Ein bisschen traurig ist Klaus Karpinski schon, als er vor den Plastikkisten in einem Lager in Ulm-Wiblingen steht. In sechs Kisten liegt - einzeln mit Zeitungspapier verpackt und mit Nummern beschriftet - der Großteil seiner Bügeleisensammlung. Als der 86-Jährige und seine Frau in eine kleinere Wohnung in Wiblingen gezogen sind, mussten auch die meisten Bügeleisen raus.
Die Kisten sind schwer. So schwer, dass man sie selbst zu zweit nur ziehen kann. Darin verpackt ist auch das erste Bügeleisen, dass er 1972 im Spanienurlaub entdeckt hat. In Tarragona in einem Antiquitätenladen. Das Kamineisen hat ihn fasziniert. Bis zum zweiten Bügeleisen seiner Sammlung hat es dann aber noch zehn Jahre gedauert. Doch seitdem kamen immer wieder welche dazu.
Bügeleisen auch bei Reisen gesammelt
Auf Flohmärkten in Frankreich hat er sie entdeckt, in Antiquitätenläden oder bei Treffen mit anderen Sammlern gekauft oder getauscht. Zu jedem Bügeleisen kann er eine Geschichte erzählen. Wie die von dem kleinen Kohle-Bügeleisen, dass er auch in Spanien gefunden hat. Doch der Ladenbesitzer wollte es nicht verkaufen. Sechs Sommer lang.
Jedes Jahr hat Klaus Karpinski nachgefragt, gebohrt, Angebote gemacht, bis er es endlich mit nach Hause nach Wiblingen nehmen konnte. Jetzt hat es einen Ehrenplatz im Flur. Hier sind auch die meisten der knapp 60 Bügeleisen, die er vor drei Jahren in der neuen Wohnung aufstellen konnte.
Hier sind auch die besonderen Stücke, wie das kleinste Bügeleisen, gerade mal 13 Millimeter groß. Es ist antik, aber damit wurde nicht gebügelt, sondern es wurde wahrscheinlich für ein Puppenhaus angefertigt. Daneben andere Muster, Prototypen, Miniaturen oder Bügeleisen für Puppenmuttis.
Gefunden hat er sie unter anderem in Portugal, den Niederlanden, Belgien, Dänemark und Frankreich, auf Flohmärkten, bei Sammlertreffen oder in Antiquitätenläden.
Eine Sammlung besonderer Bügeleisen
Es gibt in seiner Sammlung Bügeleisen, die mit Spiritus, mit Gas oder mit Kohle betrieben wurden, oder die komplett oder in Teilen in Öfen erhitzt wurden. Auch die Replik einer chinesischen Feuer-Plättpfanne, die mit Asche oder heißem Sand befüllt wurde, steht auf dem Regal.
Es ist ein Querschnitt durch die Geschichte des Bügelns und Plättens, die Klaus Karpinski in seinem Flur stehen hat. Und auch ein Stück Ulmer Geschichte. Denn da steht auch ein Ofen, mit dem ein Schneider aus Wiblingen die Stelleisen erhitzt hat. Das sind Bügeleisen, die beispielsweise auf einem Herd oder Ofen erhitzt wurden. Rostig stand es da auf der Bühne, bis es der Sammler heruntergeholt und gereinigt hat. Jetzt sieht der Ofen aus wie neu.
Klaus Karpinski hat zu allen Bügeleisen geforscht: zur Art, zum Hersteller, zum Alter. Er interessiert sich nicht nur für die Geschichte der Eisen, auch mit der Geschichte des Bügelns und Plättens hat er sich befasst.
Ulmer Ochsenzunge kam zur Sammlung dazu
Auch eine Ulmer Ochsenzunge aus der Glockengießerei von Phillipp Jakob Wieland, der später die Wieland-Werke gegründet hat, kam in den Besitz von Klaus Karpinski. Diese Bügeleisenart heißt so, weil ein Metallteil, das einer Zunge ähnelt, im Ofen erhitzt und dann von hinten ins Bügeleisen geschoben wurde. Gekauft hat Karpinski dieses besondere Bügeleisen jedoch nicht.
Nach einer Ausstellung in Neu-Ulm Pfuhl fiel dem Sammler auf, das ein Bügeleisen mehr als vorher bei den Ausstellungsstücken stand. Eine Besucherin hatte das Ochsenzungen-Bügeleisen einfach dazugestellt. "Sie hatte es im Keller gehabt und sich gedacht, bei ihm sei es besser aufgehoben", erzählt Karpinski.
Die Sammlerei habe ich mit großer Freude gemacht.
"Die Sammlung ist mein Stolz", bekennt Karpinksi. Die Sammlerei habe er mit großer Freude gemacht. Zu guten Zeiten sei die Sammlung an die 150.000 Euro wert gewesen, schätzt er. Jetzt sucht er jemanden, der die ganze Sammlung übernimmt. Er selbst sei zu alt und habe keinen Platz mehr.
Bügeleisensammler sucht Nachfolger
Die Bügeleisen in den Kisten im Lager ist auch nur eine Zwischenlösung, findet der Sammler. Seine Wunschvorstellung ist es, die Bügeleisen in Wiblingen ausstellen zu können, doch die Gespräche mit der Stadt Ulm haben noch nicht das erhoffte Ergebnis gebracht. Es fehlen Geld und Räume.