts groß und breit "ULTRAS" und die vereinseigenen Farben Rot und Blau an die Wand gesprüht.
Harald Rabausch hat sich damals geärgert und Anzeige erstattet. Über Monate werden immer wieder neue Graffitis über die alten gesprüht, mal von Ulmer Fans, mal von Heidenheimer Fans.
Fußballvereine lehnen Sachbeschädigung durch Fans ab
"Wir haben schnell gemerkt, das schaukelt sich hoch. Wir bekommen keine Ruhe. Wir sind Schlachtfeld zwischen Ultras Heidenheim und Ulm", so der Stallbesitzer. Die Polizei habe wenig Hoffnung gemacht, die Täter zu finden. Der 1. FC Heidenheim habe die Vorfälle bedauert und verurteilt, aber nichts tun können.
Dem SWR teilten der 1. FC Heidenheim und der SSV Ulm 1846 Fußball mit, dass solche Reviermarkierungen deutschlandweit vorkämen und dies leider auch in der Region geschehe. Beide Vereine lehnen in ihren Schreiben diese Sachbeschädigung durch Fans ab. Sie seien auch im Austausch mit Fans und Fangruppen und würden dort ihre Haltung weitergeben.
Besonders ärgerlich: Mit jedem Sprayen werden die Graffitis größer. Schließlich wird sogar ein komplettes Fenster und ein Teil des Blechgiebels am Stallgebäude besprüht.
Wand des Schweinestalls von der A7 gut sichtbar
Als Gründe für den Grenzstreit an seiner Wand sieht der Landwirt zweierlei. Zum einen: Sein Stall liegt am Rande des Landkreises Heidenheim. Zum anderen: Die Wand ist sehr gut von der A7 aus sichtbar. Wer auf der Autobahn Richtung Norden fährt, sieht sie an der Ausfahrt Niederstotzingen.
Eigentlich ist die Autobahn dort von Hecken gesäumt, aber an dieser Stelle gibt es eine Lücke. Der Schweinestall ist also das erste sichtbare Gebäude nach der Landkreisgrenze in Richtung Heidenheim. Dies mache die Wand offenbar zum Schauplatz eines Grenzstreits.
Landwirt überrascht Fußballfans in der Nacht
Zweimal erwischt Rabausch die Sprayer sogar in flagranti. Der Landwirt muss auch nachts in den Stall. Einmal sei ein Auto gekommen mit vermummten Männern darin, das Kennzeichen mit Panzertape abgeklebt. Zwei Tage später habe er erneut mutmaßliche Graffiti-Sprayer gesehen. Diesmal konnte er das Kennzeichen der Polizei melden.
Die Kinder von Harald Rabausch machen die Vorfälle in den sozialen Medien publik. Es sei viel Resonanz von jungen Leuten gekommen, die von den Graffitis nichts halten: "Fußball ist nicht das, was ihr an der Stallwand aushalten müsst", habe es etwa in den Kommentaren geheißen.
Mist und Überwachungskamera sollen helfen
Dann war es für die Familie Rabausch Zeit zu handeln: In einer Hauruck-Aktion strichen sie die Wand weiß. Außerdem haben sie zunächst eine Wildtierkamera installiert. Diese hat sogar Bilder von vermummten Sprayern geliefert. Die Kamera soll aber bald durch eine richtige Überwachungskamera ersetzt werden.
Und der Landwirt kam auf noch eine Idee, eine ganz naheliegende: "Wir haben die Wand richtig g'scheit gedüngt und dort Mist verteilt. Und wer jetzt hinwill, kommt knöcheltief in die Sch... Das braucht man nicht." Es scheint gewirkt zu haben. Seither sei nichts mehr passiert.
Wir haben die Wand richtig g'scheit gedüngt und dort Mist verteilt. Und wer jetzt hinwill, kommt knöcheltief in die Sch...!
In der Familie Rabausch sorgen die Vorfälle aber weiter für große Diskussionen. Für sie sei es kein gutes Gefühl, zum Stall zu fahren und nicht zu wissen, ob dort vermummte Männer sind, erzählt der Landwirt. Schließlich würden auch seine Frau und seine Tochter zum Stall fahren - im Sommer auch nachts mit dem Fahrrad.
Doch nun scheint Ruhe zu sein. Harald Rabausch will, dass es so bleibt und der Grenzstreit Vergangenheit ist: "Ich hoffe, dass das jetzt das Ende war."