Seit Russland vor vier Jahren die Ukraine angegriffen hat, hat sich auch von der Ostalb bis nach Oberschwaben und in Ulm viel verändert. Viele Menschen aus der Ukraine haben hier eine neue Heimat gefunden - ob vorübergehend oder dauerhaft. Die Energiekrise hat den Energiemarkt verändert. Wirtschaft, Bundeswehr und Rüstungsunternehmen müssen umdenken.
- Die Bundeswehr konzentriert sich auf den Bündnisfall
- Rüstungsunternehmen HENSOLDT in Ulm wächst
- Trotz Rüstungs-Boom: Wirtschaft leidet
Die Bundeswehr konzentriert sich auf den Bündnisfall
Die Bundeswehr in Dornstadt (Alb-Donau-Kreis) hat ihren Fokus komplett neu ausgerichtet, so ein Sprecher. Früher lag der Schwerpunkt auf Auslandseinsätzen, weit entfernt im Kosovo oder in Afghanistan. Das hat sich vollkommen geändert. Der Fokus liegt nun auf dem Bündnisfall für EU und Nato, praktisch auf dem Einsatz vor der eigenen Haustür.
Äußerlich sichtbar ist das nicht. Die Bundeswehr unterhält in Dornstadt nahe Ulm bereits einen recht großen Standort, so der Sprecher weiter. Es sind keine weiteren Stellen geplant und auch keine Erweiterung, lediglich der Fokus hat sich verändert. Beispielsweise werde die Ukraine bei der Ausbildung von Soldaten unterstützt. Wie genau, das ist geheim.
400-Millionen-Euro-Auftrag Schon wieder ein Millionenauftrag: HENSOLDT profitiert vom anhaltenden Rüstungsboom
Bei HENSOLDT jagt ein Großauftrag den nächsten: Erst vor zwei Tagen wurde ein 100-Millionen-Euro-Auftrag für Radarsysteme verkündet. Nun steht ein weiterer Millionendeal an.
Krieg in der Ukraine - Rüstungsunternehmen HENSOLDT in Ulm wächst
Mit der Neuausrichtung der Bundeswehr werden auch andere Rüstungsgüter als früher benötigt - und zwar in Massen. Ein Sprecher des Rüstungsunternehmens HENSOLDT in Ulm rechnet auf Jahre mit Aufträgen. Hintergrund ist die "European Sky Shield Initiative." Hier haben sich mehr als 20 Staaten zusammengetan, um gemeinsam militärisches Gerät zu beschaffen. Daraus folgt: Es werden große Mengen benötigt, bis die Rüstungslücken geschlossen sind.
Eine weitere Folge: Die Rüstungsindustrie wächst. HENSOLDT baut neue Standorte auf - im Großraum Ulm und auch in Oberkochen. Dort werden gerade neue Räume bezogen. Unter anderem Kameras und Wärmebildgeräte sollen dort entstehen.
Krieg hat die Haltung der Beschäftigten verändert
Wer wächst, braucht Personal. HENSOLDT hat allein vergangenes Jahr 1.300 Menschen weltweit eingestellt, dieses Jahr sollen es 1.600 werden. Auch der Standort Ulm ist um mehr als 200 Beschäftigte gewachsen.
Der Unternehmenssprecher stellt fest, dass sich bei Belegschaft und Bewerbern die Haltung verändert hat: "Die Bewerber kommen, um zum Schutz Deutschlands beizutragen." Sie sähen die Tätigkeit als sinnstiftend an. Und auch bei der Belegschaft hat sich etwas verändert. Bei einer eiligen Lieferung würde auch am Wochenende und an Feiertagen gearbeitet, Fehler würden teils über Nacht behoben. Hintergrund sei der Gedanke der Beschäftigten, dass das, was sie produzieren, in der Ukraine benötigt wird.
Trotz Rüstungs-Boom: Wirtschaft leidet
Doch auch wenn die Rüstungsindustrie von der vielbeschworenen Zeitenwende profitiert: Die Wirtschaft in der Region Donau-Iller leidet unter den Auswirkungen des Kriegs. Der Sprecher der Industrie- und Handelskammer zählt mittlerweile 19 Sanktionspakete gegen Russland. Wurden 2021 noch Waren im Wert von 3,8 Milliarden Euro aus Baden-Württemberg nach Russland exportiert, sei es nun nicht einmal mehr eine Milliarde. Das Geschäft sei quasi eingebrochen - und die weltwirtschaftliche Lage biete kaum Raum, dieses Minus aufzufangen.