Bartholomä wird voraussichtlich nicht ganz so stark von Windkraftanlagen "umzingelt", wie viele Bewohnerinnen und Bewohner befürchten. Südlich der Ostalb-Gemeinde werden wohl weniger gebaut als ursprünglich geplant. Der Verband Region Stuttgart hat ein Vorranggebiet zurückgezogen.
Windräder im Naturschutzgebiet - das geht gar nicht
"GP-28 ist tot". Mit diesem kryptischen Kürzel - wobei GP für den Kreis Göppingen steht - hatte der Verband ein kleines Gebiet südlich von Bartholomä bezeichnet, in dem künftig Windräder hätten stehen sollen. Hätten, wohlgemerkt. Denn der Verband Region Stuttgart hat GP-28 gestrichen, ein Vorranggebiet mit Platz für bis zu neun Windkraftanlagen.
Aber nicht, weil sich in Bartholomä seit Monaten teils heftiger Widerstand gegen die geplanten Windkraftanlagen regt. Der Grund heißt Naturschutz. GP-28 liegt zumindest teilweise in einem sogenannten "Natura 2000-Gebiet". Unter diesem Namen hat die EU das weltweit größte zusammenhängende Netz von Gebieten zum Schutz bedrohter Arten ausgewiesen. Entweder nach der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie oder der EU-Vogelschutzrichtlinie.
Streit um Windkraft Gemeinde und Bürger fürchten "Umzingelung": Bald 40 neue Windräder in Bartholomä?
Bartholomä im Ostalbkreis fürchtet, von Windrädern umzingelt zu werden. Gleich zwei Regionalverbände planen hier neue Windkraftanlagen. Gemeinde und Bürgern wird das zu viel.
Verband schweigt über Hintergründe
Wie konnte es passieren, dass der Verband Region Stuttgart das Gebiet dennoch als Vorrangfläche für Windenergie eingestuft hat? Dazu wolle er sich aktuell nicht äußern, teilte ein Sprecher dem SWR auf Nachfrage mit. Mitte September, anlässlich der nächsten Sitzung des Planungsausschusses, werde es möglicherweise Antworten geben.
Das Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen hatte vor Kurzem den Windkraft-Plan für die Region Stuttgart abgelehnt mit der Begründung: Er enthalte handwerkliche wie rechtliche Fehler, vor allem in Sachen Naturschutz. Zahlreiche bekannte FFH-Gebiete habe der Verband nicht berücksichtigt.
Die Folge: Der Verband muss nacharbeiten. Momentan prüfe man sämtliche verbliebenen 35 Vorranggebiete, sagte der Sprecher dem SWR. Der Bau der ersten neuen Windkraftanlagen werde sich voraussichtlich um mindestens ein Jahr verzögern. Die Regionalversammlung des Verbands Region Stuttgart könnte die überarbeiteten Pläne frühestens im Herbst 2027 beschließen.
Regionalverband Ostwürttemberg: Pläne unverändert
Im Gegensatz zu den Windkraftplänen des Verbands Region Stuttgart bleiben die des benachbarten Regionalverbands Ostwürttemberg unverändert. An ihnen hatte das Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen auch nichts beanstandet, so die stellvertretende Verbandsdirektorin Eva-Maria Nordhus gegenüber dem SWR. Außerdem sei der Regionalverband Ostwürttemberg schon weiter: Sein Plan für die Fortschreibung der Windkraft sei schon rechtskräftig.
Folglich werden die Windkraftanlagen des Regionalverbands bei Bartholomä wahrscheinlich so gebaut, wie in der Planung vorgesehen.
Bürgerinitiative trotz weniger Windräder unglücklich
Die Streichung des Vorranggebiets GP-28 löst bei den Mitgliedern der Bürgerinitiative "Lebensraum Albuch" keinerlei Euphorie aus. Sprecherin Karin Debler begrüßt den Wegfall einerseits. Andererseits seien nördlich von Bartholomä zwei weitere neue Vorranggebiete ausgewiesen. Und eine bereits bestehende südlich der Ortschaft solle erweitert werden. Die Bartholomäer würden nach wie vor von Windrädern umzingelt, klagt Debler. "Für uns ändert sich nicht arg viel".