Es ist eines der größten Testfelder für Photovoltaik in Europa: das Testfeld Widderstein. Bei Merklingen auf der Ulmer Alb (Alb-Donau-Kreis) werden Photovoltaikanlagen auf Herz und Nieren geprüft und praxistauglich gemacht. Betrieben wird die eindrucksvolle Anlage vom Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoffforschung in Stuttgart und Ulm.
Gute Sonneneinstrahlung für Solarmodule
Wer am Ortsrand von Widderstall Richtung Testfeld abbiegt, dem glänzen und gleißen sie entgegen: Gläserne Rechtecke in blau, grau, schwarz - sogar in weiß. Nach Passieren der Eingangstür erstreckt sich eine lange Reihe von Ständern. Auf denen funkeln PV-Module in der strahlenden Maisonne. Der Standort auf 750 Meter über dem Meeresspiegel hat eine sehr gute Sonneneinstrahlung. Hier wird das Neueste vom Neuen der Solartechnik getestet. Mit Ausnahmen.
Gleich nach dem Eingang steht eine etwas merkwürdige Anlage: Auf mehreren Modulen klammern sich rote Flechten fest. Andere haben deutliche Schmutzränder. Und auch sonst wirkt das Teil leicht ramponiert. Mit Recht, grinst Olaf Schanz. Der Leiter des Testfelds klärt auf: Es ist die älteste Anlage, aus dem Gründungsjahr 1989. Und siehe da: Sie funktioniert nach wie vor, hat noch respektable 85 bis 90 Prozent der anfänglichen Leistung. "Prinzipiell ist das der Nachweis, dass Photovoltaik durchaus 30 Jahre und länger funktionieren kann. Die lassen wir so lange hängen, bis sie total defekt sind", erklärt er.
"Prinzipiell ist das der Nachweis, dass Photovoltaik durchaus 30 Jahre und länger funktionieren kann."
Die Langzeittauglichkeit ist Schanz wichtig. Abmontiert und gereinigt wurden die Uralt-Module nie. "Ich möchte keine Technik haben, wo die Leute aufs Dach klettern müssen und die Module reinigen und nachher runterfallen."
Ex-Ministerpräsident Späth war Antreiber für das Testfeld
Als die Anlage auf dem Testfeld Widderstall montiert wurde, war sein Betreiber gerade mal ein Jahr alt: Das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoffforschung (ZSW) wurde nicht zuletzt vom damaligen baden-württembergischen Ministerpräsidenten Lothar Späth ins Laufen gebracht. Der oft "Cleverle" genannte Landesvater wollte die Sonne als nachhaltige und zukunftsfähige Energiequelle nutzbar machen. Das tut das ZSW in einem Forschungszentrum in Ulm. Verwaltung und Materialforschung sitzen in Stuttgart. Und in Widderstall wird die Praxistauglichkeit der Technik getestet.
Der "Toaster" lässt Photovoltaik-Anlagen altern
Zum Beispiel mit einer fast furchteinflößenden Apparatur in der Mitte des Testfelds. Der "Toaster" könnte eine Mischung aus Alien-Roboter und riesiger fleischfressender Pflanze sein mit seinen vier klauenartigen Spiegeln links, rechts, oben und unten. Die zu testenden PV-Module hat er schon verschluckt, sie warten im Zentrum des Toasters auf ihre Folter.
Der heißt so, weil die Module durch die Spiegel, die auch noch dem Sonnenstand hinterher wandern, der doppelten Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind wie normal - und dadurch beschleunigt altern. Die Module werden gewissermaßen "getoastet".
Photovoltaik-Module für alle Bedürfnisse
Auf dem Weg durch das Testfeld trifft man auch auf ungewöhnliche PV-Module. Etwa welche, die senkrecht an der Wand hängen. Eine Balkonverkleidung, klärt Olaf Schanz auf. Die sei im Winter besonders wirkungsvoll, so der Leiter des Testfeldes. Da steht die Sonne besonders tief.
Das Neueste vom Neuen der Solartechnik
Im hintersten Teil des Solar-Testfelds Widderstall wird neue PV-Technik auf ihre Praxistauglichkeit geprüft: Eine unendlich lange Reihe glänzend-schwarzer Freiflächen-PV's, wie man sie immer häufiger am Rand von Autobahnen sieht. Diese hier lassen sich durch so genannte "Tracker" schwenken und fangen dadurch viel mehr Sonnenlicht ein als fest installierte Anlagen. Auftraggeber für die Tests sind oft Unternehmen oder Finanzinstitutionen.
In vier Jahrzehnten wird Photovoltaik immer günstiger
Auch wenn die mit Flechten bewachsene PV-Anlage am Eingang ihren heutigen Nachfolgerinnen durchaus noch ähnlich sieht: Seit der Gründung des Testfelds Widerstall vor 37 Jahren hat sich viel getan. Der Preis für eine Anlage sei auf ein Fünfzehntel gefallen, die Leistung um 30 Prozent gestiegen, rechnet Olaf Schanz vor und sagt: "Photovoltaik ist die günstigste Art, Strom zu erzeugen."