"Hier keine Kartenzahlung", solche Schilder gibt es immer noch an einzelnen Geschäften und in manchen Restaurants. Anders ist das beispielsweise in einer Ulmer Bäckererei: "Kartenzahlung bevorzugt" heißt es da. Und andernorts in Ulm, in einem Restaurant, wird inzwischen nur noch Kartenzahlung akzeptiert. Doch warum ist das so unterschiedlich?
Kosten für Kartenlesegeräte und Transaktionen
Viele Händler, Händlerinnen und Gastronomen begründen die Vorliebe für eine Variante mit den Kosten. So wird bei der Kartenzahlung pro Transaktion eine Gebühr fällig. Zusätzlich fallen monatliche Kosten für das Kartenlesegerät an, wenn es von einem Dienstleister gemietet wird.
Das rechnet sich für manche Händler nicht, wie für den Erdbeer- und Spargelbauer Andreas Eberhard auf dem Ulmer Wochenmarkt: "Wir sind nur drei Monate auf dem Markt. Für uns macht es keinen Sinn, ein Kartenlesegerät anzuschaffen, das wir zwölf Monate zahlen müssen und nur drei Monate nutzen." Für ihn lohne sich das nicht, erklärt er. Auf der anderen Seite: Auch Bargeld verursacht Kosten.
Kosten für Bargeld und Sicherheitsbedenken
Bei der Bäckerei Staib beispielsweise, einer Kette aus Ulm mit mehr als 60 Filialen, wurde lange Zeit Bargeld bevorzugt. Seit einigen Wochen gibt es in den Verkaufsstellen nun aber den Hinweis "Kartenzahlung bevorzugt."
Inhaber Marcus Staib erklärt den Wechsel zum einen mit gesunkenen Gebühren bei der Kartenzahlung, zum anderen geht es ihm um Sicherheit. Früher habe er die Tageseinnahmen am Nachttresor der Bank abgeben können. Doch das gibt es bei seiner Bank nicht mehr. Die Bäckereien seien also gezwungen, das Geld über Nacht in der Filiale zu lassen - und das sei attraktiv für Kriminelle.
Wir wollen immer weniger Bargeld in den Filialen haben, denn nach wie vor wird in Bäckereien über Nacht eingebrochen.
Wird also mehr mit Karte gezahlt, gibt es für Einbrecher weniger zu holen. Am liebsten wäre dem Bäckerei-Chef die komplette Umstellung auf Kartenzahlung. Dann würden nämlich die Kosten und Umstände für das Bargeld wegfallen: die Abrechnung am Abend und die Zeit, die es dafür braucht, außerdem das Wechselgeld und die Schwierigkeiten, die Kleingeldmengen bei der Bank abzugeben. Es gäbe weniger Fehler beim Wechselgeld und kein Falschgeld mehr in den Kassen. Ohne Bargeld würde das alle keine Rolle mehr spielen.
Dennoch will der Bäckerei-Chef beide Zahlarten anbieten - aus Kundenfreundlichkeit.
Kundenfreundlichkeit kostet Geld
Manche Gastronomen setzen inzwischen komplett auf Kartenzahlung: So kann im Ulmer Café Einstein bereits seit mehreren Jahren ausschließlich mit Karte bezahlt werden. Die Betreiber sind zufrieden damit.
Martin Walke, Referent Handel in der Industrie- und Handelskammer Ulm berichtet, dass sich die Kosten für die Kartenzahlung und die Vorhaltung von Bargeld in etwa die Waage hielten. Beides vorzuhalten, sie die teuerste Variante. Dennoch: Einen Kundenkreis auszuschließen, indem man nur auf eine Zahlweise setzt, ist aus seiner Sicht unternehmerisch ungünstig. Daher lohnt es sich meist, kundenfreundlich beides anzubieten, so Walke weiter.
Wird das Bargeld abgeschafft?
Die Zahl der Transaktionen per Bankkarte steigt seit Jahren. Nach einer Erhebung der Deutschen Bundesbank von 2023 stieg der Anteil auf etwa die Hälfte. Das Kölner Handelsforschungsinstitut geht davon aus, dass dieses Jahr erstmals mehr Einkäufe mit der Karte bezahlt werden als in bar.
Manche Menschen fürchten bei dieser Entwicklung, dass das Bargeld ganz abgeschafft werden könnte. Diesen Vermutungen setzt der Zahlungsverkehrsexperte Dirk Schrade von der Deutschen Bundesbank ein klares Nein entgegen. Bargeld sei weiterhin ein wichtiges Medium:
Bargeld bietet Ausfallsicherheit, wenn der Strom weg ist oder das Terminal nicht funktioniert.
Bargeld geht häufig immer, so Dirk Schrade. Die Bundesbank vertrete die Position: "Jeder soll so zahlen, wie er möchte." Das gilt - trotz der Kosten - in immer mehr Geschäften.
Auch auf dem Ulmer Wochenmarkt lässt sich inzwischen an vielen Ständen bar und mit Karte bezahlen. Für Obstbauer Martin Haag ist völlig klar: "Man muss mit der Zeit gehen. Manche haben gar kein Bargeld dabei, deswegen kann man bei uns beides machen: bar und Karte."