Es ist das Aushängeschild des Nationalparks Schwarzwald und zieht jährlich rund 60.000 Besucher an: das Nationalparkzentrum auf dem Ruhestein. Seit seiner Eröffnung im Oktober 2020 hat es sich in den vergangenen fünf Jahren zu einer wichtigen Anlaufstelle für Touristen und Tagesgäste entwickelt – ein zentraler Startpunkt für alle, die den Schwarzwald erkunden möchten.
Die Tourismus-Branche ist zufrieden mit dem Jahr 2024 Immer mehr Menschen aus Südeuropa kommen in den Schwarzwald
Der Schwarzwald boomt offenbar. Zumindest gab es im vergangenen Jahr so viele Übernachtungen wie noch nie. Die Touristiker sind zufrieden. Das wurde bei der Jahrestagung deutlich.
Nationalparkzentrum: "Nur Barzahlung möglich - Cash only"
Mit seiner spektakulären Architektur und Wechselausstellungen lockt es viele, teils auch internationale Gäste an. Gerade in den Ferien und wenn das Wetter nicht so gut ist, bilden sich schnell Warteschlangen vor der Kasse. Doch beim Eintritt erleben so manche eine Überraschung: Die Eintrittstickets für die Dauerausstellung sowie die Wechselausstellungen im hochmodernen Nationalparkzentrum gibt es nur gegen Barzahlung.
Ein weißes Schild an der Kasse weist diskret darauf hin: "Nur Barzahlung möglich - Cash only". Ein Kartenlesegerät zum bargeldlosen Zahlen gibt es hier nicht.
Nur Barzahlung: Besucher "leicht geschockt"
Nicht alle Besucher sind darüber informiert oder haben dafür Verständnis. Lisa Faißt und Sophia Küch sind mit einer Gruppe der Katholischen Landjugend aus Bad Peterstal angereist. Weil die Rangerführung wegen Regen kurzfristig abgesagt wurde, wollte die Gruppe spontan ins Museum. Doch an der Kasse erfahren sie, dass sie den Eintritt nur bar zahlen können - für 25 Jugendliche macht das 110. Euro. Kurzerhand muss die Vereinskasse herhalten - und das Bargeld für den Tagesausflug ist erstmal weg.
Wir sind leicht geschockt. Wir wussten nichts davon, dass es hier keine Kartenzahlung gibt.
Für Touristen aus dem Ausland ist Barzahlung ungewöhnlich
Besonders für Touristen, die zum Beispiel aus Frankreich, Spanien, Holland oder Skandinavien kommen, ist Barzahlung ungewohnt. Ein amerikanisches Ehepaar, das ins Besucherzentrum will, schüttelt ungläubig den Kopf: "Ich kann mich an kein Museum in den USA erinnern, das nach Bargeld gefragt hätte. Bei uns in den USA ist es ganz normal, alles mit Karte zu bezahlen. Für Touristen wie uns ist das schon sehr ungewohnt, mit Bargeld zu bezahlen", berichtet die Frau.
Für die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Nationalparkzentrum ist das längst Alltag. Gabriele Herold arbeitet seit langem an der Kasse: "Die meisten haben Verständnis. Ab und zu sind die Leute verwundert, ganz selten auch ungehalten und einmal ist ein Gast wieder rausgegangen. Wenn die Leute gar kein Bargeld dabei haben, weise ich aber immer auf die Möglichkeit hin, den Tourist-Shop nebenan als Bargeldautomat zu 'missbrauchen'", lacht sie.
Keine Kartenzahlung: Probleme mit Dienstleister
Tatsächlich können Besucher im Souvenir-Shop nebenan per EC- oder Kreditkarte Geld abheben. Ein Service, den die Schwarzwald Tourismus GmbH den Besuchern bietet. Für die Leiterin des Besucherzentrums, Ursula Pütz ist dies aber nur eine "gute Notlösung", für die sie dankbar ist. Zumal auch noch keine schnelle Lösung in Sicht sei, so Pütz. "Bei der Eröffnung des Nationalpark-Besucherzentrum gab es die Möglichkeit zur Kartenzahlung. Aber dann hatten wir große Probleme mit dem Zahlungsdienstleister. Seitdem versuchen wir die Leute über unsere Homepage zu informieren, dass bei uns nur in Bar bezahlt werden kann."
BW-Umweltministerium sucht nach langfristiger Lösung
Auf SWR-Anfrage teilte das zuständige Umweltministerium in Stuttgart mit, dass der ursprüngliche Vertrag mit einem Zahlungsdienstleister zur Kartenzahlung vor Ort "wegen vertraglicher Schwierigkeiten aufgelöst" worden sei. "Derzeit prüft der Nationalpark mehrere Möglichkeiten, um seinen Besucherinnen und Besuchern möglichst schnell wieder digitale Zahlungsmöglichkeiten anbieten zu können. Wir stehen dazu mit dem Nationalpark und dem Finanzministerium im Austausch."
An Hütten im Schwarzwald oft nur Barzahlung möglich
Auch an manchen Hütten im Nordschwarzwald können Urlauber nur mit Bargeld bezahlen: Die Rasthütte am Seibelseckle zum Beispiel bietet Speisen und Getränke sowie Kaffee und Kuchen im Lokal und draußen an - aber seit jeher nur im Barverkauf. Für eine Familie können da schnell mal Beträge von 30, 40 oder 50 Euro zusammenkommen.
Maria Ackermann, die seit 20 Jahren als angestellte Hüttenwirtin arbeitet, sieht darin kein großes Problem. "Wir haben viele Stammgäste, die wissen das und sind darauf eingestellt."
Es kommt sehr selten vor, dass jemand kein Bargeld dabei hat, und dann finden wir auch immer eine Lösung. Es war noch nie jemand deswegen verärgert.