Maststall mit fast 30.000 Tieren

Geplanter Hähnchen-Maststall im Alb-Donau-Kreis: "Tierfabrik" oder nachhaltige Landwirtschaft?

Nachhaltige Landwirtschaft oder "Tierfabrik"? Die Pläne für einen Maststall mit fast 30.000 Hähnchen sorgen in dem kleinen Ort Rottenacker im Alb-Donau-Kreis für hitzige Debatten.

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Von Autor/in Frank Polifke

"!Kein! Hähnchen-Maststall" - diese Botschaft auf einem Schild in Rottenacker-Neudorf ist eindeutig, und richtet sich gegen Familie Renz aus dem Alb-Donau-Kreis. Das Ehepaar will in dem Teilort von Rottenacker mit nur 25 Einwohnern sein landwirtschaftliches Projekt realisieren: einen Maststall mit fast 30.000 Tieren.

Familie Renz plant in Rottenacker einen Hähnchenmaststall mit hohen Standards für die Tierhaltung. Aber es gibt viel Widerstand gegen das Projekt.
Familie Renz plant in Rottenacker einen Hähnchenmaststall mit hohen Standards für die Tierhaltung. Aber es gibt viel Widerstand gegen das Projekt.

Dabei soll mindestens die Haltungsform 3 ("Außenklima") umgesetzt werden, möglicherweise sogar Haltungsform 4 ("Premium"), was eine geringere Tierdichte bedeuten würde. Doch trotz der geplanten hohen Standards regt sich massiver Widerstand in der kleinen Gemeinde.

Bürgerinitiative in Rottenacker spricht von "Tierfabrik"

Eine Bürgerinitiative hat sich gebildet. Sie spricht von einer "Tierfabrik" - den Maststall will sie unbedingt verhindern. 19 Einwendungen hat die Initiative deshalb per Einschreiben an das Landratsamt geschickt. Noch gibt es aber keinen Bauantrag.

Monika Lehner von der Bürgerinitiative befürchtet eine Geruchsbelästigung: "Sie schreiben: Jawohl, es gibt hohe Kamine. Aber irgendwo muss der Geruch ja hin."

Landwirtin sieht keine Geruchsbelästigung

Die studierte Landwirtin Stefanie Renz hält dagegen: "Das sind Eintagsküken, die brauchen sehr viel Wärme. Der Stall hat 38 Grad. Die Lüftung ist auf ein Minimum reduziert. Und wenn die Tiere größer werden, müssen wir gucken, dass wir die Einstreu immer schön trocken halten. Dann entsteht auch kein Gestank."

Die mögliche Geruchsbelästigung ist nur einer von mehreren Kritikpunkten der Bürgerinitiative. Die Mitglieder befürchten auch eine zunehmende Nitratbelastung des Grundwassers. Denn das Grundstück, auf dem der Stall gebaut werden soll, ist von Wassergräben durchzogen, die in die nahe Donau münden.

Und nicht zuletzt fürchten die Mitglieder der Initiative um Gesundheit und Wohlbefinden der Küken. Noch steht zwar nicht fest, ob der Stall überhaupt gebaut wird und - wenn ja - mit welcher Haltungsstufe. Die Bürgerinitiative geht in jedem Fall von "Massentierhaltung" aus. Das Wort "Tierfabrik" taucht in Gesprächen mit ihnen immer wieder auf.

Die Bürgerinitiative hat fast 2.500 Unterschriften gegen den Bau des Maststalls gesammelt.
Die Bürgerinitiative hat fast 2.500 Unterschriften gegen den Bau des Maststalls gesammelt.

Petition gegen Maststall: mehr Unterschriften als Einwohner

Tanja Proksch hat eine Petition gegen das Projekt ins Leben gerufen, die bis Mittwochabend fast 2.500 Unterschriften gesammelt hat - also mehr als ganz Rottenacker Einwohner hat. Sogar Menschen aus Stuttgart und München haben unterschrieben.

Ob die Petition das Vorhaben kippen könnte, ist nach Auskunft des Landratsamts Alb-Donau-Kreis eher unwahrscheinlich: "Eine Bürgerinitiative hat im Genehmigungsverfahren kein eigenes Beteiligungsrecht, da die Landesbauordnung nicht vorsieht, Stellungnahmen unbeteiligter Dritter einzuholen." Sollte die Genehmigung später erteilt werden, sei jedoch eine Klage möglich.

Die Bürgerinitiative hat viele Menschen mobilisiert, hofft aber dennoch auf eine Lösung im Sinne beider Seiten.
Die Bürgerinitiative hat viele Menschen mobilisiert.

Landwirte wollen auf Projektgegner zugehen

Die Bürgerinitiative hofft auf eine einvernehmliche Lösung mit dem Ehepaar: "Uns würde es natürlich sehr freuen, wenn sie auf uns zukommen und sagen: 'Was können wir denn gemeinsam hier machen?'", sagt Tanja Proksch.

Auch das Ehepaar Renz will auf die Projektgegner zugehen: "Wir möchten die ganze Bevölkerung von Neudorf mitnehmen und einen Masthähnchenstall besichtigen." Das Ehepaar Renz und die Bürgerinitiative hoffen, gemeinsam eine Lösung zu finden, die für alle Beteiligten akzeptabel ist.

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Autor/in
Frank Polifke
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Onlinefassung
Rainer Schlenz
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